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Montag, 14. März 2022

"Die Blüte der Novemberrosen" ist im Handel

 

Der zweite Band meines Novemberrosen-Zweiteilers ist im Handel erhältlich!

Die Blüte der Novemberrosen (2/2)

Hannover 1868: Sophie Brinkhoff erarbeitet sich heimlich und gegen den Willen ihrer Familie eine eigene berufliche Existenz. Doch die Summe ihrer Geheimnisse droht sie in den Untergang zu ziehen, als ihr Ehemann Ernst sie vor ein Ultimatum und damit vor die größte Herausforderung ihres bisherigen Daseins stellt: Sie soll ihr Leben in Hannover aufgeben und mit ihm nach Oldenburg ziehen, um die für ihren gesellschaftlichen Stand katastrophale Scheidung ihrer Ehe zu verhindern. Sophie will frei sein von gesellschaftlichen und privaten Zwängen. Und so kämpft sie für ein selbstbestimmtes Leben – und für ihre Liebe zu dem Arbeiter Karl.

 


Der Glanz der Novemberrosen (1/2)

Hannover Mitte des 19. Jahrhunderts: Als Töchter des Lokomotivfabrikanten Georg Brinkhoff wachsen Sophie und ihre Schwestern in Reichtum auf. Aber anders als ihre Familie sieht Sophie die Nöte der Arbeiter. Als sie sich für soziale Gerechtigkeit engagiert, lernt sie den verheirateten Fabrikschmied Karl kennen. Es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Doch hin- und hergerissen zwischen ihrer verbotenen Beziehung und dem Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie heiratet sie schließlich den Ingenieur Ernst Drave, für den sie nichts empfindet. Ihre Liebe zu Karl ist jedoch stärker denn je. Und so beginnen beide ein gefährliches Doppelleben …

Mittwoch, 27. Oktober 2021

Der Glanz der Novemberrosen: Hintergründe Teil 2

Mirjana Cvjetkovic hat für die hannoversche "Neue Presse" einen Beitrag über das Buch und mich geschrieben. Hier geht es zur Onlineversion.

Frank Füllgrabe schrieb für die "Landeszeitung der Lüneburger Heide" einen Beitrag, der für Abonnenten der Zeitung online hier im Archiv nachzulesen ist.

Über beide Beiträge freue ich mich sehr.

 

Taschenbuch und E-Book von »Der Glanz der Novemberrosen« sind im Goldmann Verlag erschienen und überall im Buchhandel bestellbar.

Hannover Mitte des 19. Jahrhunderts: Als Töchter des Lokomotivfabrikanten Georg Brinkhoff wachsen Sophie und ihre Schwestern in Reichtum auf. Aber anders als ihre Familie sieht Sophie die Nöte der Arbeiter. Als sie sich für soziale Gerechtigkeit engagiert, lernt sie den verheirateten Fabrikschmied Karl kennen. Es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Doch hin- und hergerissen zwischen ihrer verbotenen Beziehung und dem Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie heiratet sie schließlich den Ingenieur Ernst Drave, für den sie nichts empfindet. Ihre Liebe zu Karl ist jedoch stärker denn je. Und so beginnen beide ein gefährliches Doppelleben ...

 

 

Im 19. Jahrhundert verfestigt sich zunehmend der Kontrast zwischen der üppigen und farbenfrohen Damenmode der besseren Gesellschaft und der eher tristen und schlichten Herrenmode. Der Herr, der etwas auf sich hält, trägt Hut (gern einen Zylinder), Weste, eine leicht taillierte Jacke in gedeckter Farbe, einen Binder zum Hemd und einen schicken Gehstock. Und er muss aufpassen, dass er nicht über seine überlangen Pantalons stolpert, worüber die siebzehnjährige Sophie sich in einer der ersten Szenen von »Der Glanz der Novemberrose« heimlich amüsiert.

 


 
Karls erster Eindruck von der Frau, die ihn nicht mehr loslassen wird ...

