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Neuigkeiten rund um meine Romane und Antworten auf Fragen, die mir häufig gestellt werden.
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Mittwoch, 15. Januar 2020
Das Lindener Schloss
Im 19. Jahrhundert gab es in Hannover-Linden ein prächtiges Schloss. Erbaut wurde es nicht, wie der heutige Name des umliegenden Parks und seines letzten Eigentümers vermuten ließe, von der Familie von Alten, sondern 1698 bis 1702 vom Grafen von Platen. Das war derselbe Graf, dessen Ehefrau Clara als Mätresse des Kurfürsten eine bedeutende Rolle in meinem Roman „Das Mätressenspiel“ spielt.
Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben vollständig zerstört. Heute gibt es an der Stelle, wo es stand, enttäuschenderweise nur noch den Von-Alten-Park, wo kaum mehr als eine Steinbalustrade an das Gebäude erinnert. In Hannover und Linden war der Grad der Zerstörung insgesamt sehr hoch, was es heute besonders schwierig macht, sich das frühere Stadtbild vorzustellen, wenn man vor Ort ist.
Für die Figuren des Romans, an dem ich gerade arbeite, gehört der Anblick des Schlosses der Familie von Alten allerdings ebenso zum Alltag wie die ersten hohen Industrieschornsteine der neuen Fabriken.
Freitag, 14. Juni 2019
Fragen an die Autorin
Anfang des achtzehnten Jahrhunderts war es in England noch legal und gültig (wenn auch unüblich), sich ohne kirchliche und staatliche Lizenz trauen zu lassen. Das Fleet-Viertel in London hatte sich dafür als Anlaufstelle etabliert. Viele Paare, die wichtige Gründe hatten, nicht den »offiziellen«, angeseheneren, aber auch langwierigen und teuren Weg einer normalen Hochzeit zu gehen, machten von der Möglichkeit einer »Fleet Mariage« Gebrauch. Zuerst fanden die »irregulären« Eheschließungen meist in der Kapelle des Schuldgefängnisses statt, dann entdeckten die Inhaber der umliegenden Gasthäuser die Sache als Geschäftsidee, und bald boten viele Anwohner diesen Service an. Ein Geistlicher scheint übrigens meistens anwesend gewesen zu sein, aber nicht zwingend. 1753 wurde diese Art von Eheschließung staatlicherseits verboten.
Ich höre öfter mal, dass jemand sich von einem Roman ein wenig abgeschreckt fühlt, wenn gleich am Anfang klar wird, dass viele Personen mitspielen (weil z.B. das Personenverzeichnis so lang ist.) Bei historischen Romanen scheint das häufiger der Fall zu sein. Eine Erklärung dafür ist, dass es beim Schreiben kaum möglich ist, historisch authentisch zu bleiben, wenn man das »Romanpersonal« zu stark ausdünnt. Um bei »Lady Annes Geheimnis« als Beispiel zu bleiben: Allein die kurfürstliche (Georg Ludwigs) Familie und ihr Hofstaat bestanden in der Wirklichkeit aus weit mehr Personen als im Roman mitspielen. Wenn ich sie auf noch weniger Charaktere beschränken würde, um den Roman besonders leicht lesbar zu machen, würde es das historische Bild von so einer Hofgesellschaft stark verzerren und irgendwie auch langweiliger machen. Das wäre für euch Leserïnnen dann auch enttäuschend.
Während ich schreibe, füge ich übrigens jede Person, die ich in die Geschichte einführe, immer gleich zum Personenverzeichnis hinzu. Später diskutiere ich dann mit meiner Textredaktions-Lektorin, welche der Personen vielleicht aus dem Verzeichnis gestrichen werden können. Meistens kommen wir zu dem Schluss, lieber mehr als weniger von ihnen dort zu nennen, also auch die, die eigentlich nur kleine Nebenrollen spielen. Das kann für jemanden, der schon vor dem Lesen einen Blick aufs Verzeichnis wirft, natürlich etwas überwältigend wirken. Meistens verliert sich die Sorge aber beim Lesen, so weit ich weiß.
Meine Romane spielen in ganz unterschiedlichen Epochen. Die drei aus dem Lübbe Verlag (»Das blaue Medaillon«, »Das Mätressenspiel« und »Lady Annes Geheimnis«) sind zwar alle im höfischen Milieu der Barockzeit angesiedelt, aber es gibt noch sechs weitere historische Romane von mir, und sie spielen im neunten, elften, vierzehnten, fünfzehnten und siebzehnten Jahrhundert. (Wenn es euch genauer interessiert, erfahrt ihr alle Einzelheiten auf meiner Webseite www.martha-sophie-marcus.de.) Mit dem Roman, an dem ich zur Zeit arbeite, reise ich ins neunzehnte Jahrhundert – ebenfalls eine ungeheuer spannende Epoche.
Bei der Recherche stütze ich mich zu 90% (nach Zeitaufwand betrachtet) auf Fach- und Sachliteratur. Die gibt es zur »georgianischen« Epoche in England sowohl von deutscher als auch von englischer Seite reichlich. Ich poste hier mal ein Bild, auf dem einige der Bücher zu sehen sind, die mir am meisten weitergeholfen haben. Das detailreichste Werk zu George I. ist derzeit das von Ragnhild Hatton. Schwieriger war es, eine genauere Aufarbeitung der jakobitischen Rebellion von 1715 zu finden, weil das ausführlichste Werk dazu (Daniel Szechi: 1715. The Great Jacobite Rebellion) neu nicht mehr erhältlich war und ich es auch nicht ohne Weiteres über eine Bibliothek beziehen konnte. Glücklicherweise habe ich dann noch eine etwas günstigere gebrauchte Ausgabe gefunden, und sie hat mir tatsächlich ein paar wichtige Einzelheiten geliefert.
Die restlichen 10% Recherche sind Orts- und Ausstellungsbesichtigungen, Video- und Tonmaterial und der gelegentliche Austausch mit einer Fachfrau/einem Fachmann, falls sich eine Frage mal gar nicht über die vorhandene Literatur und das öffentlich zur Verfügung stehende Material klären lässt.
Für »Lady Annes Geheimnis« habe ich mit der Recherche übrigens nicht ganz von vorne anfangen müssen, weil ich mich schon für »Das blaue Medaillon« und »Das Mätressenspiel« (meine Romane, die 2017 und 2018 bei Lübbe erschienen sind) mit dem Hannover der Barockzeit und der Familie von Georg Ludwig beschäftigt hatte.