 


Auch im 19. Jahrhundert führten Missernten und Teuerungen noch zu dramatischen Hungersnöten, von denen die ärmeren Stadtbewohner oft schlimmer getroffen wurden als die Leute auf dem Land, die sich näher an den Nahrungsquellen befanden. In der Stadt musste ein großer Teil der ohnehin niedrig bemessenen Arbeitslöhne für Lebensmittel ausgegeben werden. Entsprechend standen den Leuten kaum Mittel zur Verfügung, um für alle anderen Bedürfnisse aufzukommen. Hinzu kam, dass günstiger Wohnraum in den Industriestädten, in denen die Fabriken rasant wuchsen und einen Strom von Arbeitskräften anzogen, ohnehin knapp war. Das führte dazu, dass Arbeiterfamilien auf engstem Raum leben mussten. Meist verfügten sie nur über eine häufig schlecht beleuchtete und schwierig zu lüftende Wohn-Schlaf-Küche, zu der bestenfalls noch eine kleine Nebenkammer gehörte. In diesem Bereich spielte sich das gesamte häusliche Leben ab. Besonders die für die Kinderbetreuung und Zubereitung von Mahlzeiten zuständigen Frauen und ihre kleinen Kinder verbrachten in dieser bedrückenden, ziemlich ungesunden Enge viel Zeit, während die größeren Kinder immerhin nach draußen und die Männer in die Eckkneipen flüchten konnten. Den arbeitenden Männern blieb übrigens ohnehin wenig Zeit neben ihrer Arbeit. Ein 14-Stunden-Tag war keine Seltenheit.
Ich finde es immer erstaunlich, dass Menschen, die unter diesen harten Bedingungen lebten, trotzdem gelegentlich noch die Kraft fanden, um feiern und tanzen zu gehen. Wahrscheinlich hatten viele von ihnen trotz aller Not eine ziemlich gute Kondition.

 


In Deutschland setzte die industrielle Revolution am Anfang des 19. Jahrhunderts ein. Die verbesserten Methoden der Eisenproduktion und die Ausbreitung der Dampfmaschine zogen die Erfindung von Werkzeug- und Verarbeitungsmaschinen aller Art nach sich. Eine Maschinenfabrik wie die der Familie Brinkhoff in »Der Glanz der Novemberrosen«, wo vor allem große Werkstücke wie Lokomotiven oder Erntemaschinen hergestellt wurden, die sich meist noch in der Entwicklung befanden, war allerdings von Massenproduktion noch weit entfernt. Auch die Optimierung von Arbeits- und Vertriebsprozessen musste ja erst einmal erfunden werden. 

 

 

Das erste Wiedersehen in der väterlichen Fabrik ...

 


Die streng überwachte, junge bürgerliche Frau des 19. Jahrhunderts konnte ihren Ehepartner nur mit Zustimmung ihres Vormunds, also meistens des Vaters, wählen. Gründe, eine Ehe zu verbieten, gab es für Eltern viele, und oft spielten strategische Überlegungen eine Rolle, die die gesellschaftliche Stellung der gesamten Familie betrafen. Doch auch wenn es nicht um kühles heiratspolitisches Kalkül ging, hätte wohl kaum ein fürsorglicher bürgerlicher Vater dieser Epoche seiner Tochter erlaubt, einen Mann zu heiraten, der ihr keine in seinen Augen angemessene materielle Sicherheit bieten konnte. Gab es wenigstens vielversprechende Aufstiegschancen, konnte das einen Unterschied machen, doch grundsätzlich war der Wunsch, die eigenen Kinder innerhalb der Klassengesellschaft eher »nach oben« zu verheiraten, sehr mächtig.
Alternativ in einer unehelichen Beziehung zu leben, bedeutete für Frauen den Verlust ihres Ansehens und beraubte sie häufig der Aussicht auf Mitgift oder Erbschaft (für eine Frau jener Zeit fast die einzigen Möglichkeiten, zu einer eigenen finanziellen Absicherung zu kommen.) »Wilde Ehen« wurden oft sogar staatlich unterbunden. Ehebrecherische Beziehungen verboten sich natürlich völlig, obwohl viele arrangierte Ehen mangels einfacher Scheidungsmöglichkeiten nach einer Weile nur noch pro forma existierten.
Wann immer also das Herz damals einen eigenen Willen hatte und die Leidenschaft zwischen zwei Menschen zuschlug, war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man sich mit einer verbotenen, heimlichen Liebe begnügen musste, so wie gewisse Personen in "Der Glanz der Novemberrosen".

 




 Während die Kleidung der wohlhabenden Bürgerinnen und Adligen zu Beginn des 19. Jahrhunderts vergleichsweise praktisch und bequem war, schwang die Mode Mitte des Jahrhunderts wieder um und verlangte zunehmend so üppige, weite Röcke wie im Rokoko. Ohne Krinoline (den mit Federstahlreifen gefüllten Unterrock) ging bald nichts mehr, denn die wirkt auf den ersten Blick zwar unbequem und sperrig, machte es aber erst möglich, die enorme, schwere Stoffmenge der weiten Röcke einigermaßen bequem auf den Hüften zu tragen. Auch das Korsett hatte daran seinen Anteil, denn es half, das Gewicht gleichmäßig auf den Oberkörper zu verteilen und verhinderte, dass die Bänder der Röcke ins Fleisch einschnitten. So quälend einengend und oft sogar tragisch gesundheitsschädlich das Korsett bei enger Schnürung war, wären die Traumkleider jener Epoche ohne dieses entscheidende Stück Unterwäsche nicht tragbar gewesen.
Für mich stehen Korsett und Krinoline sinnbildlich für die einengende Rolle der Frauen, die es trugen. Die repräsentative Schönheit war eine ihrer wichtigsten Aufgaben und die damit einhergehende Beschränkung ihrer Bewegungsfreiheit gesellschaftlich absolut gewollt. Manche Frauen fühlten sich vermutlich ehrlich wohl dabei, in dieser Rolle zu glänzen, aber die vielen, die es nicht taten, litten mitunter ihr Leben lang.

 


 Ach ja, die Tücken der Mode ...

 


Trotz des schnell voranschreitenden technischen Fortschritts war der selbstverständliche Motor für alle Zwecke in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch das Pferd. Auch der Lokomotivfabrikant Egestorff ließ seine fertigen Loks auf einem speziell angefertigten Schwertransportwagen von großen Pferdegespannen vom Lindener Werk zum hannoverschen Bahnhof ziehen, wo sie erst auf die Schienen gesetzt wurden.
Pferde dienten dem Vergnügen der Wohlhabenden wie z. B. Sophies reitbegeisterter Schwester Dorette, und sie bewegten Lasten und Fahrgäste jeglicher Art von A nach B. Das Bild jeder Stadt war von Pferden und ihren Hinterlassenschaften geprägt, und der Umgang mit ihnen für viele Menschen alltägliche Gewohnheit.

 


 Mitte des 19. Jh. wuchsen die Bedeutung und der Wohlstand des Bürgertums im Vergleich zu den anderen Klassen, vor allem durch die aufstrebende Gruppe der Fabrikbesitzer. Die Biedermeierzeit am Anfang des Jahrhunderts hatte einen Rückzug der gesamten Familie ins Häusliche mit sich gebracht, der besonders das Leben der Frau betraf, die für die eigenhändige perfekte Gestaltung dieser idealisierten häuslichen Umgebung zuständig war.
Der Anspruch des perfekten Heims blieb in den folgenden Jahrzehnten bestehen, doch die tugendhafte Hausherrin überließ die gröberen praktischen Arbeiten zunehmend dem Personal und widmete sich vornehmerem Zeitvertreib.
Familie Brinkhoff aus »Der Glanz der Novemberrosen« spiegelt diesen Wechsel der Zeiten. Während die Großmutter noch aus einfachen Verhältnissen stammt und daran gewöhnt ist, überall tatkräftig mit anzupacken, hat Mutter Brinkhoff schon eher nur die leitende Position der Haushälterin inne, obwohl sie die notwendigen Hausarbeiten selbst noch praktisch beherrscht. Für die Töchter der Familie ist die Rolle der tugendhaften Ehe- und Hausfrau zwar ebenfalls vorgesehen, doch eingeschränkt auf die übergeordnete Stellung, in der sie von den körperlichen Arbeiten freigestellt bleiben.
Frauenarbeit wird im Großbürgertum zunehmend als Makel betrachtet, weil sie darauf hinzuweisen scheint, dass die Fähigkeiten des Hausherrn nicht ausreichen, um sie überflüssig zu machen. Den Frauen der Familie die Arbeit zu ersparen, wird für den Herrn zur Ehrensache mit manchmal bedrückenden Nebenwirkungen für die Betroffenen.