Freitag, 31. Mai 2019
Freitag, 24. Mai 2019
Dieser wunderbare Moment, ...
... wenn ich das Paket öffne, das der Postbote gerade gebracht hat, und ich zum ersten Mal das fertige Buch sehe. Da lacht das Herz.
Dienstag, 21. Mai 2019
Noch zehn Tage ...
In zehn Tagen ist es so weit: »Lady Annes Geheimnis« kommt in den Handel (31. Mai). Die Vorableserunde bei der Lesejury ist schon gestern gestartet. Ich wünsche allen Teilnehmerïnnen viel Spaß! Am Freitag komme ich vorbei und beantworte eure Fragen.
Den Überblick über die Familienverhältnisse des Kurfürsten von Hannover/Königs Georg I. von England zu behalten, ist nicht ganz einfach. Da hilft vielleicht dieser kleine Stammbaum. Sein Anspruch auf den englischen Thron entstand übrigens daraus, dass seine Mutter (Sophie von der Pfalz) die Tochter einer Stuart-Prinzessin war. Kleine Extras wie diese Stammtafel findet ihr zu all meinen Romanen auch auf meiner Webseite www.martha-sophie-marcus.de
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Mittwoch, 24. April 2019
Leserunde für Lady Annes Geheimnis
Am 20. Mai startet bei der Lesejury eine Leserunde zu meinem neuen historischen Roman »Lady Annes Geheimnis«, der erst am 31. Mai allgemein veröffentlicht wird. Wer mitmacht, hat also anderen Leser*innen etwas voraus ... Ihr könnt euch noch bis zum 05. Mai auf www.lesejury.de für die Runde anmelden. Leider kann ich mir dieses Mal nicht ganz so viel Zeit dafür nehmen, die Diskussion zu begleiten, aber ich verspreche, dass ich auf jeden Fall ein Mal in der Woche alle Fragen im Fragen-an-die-Autorin-Thread beantworten werde. Spätestens dort werden wir uns also begegnen, und darauf freue ich mich. Also überlegt euch bitte viele schöne Fragen!
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Freitag, 8. Februar 2019
Gute Reise, Lady Anne!
Montag, 5. November 2018
Neu im Mai 2019: Lady Annes Geheimnis
Sommer 1714. Seit drei Jahren lebt Anne als Zofe am Hof des Kurfürsten Georg Ludwig in Hannover. Ihre Eltern haben sie zur Vertuschung einer unehelichen Schwangerschaft nach Deutschland verbannt und ihr das Kind weggenommen. Nichts will Anne mehr, als nach England zurückzukehren und ihren Sohn zu finden. Als Georg Ludwig zum englischen König ausgerufen wird und mit seinem Hof nach London zieht, bietet sich ihr die erhoffte Gelegenheit. Zugleich wird ihr Geheimnis für sie noch gefährlicher, denn der Vater ihres Kindes ist ein Jakobit und zählt damit zu Georgs erbittertsten Gegnern.
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Sonntag, 7. Oktober 2018
Und endlich Urlaub
Am Freitag vor einer Woche habe ich mein jüngstes Manuskript abgegeben. Zum zweiten Mal in meiner nun zehnjährigen Zusammenarbeit mit Verlagen stand ich bei diesem Roman so unter Zeitdruck, dass ich mir geschworen habe, mich nie wieder auf eine Deadline einzulassen, von der ich eigentlich von Anfang an weiß, dass sie zu knapp ist. Mal sehen, ob ich es schaffe, mich daran zu halten. Was mich natürlich trotzdem nicht davor schützen würde, dass auch die angemessenere Schreibzeit nicht ausreicht, weil unvorhergesehene Dinge im Leben oder im Romanplot geschehen.
Bei dem historischen Roman, den ich gerade zu Ende gebracht habe, stand ich vor dem Problem, dass die Geschichte sich gern breiter entfalten wollte, als der mit dem Verlag vereinbarte Umfang gestattete. Ich hatte deshalb meine liebe Mühe, den Erzählfluss in seinem engen Kanalbett zu halten. Das liegt daran, dass sowohl die Nebenfiguren als auch der Haupthandlungsort für mich so interessant waren, dass ich ihnen gern viel mehr Raum gegeben hätte. Der größte Teil des Romans spielt nämlich im London des frühen 18. Jahrhunderts, und London war auch damals schon faszinierend. Was das Personal der Geschichte betrifft, reicht die Spannweite vom König bis zum Straßenmädchen. Und dann spielen auch noch schottische Rebellen mit ... Ihr versteht also sicher mein Dilemma.
Zehn Monate habe ich ab Vertragsunterzeichnung und Schreibstart gebraucht, 12 hatte ich ursprünglich veranschlagt. Es in der kürzeren Zeit zu schaffen, hat mich in ungesundem Ausmaß an den Schreibtisch gefesselt und zwischenzeitlich nah an den Rand der Verzweiflung gebracht. Aber nun ist es getan, und ich glaube, es ist eine richtig schöne Geschichte geworden. Sobald der Verlag mir Titel, Cover und Klappentext freigibt, werde ich mehr verraten.
Bis zur Veröffentlichung dauert es wie immer noch eine Weile (irgendwann in 2019). Vorher muss meine (Verlags-)Lektorin das Manuskript erst einmal lesen, dann schreitet meine (Textredaktions-) Lektorin zur Tat, dann bin ich wieder an der Reihe und gehe die Änderungsvorschläge im lektorierten Manuskript durch, anschließend folgen Korrektorat und Drucksatz, später lese ich dann noch die Druckfahnen.
Aber im kommenden Monat werde ich damit vorerst nichts zu tun haben. Nachdem ich in der vergangenen Woche zwei Exposés für verlockende neue Romanideen fertiggeschrieben und an meinen Agenten geschickt habe, stehen im restlichen Oktober vor allem zwei Projekte auf meinem Plan: Erstens kümmere ich mich um meine eigene E-Book- und Print-Neuausgabe von meinem Roman-Zweitling „Salz und Asche“, für den ich Ende des Jahres die Rechte zurückerhalte. Und zweitens mache ich mit meinem Liebsten endlich eine gute Woche Urlaub und gehe ausgiebig Bogenschießen.
Im November/Dezember würde ich dann gern mein zehnjähriges Schriftstellerinnendasein mit einem schönen Gewinnspiel feiern, an dem ihr hoffentlich Spaß haben werdet. In Gedanken packe ich schon die Gewinnpäckchen.