 


 Der standesgemäße Verehrer gibt sein Bestes ...

 


 Erfolgreich einen bürgerlichen Haushalt zu führen, all den Ansprüchen an regelmäßige üppige Mahlzeiten, Sauberkeit, makellose Ausstattung, manierliches Dienstpersonal, Gastlichkeit und repräsentative Einrichtung zu genügen, erforderte im 19. Jahrhundert weitreichende Kenntnisse. Entsprechend kam es zu einem Boom der von erfahrenen Frauen verfassten Ratgeberliteratur. Von Kochrezepten, Einkaufs- und Vorratshaltungstipps und Putzkniffen über Anstandsregeln, Tipps für den Umgang mit dem Ehegatten und Erziehungsratschlägen bis hin zu Krankenpflegemaßnahmen wurde in diesen Büchern alles behandelt, was die tugendhafte Hausfrau gebrauchen konnte. Kaum eine junge Bürgerin ging in dieser Zeit wohl in die Ehe, ohne wenigstens ein solches Ratgeberbuch geschenkt zu bekommen. Eine bekannte Verfasserin solcher Werke ist z. B. Henriette Davidis.
(Ich bin so dankbar, dass heute niemand mehr von mir verlangt, stets über haufenweise blütenweiße, gebügelte Tisch-, Bett- und Leibwäsche zu verfügen. Ehrlich, schon das allein würde mich fertigmachen. 😅) 

 


 Obwohl es im 19. Jahrhundert in Deutschland die ersten Verbote von Kinderarbeit oder wenigstens gesetzliche Einschränkung der Altersgruppe und täglich erlaubten Arbeitszeit gab, war es in den ärmeren Gesellschaftsschichten weiterhin üblich, die Kinder so früh wie möglich mitverdienen zu lassen. Häufig wurden daher Kinder schon in einem Alter als Hilfskräfte in die Fabriken mitgenommen, in dem die meisten Deutschen heute ihre Kinder nicht einmal allein auf den Spielplatz gehen lassen. Für mich ist schwer vorstellbar, wie sich das, was die überwiegend schlecht ernährten Winzlinge leisten konnten, für jemanden auszahlte, aber offenbar gab es Tätigkeiten, für die sich gerade die kleinen Kinderhände besonders gut eigneten.
In den wohlhabenden Familien war Erwerbstätigkeit für die Kinder kein Thema, was allerdings nicht heißt, dass sie überwiegend eine unbeschwerte, nach heutigen Maßstäben altersgerechte Kindheit erlebten. Steife, sogar für heutige Erwachsene herausfordernde Benimmregeln wurden sowohl von den Eltern als auch vom für die Kinderbetreuung und -ausbildung eingestelltem Personal streng durchgesetzt. Gewaltanwendung war dabei selbstverständlich.
Gespielt haben Kinder aller Schichten dennoch, wann immer sich eine Chance dazu bot. Das beweisen die überlieferten Spiele und Spielzeuge. Den Gedanken, dass sich diese kindliche Spiel- und Lebensfreude in allen Epochen sämtlichen Widerständen zum Trotz immer wieder einen Weg bahnte, finde ich sehr tröstlich.

 

 

1852, am Ende von »Der Glanz der Novemberrosen« ist das schnelle Reisen per Eisenbahn schon ein gutes Stück gebräuchlicher geworden als zu Beginn der Geschichte. Mit motorisierten Straßenfahrzeugen wird ebenfalls experimentiert, und auch an der Entwicklung von Flugapparaten arbeiten etliche entschlossene Erfinder.

Für gewöhnliche Leute war jedoch ein Aufsteigen im Fesselballon als Jahrmarktsattraktion noch das Vergnügen, das dem Fliegen am nächsten kam. In Band 2 meiner »Novemberrosen« finden Sophie und Karl sich gemeinsam in einem Ballonkorb wieder, und ihre Geschichte geht weiter ...

 


»Der Glanz der Novemberrosen« ist zu Ende, aber die Geschichte geht weiter.

Band 2 erscheint am 14. März 2022

Die Blüte der Novemberrosen:

Hannover 1868: Sophie Brinkhoff erarbeitet sich heimlich und gegen den Willen ihrer Familie eine eigene berufliche Existenz. Doch die Summe ihrer Geheimnisse droht sie in den Untergang zu ziehen, als ihr Ehemann Ernst sie vor ein Ultimatum und damit vor die größte Herausforderung ihres bisherigen Daseins stellt: Sie soll ihr Leben in Hannover aufgeben und mit ihm nach Oldenburg ziehen, um die für ihren gesellschaftlichen Stand katastrophale Scheidung ihrer Ehe zu verhindern. Sophie will frei sein von gesellschaftlichen und privaten Zwängen. Und so kämpft sie für ein selbstbestimmtes Leben – und für ihre Liebe zu dem Arbeiter Karl.


 

Dienstag, 20. April 2021

Der Glanz der Novemberrosen

 


 Am 18. Oktober 2021 erscheint im Goldmann Verlag mit "Der Glanz der Novemberrosen" der erste Teil meines Novemberrosen-Zweiteilers. Der zweite Teil folgt im März 2022 mit "Die Blüte der Novemberrosen".

Teil 1:

Hannover Mitte des 19. Jahrhunderts: Als Töchter des Lokomotivfabrikanten Georg Brinkhoff wachsen Sophie und ihre Schwestern in Reichtum auf. Aber anders als ihre Familie sieht Sophie die Nöte der Arbeiter. Als sie sich für soziale Gerechtigkeit engagiert, lernt sie den verheirateten Fabrikschmied Karl kennen. Es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Doch hin- und hergerissen zwischen ihrer verbotenen Beziehung und dem Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie heiratet sie schließlich den Ingenieur Ernst Drave, für den sie nichts empfindet. Ihre Liebe zu Karl ist jedoch stärker denn je. Und so beginnen beide ein gefährliches Doppelleben ...

 



Freitag, 29. Mai 2020

Marthas Recherche im Mai


Wenn man sich heute mit der Lage der Frauen im Deutschland des 19. Jh. beschäftigt, stößt man bald auf den Namen Louise Otto-Peters (1819- 1895). Sie wurde mit 16 Jahren Vollwaise und bewohnte anschließend das elterliche Haus in Meißen mit ihren zwei älteren Schwestern und ihrer Tante zusammen. Unter dem Pseudonym »Otto Stern« schrieb und veröffentlichte sie schon früh sozialkritische Texte, in denen sie sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Arbeitern und besonders auch für die Rechte der Arbeiterfrauen einsetzte. Ihr Engagement weitete sich aus, und 1865 gründete sie schließlich mit einigen anderen starken Frauen zusammen den Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF). Der Verein wirkte maßgeblich daran mit, dass nach langen, beharrlichen Kämpfen in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt wurde.
Auf dem Bild seht ihr noch einige andere frühe Aktivistinnen der Frauenbewegung: Neben Louise Otto-Peters auch Marie Loeper-Housselle, Luise Büchner, Mathilde Weber, Auguste Schmidt, Bertha von Marenholtz-Bülow, Henriette Goldschmidt, Helene Lange, Lina Morgenstern, Marie Calm und Anna Schepeler-Lette. (Mein heutiger Beitrag zu: Vergesst nicht diejenigen, auf deren Schultern wir stehen)


Wer sich weitergehend mit der Geschichte des Frauenwahlrechts in Deutschland beschäftigen möchte, dem empfehle ich folgendes Buch: "Frauenwahlrecht. Demokratisierung der Demokratie in Deutschland und Europa" herausgegeben von Hedwig Richter und Kerstin Wolff. Es ist zur Zeit auch als günstige Sonderausgabe von der Bundeszentrale für politische Bildung erhältlich.

 

Mittwoch, 13. Mai 2020

Nach dem Nachwort ...