Bis dahin wünsche ich euch allen schon mal einen schönen Herbst!
Martha
Samstag, 8. September 2018
Kleine Zwischenmeldung
Seit Wochen geht es bei mir nur darum, mein neues Manuskript rechtzeitig bis Ende September fertigzustellen. Gestern habe ich immerhin die letzten Seiten der Rohfassung eingegeben. (Auf den Bildern seht ihr die letzten Kapitel, die ich zuerst handschriftlich verfasst hatte.) Nun geht es ans Überarbeiten. Da ist noch viel zu tun ...
Montag, 2. Juli 2018
Die Herrenhäuser Gärten
"Das Mätressenspiel" erzählt auch ein wenig von der Entstehungsgeschichte der weltberühmten Herrenhäuser Barockgärten in Hannover. Am letzten Wochenende habe ich der wunderschönen Parkanlage mal wieder einen Besuch abgestattet. Hier ein paar Bilder.
| Blick vom Schloss bzw. der begehbaren Kaskade auf das "Parterre" |
| Die begehbare Kaskade. Heute plätschert sie jederzeit, im 17. Jahrhundert war das noch nicht so selbstverständlich |
| Blick vom Garten aus auf das Schloss |
| Die Probleme eines Irrgartengärtners ... |
| Um 2000 gestaltete die Künstlerin Niki de Saint Phalle die zum Garten gehörende "Grotte" neu (und sehr farbenprächtig) |
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| Das Denkmal für Herzogin/Kurfürstin Sophie, die Mitschöpferin der Gartenanlage |
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| Herzogin Sophie war eine äußerst gebildete Frau |
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| Die berühmte Herrenhäuser Gartenbühne |
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| Die Orangerie mit ihren Orangen- und Zitronenbäumchen |
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Freitag, 29. Juni 2018
Das Mätressenspiel: Jetzt im Handel
Heute ist der offizielle Erscheinungstermin von "Das Mätressenspiel", und endlich kamen auch meine Belegexemplare an.
Inzwischen haben schon viele der Vorableserinnen dem Buch und mir wunderbar liebevolle und sorgfältige, Rezensionen geschrieben, die ihr unter anderem hier auf der Seite des Lübbe Verlags/der Lesejury nachlesen könnt. Danke für eure Mühe und euer Lob, liebe Leserundenteilnehmerinnen!
An dieser Stelle möchte ich einmal allen RezensentInnen von Herzen danken, die sich schon die Mühe gemacht haben oder sich noch die Mühe machen werden, einem meiner Bücher (oder auch denen anderer AutorInnen) ein Zeugnis zu schreiben! Ihr helft auf diese Weise dabei, Bücher auch für andere LeserInnen sichtbar zu machen. Das ist für uns von der schreibenden Zunft sehr wichtig.
Mittwoch, 27. Juni 2018
Fragen an die Autorin
Die Vorableserunde zu "Das Mätressenspiel" ist nun zu Ende. Der Austausch mit den vielen netten Teilnehmerinnen hat mir viel Freude gemacht, und nun darf ich mich weiter darüber freuen, wie sorgfältig und liebevoll sie ihre Rezensionen verfassen. Wer neugierig ist, kann sie hier auf der Seite des Lübbe Verlags/der Lesejury nachlesen.
Die Fragen, die die Leserundenteilnehmerinnen mir gestellt haben, und meine Antworten darauf, trage ich hier noch einmal für euch zusammen.
Ich bin die Tochter einer leidenschaftlichen Gärtnerin. Meine Mutter lebt nun leider schon seit über zehn Jahren nicht mehr, aber in meinen Erinnerungen sehe ich sie meistens im Garten oder zumindest draußen in der Natur. Ohne den Beruf der Gärtnerin erlernt zu haben, hatte sie sich ein gewaltiges Wissen zu jedem Bereich der Gartengestaltung angeeignet – sei es zu exotischen Zierpflanzen, dem Gemüsenutzgarten, die Obstbaumpflege oder auch der ökologischen Pflanzenvergesellschaftung. Und dieses Wissen hat sie unermüdlich umgesetzt. Dabei folgte sie übrigens den Fußstapfen ihrer Eltern, denn auch meine Großeltern liebten ihren eigenen riesigen Garten.
Schon meine Kindheit war daher vom Gartenthema geprägt, und ich empfinde das als wunderbare Erinnerung. Während ich im Garten spielte, war meine Mutter dort mit Spaten, Hacke oder Schere beschäftigt und kam gelegentlich zu mir (und den Schildkröten) herüber, um uns mit gerade reif gewordenen Erdbeeren oder Tomaten zu füttern.
Ich war vielleicht zehn Jahre alt, als meine Mutter und meine Oma mit meiner Schwester und mir zum ersten Mal nach Hannover in die Herrenhäuser Gärten fuhren. Und ganz gleich, ob einem die sehr spezielle, strenge Barock-Gartenkunst persönlich liegt oder nicht – der Faszination eines gepflegten Barockgartens kann sich wohl kaum jemand entziehen. Ich war jedenfalls schon damals gebannt davon, wie in diesem Park eine Art prunkvolles lebendes Gemälde aus Pflanzen geschaffen und erhalten wurde.
Es folgte noch einige Besuche dort mit meiner Familie, bei denen mir dann irgendwann auch die Statue von Herzogin Sophie, der maßgeblichen Schöpferin der Anlage, auffiel. Während des Studiums lag nicht nur eines meiner Vorlesungsgebäude an den Herrenhäuser Gärten, sondern auch mein Weg in die Stadt führte direkt dort vorbei. Und weil der Eintritt damals frei war, saß ich oft mit einem Buch in einem der ruhigen Winkel der Anlage. Dass ich später, als ich mich aus einer anderen Recherche-Richtung der Geschichte des Herzoghauses von Hannover näherte, wieder auf diesen Garten zurückkam, lag nahe.
Meinen eigenen Garten liebe ich übrigens auch sehr. Da ich aber niemals genug Zeit hätte, um so viel aus ihm zu machen, wie meine Mutter oder meine Oma es getan hätten, lasse ich ihn weitgehend wild wachsen und genieße einfach alles, was freiwillig gedeiht.
Wie lange schreibe ich schon?