Mein Nachwort zum neuen Roman ist fertig, und auch das Glossar ist vorbereitet.
Obwohl ich mich beim Schreiben meiner Romane bemühe, sparsam mit sperrigen Wörtern umzugehen, gibt es doch immer einige ungewöhnlicher Begriffe, die ich ganz bewusst aufnehme. Denn Sprache spielt eine Rolle, wenn eine Epoche oder ein Handlungsort im historischen Roman plastisch dargestellt werden soll. Zwar kann man Romanfiguren nicht ganz so sprechen lassen, wie sie es damals wirklich getan hätten, weil wir sie sonst kaum verstehen würden, aber ohne ein paar Andeutungen würde dem Gesamtbild etwas fehlen. Die deutsche Sprache wurde im Laufe der Jahrhunderte stark durch internationale Einflüsse geprägt und immer wieder verändert. So ist z. B. das Mittelalter nicht ohne Latein vorstellbar, die Barockzeit nicht ohne Italienisch und Französisch, die Zeit der Industrialisierung nicht ohne Englisch. Und unsere alten Dialekte, die sich regional immens unterschieden und noch immer unterscheiden, waren in der Vergangenheit überall viel häufiger zu hören und haben sich in einzelnen Begriffen ebenfalls dem »Hochdeutschen« eingeprägt. Außerdem sind da auch noch die Bezeichnungen für Gegenstände, Berufe oder Umstände, die es heute so gar nicht mehr oder nur selten gibt. Wer weiß heute schon noch, was »Diechlinge« sind? Im Mittelalter wussten hingegen wahrscheinlich die meisten Leute, dass damit der Beinschutz der Ritterrüstung gemeint ist.



Zu Nachwort und Glossar gesellt sich dann noch die Liste der im Roman auftretenden Personen.
Ich schreibe mein Manuskript mit Scrivener, wo ich ohne viel Aufwand ein Dokument im selben Projekt anlegen kann, das ich »Weitere Personen« nenne. Jedes Mal, wenn ich in der entstehenden Geschichte eine Person einführe, die ich nicht von Anfang an geplant hatte, kopiere ich ihren Namen sofort in dieses Dokument und schreibe einen kurzen Kommentar dazu, um wen es sich handelt. So finde ich später auch die Namen von »Statisten« mühelos wieder, wenn ich sie noch einmal brauche, ohne lange im Text danach suchen zu müssen. Und am Ende habe ich schon eine schöne Grundlage für die Personenliste, die dann auch im Buch abgedruckt wird. Auf dieser Liste steht allerdings nicht jede Figur, die vielleicht irgendwo in einem Halbsatz erwähnt wurde. Wenn es bei einem einzelnen, wenig bedeutenden Auftritt geblieben ist, taucht sie auf der Liste nicht auf, und in der Regel vermisst sie da auch niemand.
Ganz ohne Tücken ist das Anlegen der Personenliste übrigens nicht. Wenn man nicht aufpasst, kann man nichtsahnenden Leserïnnen ziemlich den Spaß verderben. Wer gleich zu Anfang in der Liste die Namen der fünf gemeinsamen Kinder zweier Personen liest, wird sich nämlich z. B. nicht mehr die eigentlich spannende Frage stellen, ob aus diesen beiden Personen ein Paar wird.

Samstag, 11. April 2020

Frohe Ostern!



Für mich ist die gute Nachricht von Verlag nicht mehr ganz so neu, aber weil sie noch nicht endgültig bestätigt war, hatte ich die Freude darüber aufgeschoben. Doch nun ist es bestätigt: Aus dem sehr (sehr) langen Manuskript, an dem ich so sehr (sehr) lange gearbeitet habe, soll nicht nur ein einziges Buch werden. Sondern zwei.
Und vor einer Stunde habe ich das gesamte Werk abgegeben. Die Geschichte ist erzählt. (Stellt euch lauten Jubel vor.) Fertig sind die beiden Bücher damit natürlich noch lange nicht, aber ich habe jetzt erst einmal Pause. Und die habe ich ganz ehrlich nötig. Ich weiß gerade gar nicht, ob ich heulen oder lachen soll, vor Freude und Erleichterung darüber, dass ich es wieder einmal geschafft habe. Und dass ich mir zu Ostern einfach ein paar Tage frei nehmen kann. Ohne eine unerledigte Arbeit mit drohender Deadline im Hinterkopf. Kann mich nicht daran erinnern, wann ich das zuletzt hatte.
Ich gehe dann mal all die herrlichen Romane aus meinem SUB ziehen, die ich endlich lesen werde ... Habt noch eine schöne Vorosterwoche!

Freitag, 28. Februar 2020

Auf in die nächste Phase



Anfang der Woche habe ich die letzte von meinen handschriftlichen Manuskriptseiten ins digitale Manuskript überführt. Will sagen: Ich bin fertig mit dem Abtippen/Diktieren. Fix und fertig. Jetzt (bin gerade vom Zahnarzt zurück, poste dies und dann …) starte ich mit der Überarbeitung der gesamten Geschichte. Das bedeutet, ich suche und beseitige Logikfehler, Widersprüche und überflüssige Wiederholungen, arbeite wichtige Details schärfer heraus, streiche unwichtige, straffe Szenen, die zu langsam ablaufen, führe andere länger aus, die sich zu lückenhaft oder abgehackt lesen. Und natürlich schleife ich dabei auch sprachlich noch einmal alles, bis es hoffentlich nirgends mehr hakt.
Und weil ich es versprochen hatte, verrate ich es euch jetzt: In den vergangenen 12 Arbeitstagen habe ich 678 Seiten abgetippt/diktiert. Das sind bei meiner Handschrift etwa 340 getippte Normseiten. (Nein, das ist nicht das ganze Buch. Die Geschichte ist länger. Den Rest hatte ich vorher schon getippt.) Hatte ich schon mal erwähnt, dass man die Phase der Manuskriptüberarbeitung so nennt, weil die Autorïnnen zu dieser Zeit in der Regel völlig überarbeitet sind?

Ich wünsche euch einen fabelhaften Start in die Frühlingszeit!
Alles Liebe,
Martha

Samstag, 25. Januar 2020

Das verlorene Königreich Hannover



Das »Königreich Hannover« entstand erst relativ spät, als im Jahr 1814 das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg mit seiner Residenzstadt Hannover diesen neuen Status erhielt. (Das geschah auf dem Wiener Kongress.) Schon seit 1714 war der Kurfürst von Hannover (Braunschweig-Lüneburg) gleichzeitig König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, wie mindestens alle Leserinnen von »Lady Annes Geheimnis« natürlich wissen. 😉 Das war die berühmte »Personalunion«, die 1837 aus erbrechtlichen Gründen endete. Der erste König beider Königreiche war Georg III., der letzte war Wilhelm IV.
Der letzte König von Hannover war dann Georg V., der 1866 ins Exil gehen musste, als Hannover an der Seite von Österreich im Krieg gegen Preußen unterlag. Das Land Hannover wurde anschließend vom eigenständigen Königreich zur preußischen Provinz.
Auf dem Bild seht ihr die Gemahlin des letzten Königs, Königin Marie, mit ihrer Tochter Mary. Das Gemälde soll die beiden auf Schloss Marienburg zeigen, das Georg für Marie erbauen ließ. Das Schloss wurde allerdings erst vollendet, als das Königreich bereits keines mehr war. Marie bewohnte es nur kurze Zeit, bevor sie ihrem Ehemann ins Exil nach Österreich folgte.
Die Romanszene, die ich gestern geschrieben habe, spielt 1866 in Hannover. Mit dem König oder sonstigem Adel hat meine Geschichte dieses Mal aber wenig zu tun. Ich habe mich für den neuen Roman wieder anderen Milieus zugewandt.
Und, ja, man glaubt es kaum, die allerletzten Szenen stehen bevor ...