Ich schreibe, seit ich es in der Grundschule gelernt habe. In den ersten zwanzig Jahren habe ich mich dabei auf Kurztexte und ausufernde Tagebücher beschränkt und nur äußerst selten jemandem etwas davon gezeigt. Bis zum Ende meines Studiums hatte ich nie die Absicht, professionell zu veröffentlichen, obwohl ich mich immer mit Literatur, Sprache und dem Schreibprozess auseinandergesetzt und extrem viel gelesen habe. Während des Studiums (Germanistik/Literaturwissenschaft, Soziologie und Pädagogik) dachte ich noch, ich würde auf der »Verwerterseite« enden und einen Job in der Verlagsbranche annehmen, was meine Sterne dann anders entschieden.
Wann stand für mich fest, dass ich ein Buch schreiben will?
Schon im Studium habe ich davon geträumt, eines Tages einen Roman zu schreiben, doch die Richtung war mir noch völlig unklar. Nach dem Studium hatte ich dann erst mal ein paar Jahre mit meinen kleinen Kindern zu tun, und für geistig-schöpferische Arbeit gab es wenig Gelegenheit. Gelesen habe ich in dieser Zeit aber auch sehr viel. Und irgendwann brauchten die Kinder dann meine Aufmerksamkeit weniger. Ich sah meine Chance, hatte inzwischen herausgefunden, welche Art von Belletristik mir am meisten liegt, und schrieb meinen ersten Roman. Den ich übrigens aus guten Gründen nie zur Veröffentlichung angeboten habe. Dann schrieb ich den zweiten, für den dasselbe gilt. Erst danach hatte ich den Bogen heraus und schrieb den dritten (»Der Rabe und die Göttin«), für den sich kein Verlag fand, weil das Thema angeblich nicht verkäuflich war. (Später wurde er doch noch veröffentlicht und hat sich ausgezeichnet verkauft.) Mein vierter Roman (»Herrin wider Willen«) war der erste, der veröffentlicht wurde. Was ich damit sagen möchte: Schreiben ist toll, lass dir den Spaß daran niemals nehmen. Auf eine Veröffentlichung hinzuarbeiten, erfordert hingegen eine Menge Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen.
Wie finde ich die Motivation zum Schreiben?
Meine Motivation liegt vor allem in den Themen und Personen meiner Geschichten. Wenn ich am Anfang der Planungsphase überzeugende Figuren geschaffen habe, die authentisch wirkende Hindernisse überwinden müssen, bin ich selbst gespannt darauf, wie es mit ihnen weitergeht und wie es mir gelingen wird, das zu erzählen. Im historischen Roman kommt hinzu, dass ich mein eigenes Interesse für eine Epoche oder ein geschichtliches Thema in eine Form gießen möchte, die auch für andere interessant und unterhaltsam ist, die sich sonst nicht viel mit Geschichte beschäftigen. Jedes Mal, wenn ich bei meinen Recherchen auf etwas stoße, was mein Interesse weckt, überlege ich gleich, wie sich das in einem Roman darstellen ließe.
Trotzdem gab es bisher bei jedem meiner Romane im Laufe der langen Zeit (etwa ein Jahr), die ich daran arbeite, Motivationsflauten. Da brauche ich dann etwas, ohne das man als Berufsautorin nicht existieren kann: eiserne Disziplin, die mich trotzdem jeden Morgen an den Schreibtisch zwingt.
Wenn es dir mit der Frage eher darum ging, wie du als noch experimentierende Autorin Themen und Anlässe zum Schreiben findest, dann rate ich dir, zu einem Buch mit Schreibanregungen zu greifen.
Ich habe schon als Jugendliche nicht nur aktuelle Bücher gelesen, sondern auch alte und sehr alte, und im Studium setzte sich das fort. Wenn ich für eine bestimmte Zeit recherchiere, stoße ich außerdem häufig auf Quelltexte wie Briefe, Tagebücher und Urkunden, aus denen sich zumindest die Schriftsprache der Epoche entnehmen lässt. Für »Das Mätressenspiel« habe ich unter anderem die »Briefe der Herzogin von Orléans. Lieselotte von der Pfalz« gelesen, von denen sich viele an ihre Tante Herzogin Sophie richten, und die Memoiren der Herzogin selbst. (»Memoiren 1639-1680. Sophie von Hannover«).
Nun ist es allerdings trotzdem nicht so, dass die Sprache im Roman wirklich der entspricht, die damals gesprochen wurde, denn die wäre für moderne LeserInnen eine Zumutung. Sogar das damalige Deutsch würden wir kaum noch verstehen, geschweige denn das alte Französisch oder zum Teil gar noch Latein, das im höfischen Umfeld oft die Umgangssprache war. Ich muss als Autorin also eine neue Sprache erfinden, die dennoch die alte widerspiegelt. Wenn mir das gelungen ist, freut es mich sehr.
Oh, ja, ich lese mit Begeisterung kreuz und quer. Nur Krimis mag ich nicht besonders, da lasse ich mich nur auf besondere Empfehlungen ein. Aber mit Fantasy zum Beispiel kann ich mich wunderbar entspannen, und ich würde unheimlich gern eines Tages noch einmal etwas in diesem Genre schreiben.
Es gibt wahnsinnig viele Bücher, die ich liebe – unmöglich, sie hier alle aufzuzählen. Aber am häufigsten wiedergelesen habe ich Twains Tom Sawyer, Lindgrens Die Brüder Löwenherz, Tolkiens Der Herr der Ringe & Der kleine Hobbit, Irvings Das Hotel New Hampshire, Harper Lees To kill a Mockingbird, Sara Donatis Im Herzen der Wildnis (im Englischen eine mehrbändige historische Saga, die leider nie vollständig übersetzt wurde, so weit ich weiß), Penelope Williamsons Westwärts, Niffeneggers Die Frau des Zeitreisenden, Diana Wynne Jones’ Chrestomanci-Geschichten, die Romane von George Eliot, Jane Austen und den Brontë-Schwestern … Wow, sogar das werden zu viele zum Aufzählen.
Mein Suchtmittel ist Tee. (Was für ein Glück, denn der gesundheitliche Schaden von Teekonsum hält sich in Grenzen ;-) ) Ich trinke am Tag literweise meist grünen Tee. Auf meinem Schreibtisch steht buchstäblich immer eine Thermoskanne Tee, und der Griff zur Tasse ist eindeutig eine Suchthandlung, die nichts mit Durst zu tun hat. Neuen Tee kochen zu müssen ist eine typische und immer willkommene Unterbrechung der Arbeit.
Eine zweite Sucht ist Stille. Ich brauche bei der Arbeit Ruhe. Zur Not setze ich sogar einen Gehörschutz auf, wenn zu viele Nachbarn ihre höllischen Gartenmaschinen in Betrieb nehmen.
Ach ja, und gegen Schokolade habe ich auch überhaupt nichts einzuwenden. Die brauche ich nicht ständig, aber gerade bei der Textüberarbeitung, dem Druckfahnenlesen und der Steuererklärung ist sie ein wertvolles Hilfsmittel. Am besten funktionieren bei mir karamellverstärkte Varianten. Schoko-Pfefferminztaler gehen auch. Beim gewöhnlichen Schreiben genügt ein Schälchen mit Studentenfutter.
Mit meinem neuen Romanprojekt verfolge ich das Schicksal der hannoverschen Herzogsfamilie nach einem Zeitsprung von gut dreißig Jahren weiter. Erneut lebt eine (fiktive) junge Frau im höfischen Gefüge, die gewaltige persönliche Probleme zu lösen hat. In dieser Zeit siedelt der hannoversche Hof übrigens nach London um. Mehr sage ich mal nicht. ;-)
Um eine Fortsetzung von »Das Mätressenspiel« handelt es sich aber nicht, sondern um eine ganz neue Geschichte.
Und: Ja, ich schreibe gern und oft von Hand vor. Nur dann nicht, wenn ich stark unter Zeitdruck stehe. Zum einen empfinde ich Handschrift als meditativ und schon an sich befriedigend, zum anderen scheint meine Kreativität leichter zu fließen, wenn die Hand auf die Art mithelfen darf. Tippen ist für mich nicht dasselbe (funktioniert zur Not aber auch direkt). Außerdem sind Papier und Stift ablenkungsfreier als der Computer mit seinen Trillionen von Möglichkeiten. Und ich kann mit Papier leichter im Garten arbeiten, was ich bei passendem Wetter häufig mache. Mit einem Notebook-Bildschirm kommen meine Augen draußen, gerade bei Sonnenlicht, nicht so gut zurecht.
Wenn ich meine Handschrift abtippe (blind und mit zehn Fingern, geht also relativ schnell), überarbeite ich den Text dann schon das erste Mal grob.
Die Frage »Wie lange hat es gedauert?« lässt sich nicht so leicht beantworten, da ich mit der Recherche für »Das Mätressenspiel« nicht bei Null angefangen habe. Allgemeines Wissen über die Epoche habe ich mir schon für den Vorgängerroman (Das blaue Medaillon) angeeignet und es stetig erweitert. Das heißt, Informationen über die kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Epoche, über den Kleidungs-, Einrichtungs-, Bau-, Musik- und Kunststil, die Ernährung, die Landwirtschaft, die Gartenkunst usw. hatte ich schon seit etwa zwei Jahren zusammengetragen, bevor ich mit der konkreten Arbeit am Roman begann. Dann habe ich etwa zwei Monate lang die genauen Einzelheiten über die Herzogsfamilie und andere eventuell vorkommende historische Persönlichkeiten, sowie die räumlichen Gegebenheiten recherchiert. Während des Schreibens hört die Recherchearbeit bei mir dann auch nicht auf, weil ich immer wieder auf Sachverhalte stoße, die mir doch noch nicht klar genug sind, sodass ich wieder nachlesen muss.
Nur ein Bruchteil des recherchierten Materials wird übrigens am Ende für LeserInnen im Roman sichtbar. Trotzdem muss ich alles erst einmal zusammentragen, um entscheiden zu können, was direkt einfließen soll. Der absolute Löwenanteil der Recherche ist das Lesen von Sach- und Fachtexten. Museumsbesuche helfen auch. Reisen an Handlungsorte sind hingegen zwar schön, steuern aber bei historischen Romanen meist nur einen geringen Nutzen bei, weil es fast nirgends auch nur annähernd heute noch so aussieht wie damals. Der berühmte Barockgarten von Herrenhausen ist da auch keine echte Ausnahme, denn er sieht heute ebenfalls nicht mehr aus wie 1682. Er wurde im Krieg ebenso wie das Schloss zerstört und dann neu angelegt. Das Schloss wurde erst vor wenigen Jahren nachgebaut.
Zum Thema Recherche habe ich auf meiner Webseite schon einmal einen ausführlichen bebilderten Beitrag gepostet, der dich vielleicht auch interessiert. Er befindet sich in der Rubrik »Wer-Wie-Was?« unter »Extras«.
Mein erster historischer Roman spielte in der Wikingerzeit, weil mich die nordische Sagen- und Mythenwelt und die Schiffe der Wikinger faszinierten. Verlagsseitig war man damals aber der Ansicht, dass Leser mein Interesse an dieser Zeit nicht teilen. Stattdessen wäre das christliche Mittelalter gefragt. Deshalb habe ich darüber nachgedacht, ob mich am Mittelalter etwas ebenso fesselt wie an der Wikingerzeit, und kam durch verschiedene Zufälle zwar nicht auf das Mittelalter, aber auf die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. In Verbindung mit der Historie der Stadt und des Landes Lüneburg (wo ich lebe) fand ich darin die Grundlage für die nächsten Geschichten, die ich erzählen wollte. Und von da an führte immer die Recherche für den einen Roman zur Idee für den nächsten. Das Herzoghaus von Hannover, um das es in »Das Mätressenspiel« geht, hat seine Wurzeln übrigens auch im Braunschweig-Lüneburgischen. Hinzu kommt in diesem Fall, dass ich ursprünglich aus der hannoverschen Gegend stamme, und deshalb neugierig war, wie es dort zu gewissen Entwicklungen kam. Und die Herzogsfamilie hat mich beschäftigt, weil ich einige der Frauenschicksale dieses Hauses besonders spannend und aufwühlend fand.
Dass du mit deinen sechzehn Jahren noch nicht viele Bücher neu kaufst, liegt ja sicher auch an deinem vermutlich nicht so üppigen Einkommen. Meiner Erfahrung nach ändert sich das ein wenig, wenn man in dieser Hinsicht weniger eingeschränkt ist.
Was mich angeht, nutze ich jede erdenkliche Methode, um an Bücher zu gelangen, außer den Download von Raubkopien. Viele der Sach- und Fachbücher, die ich für meine Arbeit benötige, sind neu gar nicht mehr erhältlich oder für mich unerschwinglich, daher freue ich mich ebenso wie du, wenn ich sie gebraucht kaufen kann oder in der Bücherei ausleihen.