Mittwoch, 15. Januar 2020

Das Lindener Schloss




Im 19. Jahrhundert gab es in Hannover-Linden ein prächtiges Schloss. Erbaut wurde es nicht, wie der heutige Name des umliegenden Parks und seines letzten Eigentümers vermuten ließe, von der Familie von Alten, sondern 1698 bis 1702 vom Grafen von Platen. Das war derselbe Graf, dessen Ehefrau Clara als Mätresse des Kurfürsten eine bedeutende Rolle in meinem Roman „Das Mätressenspiel“ spielt.
Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben vollständig zerstört. Heute gibt es an der Stelle, wo es stand, enttäuschenderweise nur noch den Von-Alten-Park, wo kaum mehr als eine Steinbalustrade an das Gebäude erinnert. In Hannover und Linden war der Grad der Zerstörung insgesamt sehr hoch, was es heute besonders schwierig macht, sich das frühere Stadtbild vorzustellen, wenn man vor Ort ist.
Für die Figuren des Romans, an dem ich gerade arbeite, gehört der Anblick des Schlosses der Familie von Alten allerdings ebenso zum Alltag wie die ersten hohen Industrieschornsteine der neuen Fabriken. 


Das Mätressenspiel

Montag, 13. Januar 2020

Work in Progress



Über keinem anderen meiner Romane habe ich so viel gebrütet wie über dem, den ich gerade schreibe. Er müsste eigentlich längst fertig sein, und gefühlt bin ich seit einer halben Ewigkeit auf der Zielgeraden. Aber es fehlt immer noch ein Stück. Und dann kommt erst die Überarbeitung, bei der ich wahrscheinlich ganz viel von dem geschriebenen Text wieder verwerfe. (Seufz 😶🙂‚) Ich wünschte, ich könnte es beschleunigen. Aber wenn man Geschichten beim Erzählen nicht die Zeit lässt, die sie brauchen, raubt man ihnen die Magie. Und das kann ich wirklich nicht verantworten. 😉
Es wird also noch eine Weile dauern, bis mein neuer Roman erscheint. Umso mehr freue ich mich dann, wenn es so weit ist. Und ich hoffe, das werdet ihr auch.
Liebe Grüße,
Martha

Donnerstag, 9. Januar 2020

Damals in Hannover-Linden




Während meiner Studienzeit war das ehemalige Arbeiterviertel Hannover-Linden eine der begehrtesten Wohngegenden für Studentïnnen: viele WG-geeignete, etwas schäbige und daher nicht zu teure Altbauwohnungen, kleine Lebensmittelläden, Cafés, Kneipen, Kioske und Räume für alternative Kultur an jeder Ecke, brodelndes Leben und dabei doch eine gewisse Gemütlichkeit. Und zu den verschiedenen Uni-Standorten war es mit dem Rad nicht allzu weit. Ich fand Linden damals toll, aber mit seiner Geschichte habe ich mich erst viel später befasst.
Noch bis 1920 war Linden offiziell kein Teil der Stadt Hannover, sondern ein eigenes Dorf mit einem besonderen Charakter. Es ist von Hannover durch den Fluss Ihme getrennt, über den es bis 1872 im Stadtgebiet nur eine einzige Brücke gab. Anfang des 19. Jahrhunderts galt Linden als »das schönste Dorf des Königreichs Hannover«, doch in nur rund vierzig Jahren, etwa zwischen 1830 und 1870, wurde aus dem schönen Dorf der größte Industriestandort des Königreichs.
In der Zeit dieser rasanten Entwicklung spielt die Geschichte, die ich gerade schreibe.

Mittwoch, 24. Juli 2019

Henriette Löfflers Kochbuch


Historische Kochbücher und Haushaltsratgeber des 19. Jahrhunderts geben einen wunderbaren Einblick in das bürgerliche Alltagsleben von damals (vor allem das Leben der Frauen natürlich) und sind deshalb eine tolle Recherchequelle. In kulinarischer Hinsicht sind die alten Kochbücher für mich als Vegetarierin und eher minimalistische Köchin hingegen nur selten eine Fundgrube, weil die meisten Rezepte fleisch- und fischhaltig oder enorm zeitaufwendig daherkommen. Immerhin hatte Frau Löffler aber seitenweise Obstkaltschalen im Repertoire, und die sind für das derzeitige Wetter hier auf jeden Fall das Richtige. Wenn man genug Wein hinzufügt, dann ist einem die Temperatur draußen ohnehin irgendwann egal. Ich jedenfalls schlafe nach dem Essen dann einfach sofort ein.