Trotzdem muss ich an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass es für AutorInnen überlebensnotwendig ist, dass Menschen ihre Bücher zum regulären Preis neu kaufen. Zum einen fließt nur dann das Geld für unseren Lebensunterhalt, zum anderen haben Verlage kein Interesse daran, Bücher zu verlegen, die im Laden niemand kauft.
Die Fragen, die die Leserundenteilnehmerinnen mir gestellt haben, und meine Antworten darauf, trage ich hier noch einmal für euch zusammen.
Ich bin die Tochter einer leidenschaftlichen Gärtnerin. Meine Mutter lebt nun leider schon seit über zehn Jahren nicht mehr, aber in meinen Erinnerungen sehe ich sie meistens im Garten oder zumindest draußen in der Natur. Ohne den Beruf der Gärtnerin erlernt zu haben, hatte sie sich ein gewaltiges Wissen zu jedem Bereich der Gartengestaltung angeeignet – sei es zu exotischen Zierpflanzen, dem Gemüsenutzgarten, die Obstbaumpflege oder auch der ökologischen Pflanzenvergesellschaftung. Und dieses Wissen hat sie unermüdlich umgesetzt. Dabei folgte sie übrigens den Fußstapfen ihrer Eltern, denn auch meine Großeltern liebten ihren eigenen riesigen Garten.
Schon meine Kindheit war daher vom Gartenthema geprägt, und ich empfinde das als wunderbare Erinnerung. Während ich im Garten spielte, war meine Mutter dort mit Spaten, Hacke oder Schere beschäftigt und kam gelegentlich zu mir (und den Schildkröten) herüber, um uns mit gerade reif gewordenen Erdbeeren oder Tomaten zu füttern.
Ich war vielleicht zehn Jahre alt, als meine Mutter und meine Oma mit meiner Schwester und mir zum ersten Mal nach Hannover in die Herrenhäuser Gärten fuhren. Und ganz gleich, ob einem die sehr spezielle, strenge Barock-Gartenkunst persönlich liegt oder nicht – der Faszination eines gepflegten Barockgartens kann sich wohl kaum jemand entziehen. Ich war jedenfalls schon damals gebannt davon, wie in diesem Park eine Art prunkvolles lebendes Gemälde aus Pflanzen geschaffen und erhalten wurde.
Es folgte noch einige Besuche dort mit meiner Familie, bei denen mir dann irgendwann auch die Statue von Herzogin Sophie, der maßgeblichen Schöpferin der Anlage, auffiel. Während des Studiums lag nicht nur eines meiner Vorlesungsgebäude an den Herrenhäuser Gärten, sondern auch mein Weg in die Stadt führte direkt dort vorbei. Und weil der Eintritt damals frei war, saß ich oft mit einem Buch in einem der ruhigen Winkel der Anlage. Dass ich später, als ich mich aus einer anderen Recherche-Richtung der Geschichte des Herzoghauses von Hannover näherte, wieder auf diesen Garten zurückkam, lag nahe.
Meinen eigenen Garten liebe ich übrigens auch sehr. Da ich aber niemals genug Zeit hätte, um so viel aus ihm zu machen, wie meine Mutter oder meine Oma es getan hätten, lasse ich ihn weitgehend wild wachsen und genieße einfach alles, was freiwillig gedeiht.
Wie lange schreibe ich schon?
Ich schreibe, seit ich es in der Grundschule gelernt habe. In den ersten zwanzig Jahren habe ich mich dabei auf Kurztexte und ausufernde Tagebücher beschränkt und nur äußerst selten jemandem etwas davon gezeigt. Bis zum Ende meines Studiums hatte ich nie die Absicht, professionell zu veröffentlichen, obwohl ich mich immer mit Literatur, Sprache und dem Schreibprozess auseinandergesetzt und extrem viel gelesen habe. Während des Studiums (Germanistik/Literaturwissenschaft, Soziologie und Pädagogik) dachte ich noch, ich würde auf der »Verwerterseite« enden und einen Job in der Verlagsbranche annehmen, was meine Sterne dann anders entschieden.
Wann stand für mich fest, dass ich ein Buch schreiben will?
Schon im Studium habe ich davon geträumt, eines Tages einen Roman zu schreiben, doch die Richtung war mir noch völlig unklar. Nach dem Studium hatte ich dann erst mal ein paar Jahre mit meinen kleinen Kindern zu tun, und für geistig-schöpferische Arbeit gab es wenig Gelegenheit. Gelesen habe ich in dieser Zeit aber auch sehr viel. Und irgendwann brauchten die Kinder dann meine Aufmerksamkeit weniger. Ich sah meine Chance, hatte inzwischen herausgefunden, welche Art von Belletristik mir am meisten liegt, und schrieb meinen ersten Roman. Den ich übrigens aus guten Gründen nie zur Veröffentlichung angeboten habe. Dann schrieb ich den zweiten, für den dasselbe gilt. Erst danach hatte ich den Bogen heraus und schrieb den dritten (»Der Rabe und die Göttin«), für den sich kein Verlag fand, weil das Thema angeblich nicht verkäuflich war. (Später wurde er doch noch veröffentlicht und hat sich ausgezeichnet verkauft.) Mein vierter Roman (»Herrin wider Willen«) war der erste, der veröffentlicht wurde. Was ich damit sagen möchte: Schreiben ist toll, lass dir den Spaß daran niemals nehmen. Auf eine Veröffentlichung hinzuarbeiten, erfordert hingegen eine Menge Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen.
Wie finde ich die Motivation zum Schreiben?
Meine Motivation liegt vor allem in den Themen und Personen meiner Geschichten. Wenn ich am Anfang der Planungsphase überzeugende Figuren geschaffen habe, die authentisch wirkende Hindernisse überwinden müssen, bin ich selbst gespannt darauf, wie es mit ihnen weitergeht und wie es mir gelingen wird, das zu erzählen. Im historischen Roman kommt hinzu, dass ich mein eigenes Interesse für eine Epoche oder ein geschichtliches Thema in eine Form gießen möchte, die auch für andere interessant und unterhaltsam ist, die sich sonst nicht viel mit Geschichte beschäftigen. Jedes Mal, wenn ich bei meinen Recherchen auf etwas stoße, was mein Interesse weckt, überlege ich gleich, wie sich das in einem Roman darstellen ließe.
Trotzdem gab es bisher bei jedem meiner Romane im Laufe der langen Zeit (etwa ein Jahr), die ich daran arbeite, Motivationsflauten. Da brauche ich dann etwas, ohne das man als Berufsautorin nicht existieren kann: eiserne Disziplin, die mich trotzdem jeden Morgen an den Schreibtisch zwingt.
Wenn es dir mit der Frage eher darum ging, wie du als noch experimentierende Autorin Themen und Anlässe zum Schreiben findest, dann rate ich dir, zu einem Buch mit Schreibanregungen zu greifen.
Ich habe schon als Jugendliche nicht nur aktuelle Bücher gelesen, sondern auch alte und sehr alte, und im Studium setzte sich das fort. Wenn ich für eine bestimmte Zeit recherchiere, stoße ich außerdem häufig auf Quelltexte wie Briefe, Tagebücher und Urkunden, aus denen sich zumindest die Schriftsprache der Epoche entnehmen lässt. Für »Das Mätressenspiel« habe ich unter anderem die »Briefe der Herzogin von Orléans. Lieselotte von der Pfalz« gelesen, von denen sich viele an ihre Tante Herzogin Sophie richten, und die Memoiren der Herzogin selbst. (»Memoiren 1639-1680. Sophie von Hannover«).
Nun ist es allerdings trotzdem nicht so, dass die Sprache im Roman wirklich der entspricht, die damals gesprochen wurde, denn die wäre für moderne LeserInnen eine Zumutung. Sogar das damalige Deutsch würden wir kaum noch verstehen, geschweige denn das alte Französisch oder zum Teil gar noch Latein, das im höfischen Umfeld oft die Umgangssprache war. Ich muss als Autorin also eine neue Sprache erfinden, die dennoch die alte widerspiegelt. Wenn mir das gelungen ist, freut es mich sehr.
Oh, ja, ich lese mit Begeisterung kreuz und quer. Nur Krimis mag ich nicht besonders, da lasse ich mich nur auf besondere Empfehlungen ein. Aber mit Fantasy zum Beispiel kann ich mich wunderbar entspannen, und ich würde unheimlich gern eines Tages noch einmal etwas in diesem Genre schreiben.
Es gibt wahnsinnig viele Bücher, die ich liebe – unmöglich, sie hier alle aufzuzählen. Aber am häufigsten wiedergelesen habe ich Twains Tom Sawyer, Lindgrens Die Brüder Löwenherz, Tolkiens Der Herr der Ringe & Der kleine Hobbit, Irvings Das Hotel New Hampshire, Harper Lees To kill a Mockingbird, Sara Donatis Im Herzen der Wildnis (im Englischen eine mehrbändige historische Saga, die leider nie vollständig übersetzt wurde, so weit ich weiß), Penelope Williamsons Westwärts, Niffeneggers Die Frau des Zeitreisenden, Diana Wynne Jones’ Chrestomanci-Geschichten, die Romane von George Eliot, Jane Austen und den Brontë-Schwestern … Wow, sogar das werden zu viele zum Aufzählen.
Mein Suchtmittel ist Tee. (Was für ein Glück, denn der gesundheitliche Schaden von Teekonsum hält sich in Grenzen ;-) ) Ich trinke am Tag literweise meist grünen Tee. Auf meinem Schreibtisch steht buchstäblich immer eine Thermoskanne Tee, und der Griff zur Tasse ist eindeutig eine Suchthandlung, die nichts mit Durst zu tun hat. Neuen Tee kochen zu müssen ist eine typische und immer willkommene Unterbrechung der Arbeit.
Eine zweite Sucht ist Stille. Ich brauche bei der Arbeit Ruhe. Zur Not setze ich sogar einen Gehörschutz auf, wenn zu viele Nachbarn ihre höllischen Gartenmaschinen in Betrieb nehmen.
Ach ja, und gegen Schokolade habe ich auch überhaupt nichts einzuwenden. Die brauche ich nicht ständig, aber gerade bei der Textüberarbeitung, dem Druckfahnenlesen und der Steuererklärung ist sie ein wertvolles Hilfsmittel. Am besten funktionieren bei mir karamellverstärkte Varianten. Schoko-Pfefferminztaler gehen auch. Beim gewöhnlichen Schreiben genügt ein Schälchen mit Studentenfutter.
Mit meinem neuen Romanprojekt verfolge ich das Schicksal der hannoverschen Herzogsfamilie nach einem Zeitsprung von gut dreißig Jahren weiter. Erneut lebt eine (fiktive) junge Frau im höfischen Gefüge, die gewaltige persönliche Probleme zu lösen hat. In dieser Zeit siedelt der hannoversche Hof übrigens nach London um. Mehr sage ich mal nicht. ;-)
Um eine Fortsetzung von »Das Mätressenspiel« handelt es sich aber nicht, sondern um eine ganz neue Geschichte.
Und: Ja, ich schreibe gern und oft von Hand vor. Nur dann nicht, wenn ich stark unter Zeitdruck stehe. Zum einen empfinde ich Handschrift als meditativ und schon an sich befriedigend, zum anderen scheint meine Kreativität leichter zu fließen, wenn die Hand auf die Art mithelfen darf. Tippen ist für mich nicht dasselbe (funktioniert zur Not aber auch direkt). Außerdem sind Papier und Stift ablenkungsfreier als der Computer mit seinen Trillionen von Möglichkeiten. Und ich kann mit Papier leichter im Garten arbeiten, was ich bei passendem Wetter häufig mache. Mit einem Notebook-Bildschirm kommen meine Augen draußen, gerade bei Sonnenlicht, nicht so gut zurecht.
Wenn ich meine Handschrift abtippe (blind und mit zehn Fingern, geht also relativ schnell), überarbeite ich den Text dann schon das erste Mal grob.
Die Frage »Wie lange hat es gedauert?« lässt sich nicht so leicht beantworten, da ich mit der Recherche für »Das Mätressenspiel« nicht bei Null angefangen habe. Allgemeines Wissen über die Epoche habe ich mir schon für den Vorgängerroman (Das blaue Medaillon) angeeignet und es stetig erweitert. Das heißt, Informationen über die kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Epoche, über den Kleidungs-, Einrichtungs-, Bau-, Musik- und Kunststil, die Ernährung, die Landwirtschaft, die Gartenkunst usw. hatte ich schon seit etwa zwei Jahren zusammengetragen, bevor ich mit der konkreten Arbeit am Roman begann. Dann habe ich etwa zwei Monate lang die genauen Einzelheiten über die Herzogsfamilie und andere eventuell vorkommende historische Persönlichkeiten, sowie die räumlichen Gegebenheiten recherchiert. Während des Schreibens hört die Recherchearbeit bei mir dann auch nicht auf, weil ich immer wieder auf Sachverhalte stoße, die mir doch noch nicht klar genug sind, sodass ich wieder nachlesen muss.
Nur ein Bruchteil des recherchierten Materials wird übrigens am Ende für LeserInnen im Roman sichtbar. Trotzdem muss ich alles erst einmal zusammentragen, um entscheiden zu können, was direkt einfließen soll. Der absolute Löwenanteil der Recherche ist das Lesen von Sach- und Fachtexten. Museumsbesuche helfen auch. Reisen an Handlungsorte sind hingegen zwar schön, steuern aber bei historischen Romanen meist nur einen geringen Nutzen bei, weil es fast nirgends auch nur annähernd heute noch so aussieht wie damals. Der berühmte Barockgarten von Herrenhausen ist da auch keine echte Ausnahme, denn er sieht heute ebenfalls nicht mehr aus wie 1682. Er wurde im Krieg ebenso wie das Schloss zerstört und dann neu angelegt. Das Schloss wurde erst vor wenigen Jahren nachgebaut.
Zum Thema Recherche habe ich auf meiner Webseite schon einmal einen ausführlichen bebilderten Beitrag gepostet, der dich vielleicht auch interessiert. Er befindet sich in der Rubrik »Wer-Wie-Was?« unter »Extras«.
Mein erster historischer Roman spielte in der Wikingerzeit, weil mich die nordische Sagen- und Mythenwelt und die Schiffe der Wikinger faszinierten. Verlagsseitig war man damals aber der Ansicht, dass Leser mein Interesse an dieser Zeit nicht teilen. Stattdessen wäre das christliche Mittelalter gefragt. Deshalb habe ich darüber nachgedacht, ob mich am Mittelalter etwas ebenso fesselt wie an der Wikingerzeit, und kam durch verschiedene Zufälle zwar nicht auf das Mittelalter, aber auf die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. In Verbindung mit der Historie der Stadt und des Landes Lüneburg (wo ich lebe) fand ich darin die Grundlage für die nächsten Geschichten, die ich erzählen wollte. Und von da an führte immer die Recherche für den einen Roman zur Idee für den nächsten. Das Herzoghaus von Hannover, um das es in »Das Mätressenspiel« geht, hat seine Wurzeln übrigens auch im Braunschweig-Lüneburgischen. Hinzu kommt in diesem Fall, dass ich ursprünglich aus der hannoverschen Gegend stamme, und deshalb neugierig war, wie es dort zu gewissen Entwicklungen kam. Und die Herzogsfamilie hat mich beschäftigt, weil ich einige der Frauenschicksale dieses Hauses besonders spannend und aufwühlend fand.
Dass du mit deinen sechzehn Jahren noch nicht viele Bücher neu kaufst, liegt ja sicher auch an deinem vermutlich nicht so üppigen Einkommen. Meiner Erfahrung nach ändert sich das ein wenig, wenn man in dieser Hinsicht weniger eingeschränkt ist.
Was mich angeht, nutze ich jede erdenkliche Methode, um an Bücher zu gelangen, außer den Download von Raubkopien. Viele der Sach- und Fachbücher, die ich für meine Arbeit benötige, sind neu gar nicht mehr erhältlich oder für mich unerschwinglich, daher freue ich mich ebenso wie du, wenn ich sie gebraucht kaufen kann oder in der Bücherei ausleihen.
Trotzdem muss ich an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass es für AutorInnen überlebensnotwendig ist, dass Menschen ihre Bücher zum regulären Preis neu kaufen. Zum einen fließt nur dann das Geld für unseren Lebensunterhalt, zum anderen haben Verlage kein Interesse daran, Bücher zu verlegen, die im Laden niemand kauft.
Montag, 11. Juni 2018
Kostbare Automaten
In "Das Mätressenspiel" besitzt eine der edlen Damen eine kleine silberne Kutsche zum Aufziehen. In der Kunstkammer Wien gibt es ein paar Beispiele solcher uralter Automaten, und auf Youtube habe ich damals, als ich den Roman geschrieben habe, ein paar tolle Präsentationsfilmchen dazu gefunden. Hier sind sie:
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Dienstag, 5. Juni 2018
Ab 29. Juni erhältlich: Das Mätressenspiel
Eine Vorableserunde zu meinem am 29.06. erscheinenden Roman "Das Mätressenspiel" läuft bereits.
Als kleines Extra für die Leserundenteilnehmerinnen und als Appetithäppchen für alle, die überlegen, ob sie den Roman dann später auch lesen wollen, hier ein paar Bilder:
In der Geschichte geht es nicht nur um die Machtspiele von Mätressen und mächtigen Ehefrauen, sondern auch um die Entstehung der prachtvollen Gärten von Hannover-Herrenhausen und das Gärtnern an sich. Einer der jungen Gärtner im Buch bewundert diese Illustration von Maria Sybilla Merian.
Clara von Platen war die Mätresse des hannoverschen Herzogs Ernst August und gehört zu den Hauptpersonen des "Mätressenspiels".
Herzogin Sophie von Hannover war die Gemahlin von Ernst August und damit Claras Gegenspielerin. Außerdem war sie maßgeblich an der Gestaltung der zur welfischen Sommerresidenz gehörenden Herrenhäuser Barockgärten beteiligt, die sie sehr liebte.
Als kleines Extra für die Leserundenteilnehmerinnen und als Appetithäppchen für alle, die überlegen, ob sie den Roman dann später auch lesen wollen, hier ein paar Bilder:
In der Geschichte geht es nicht nur um die Machtspiele von Mätressen und mächtigen Ehefrauen, sondern auch um die Entstehung der prachtvollen Gärten von Hannover-Herrenhausen und das Gärtnern an sich. Einer der jungen Gärtner im Buch bewundert diese Illustration von Maria Sybilla Merian.
Herzogin Sophie von Hannover war die Gemahlin von Ernst August und damit Claras Gegenspielerin. Außerdem war sie maßgeblich an der Gestaltung der zur welfischen Sommerresidenz gehörenden Herrenhäuser Barockgärten beteiligt, die sie sehr liebte.
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