Die Vorableserunde zu "Das Mätressenspiel" ist nun zu Ende. Der Austausch mit den vielen netten Teilnehmerinnen hat mir viel Freude gemacht, und nun darf ich mich weiter darüber freuen, wie sorgfältig und liebevoll sie ihre Rezensionen verfassen. Wer neugierig ist, kann sie hier auf der Seite des Lübbe Verlags/der Lesejury nachlesen.
Die Fragen, die die Leserundenteilnehmerinnen mir gestellt haben, und meine Antworten darauf, trage ich hier noch einmal für euch zusammen.
Ich bin die Tochter einer leidenschaftlichen Gärtnerin. Meine Mutter lebt nun leider schon seit über zehn Jahren nicht mehr, aber in meinen Erinnerungen sehe ich sie meistens im Garten oder zumindest draußen in der Natur. Ohne den Beruf der Gärtnerin erlernt zu haben, hatte sie sich ein gewaltiges Wissen zu jedem Bereich der Gartengestaltung angeeignet – sei es zu exotischen Zierpflanzen, dem Gemüsenutzgarten, die Obstbaumpflege oder auch der ökologischen Pflanzenvergesellschaftung. Und dieses Wissen hat sie unermüdlich umgesetzt. Dabei folgte sie übrigens den Fußstapfen ihrer Eltern, denn auch meine Großeltern liebten ihren eigenen riesigen Garten.
Schon meine Kindheit war daher vom Gartenthema geprägt, und ich empfinde das als wunderbare Erinnerung. Während ich im Garten spielte, war meine Mutter dort mit Spaten, Hacke oder Schere beschäftigt und kam gelegentlich zu mir (und den Schildkröten) herüber, um uns mit gerade reif gewordenen Erdbeeren oder Tomaten zu füttern.
Ich war vielleicht zehn Jahre alt, als meine Mutter und meine Oma mit meiner Schwester und mir zum ersten Mal nach Hannover in die Herrenhäuser Gärten fuhren. Und ganz gleich, ob einem die sehr spezielle, strenge Barock-Gartenkunst persönlich liegt oder nicht – der Faszination eines gepflegten Barockgartens kann sich wohl kaum jemand entziehen. Ich war jedenfalls schon damals gebannt davon, wie in diesem Park eine Art prunkvolles lebendes Gemälde aus Pflanzen geschaffen und erhalten wurde.
Es folgte noch einige Besuche dort mit meiner Familie, bei denen mir dann irgendwann auch die Statue von Herzogin Sophie, der maßgeblichen Schöpferin der Anlage, auffiel. Während des Studiums lag nicht nur eines meiner Vorlesungsgebäude an den Herrenhäuser Gärten, sondern auch mein Weg in die Stadt führte direkt dort vorbei. Und weil der Eintritt damals frei war, saß ich oft mit einem Buch in einem der ruhigen Winkel der Anlage. Dass ich später, als ich mich aus einer anderen Recherche-Richtung der Geschichte des Herzoghauses von Hannover näherte, wieder auf diesen Garten zurückkam, lag nahe.
Meinen eigenen Garten liebe ich übrigens auch sehr. Da ich aber niemals genug Zeit hätte, um so viel aus ihm zu machen, wie meine Mutter oder meine Oma es getan hätten, lasse ich ihn weitgehend wild wachsen und genieße einfach alles, was freiwillig gedeiht.
Wie lange schreibe ich schon?
Ich schreibe, seit ich es in der Grundschule gelernt habe. In den ersten zwanzig Jahren habe ich mich dabei auf Kurztexte und ausufernde Tagebücher beschränkt und nur äußerst selten jemandem etwas davon gezeigt. Bis zum Ende meines Studiums hatte ich nie die Absicht, professionell zu veröffentlichen, obwohl ich mich immer mit Literatur, Sprache und dem Schreibprozess auseinandergesetzt und extrem viel gelesen habe. Während des Studiums (Germanistik/Literaturwissenschaft, Soziologie und Pädagogik) dachte ich noch, ich würde auf der »Verwerterseite« enden und einen Job in der Verlagsbranche annehmen, was meine Sterne dann anders entschieden.
Wann stand für mich fest, dass ich ein Buch schreiben will?
Schon im Studium habe ich davon geträumt, eines Tages einen Roman zu schreiben, doch die Richtung war mir noch völlig unklar. Nach dem Studium hatte ich dann erst mal ein paar Jahre mit meinen kleinen Kindern zu tun, und für geistig-schöpferische Arbeit gab es wenig Gelegenheit. Gelesen habe ich in dieser Zeit aber auch sehr viel. Und irgendwann brauchten die Kinder dann meine Aufmerksamkeit weniger. Ich sah meine Chance, hatte inzwischen herausgefunden, welche Art von Belletristik mir am meisten liegt, und schrieb meinen ersten Roman. Den ich übrigens aus guten Gründen nie zur Veröffentlichung angeboten habe. Dann schrieb ich den zweiten, für den dasselbe gilt. Erst danach hatte ich den Bogen heraus und schrieb den dritten (»Der Rabe und die Göttin«), für den sich kein Verlag fand, weil das Thema angeblich nicht verkäuflich war. (Später wurde er doch noch veröffentlicht und hat sich ausgezeichnet verkauft.) Mein vierter Roman (»Herrin wider Willen«) war der erste, der veröffentlicht wurde. Was ich damit sagen möchte: Schreiben ist toll, lass dir den Spaß daran niemals nehmen. Auf eine Veröffentlichung hinzuarbeiten, erfordert hingegen eine Menge Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen.
Wie finde ich die Motivation zum Schreiben?
Meine Motivation liegt vor allem in den Themen und Personen meiner Geschichten. Wenn ich am Anfang der Planungsphase überzeugende Figuren geschaffen habe, die authentisch wirkende Hindernisse überwinden müssen, bin ich selbst gespannt darauf, wie es mit ihnen weitergeht und wie es mir gelingen wird, das zu erzählen. Im historischen Roman kommt hinzu, dass ich mein eigenes Interesse für eine Epoche oder ein geschichtliches Thema in eine Form gießen möchte, die auch für andere interessant und unterhaltsam ist, die sich sonst nicht viel mit Geschichte beschäftigen. Jedes Mal, wenn ich bei meinen Recherchen auf etwas stoße, was mein Interesse weckt, überlege ich gleich, wie sich das in einem Roman darstellen ließe.
Trotzdem gab es bisher bei jedem meiner Romane im Laufe der langen Zeit (etwa ein Jahr), die ich daran arbeite, Motivationsflauten. Da brauche ich dann etwas, ohne das man als Berufsautorin nicht existieren kann: eiserne Disziplin, die mich trotzdem jeden Morgen an den Schreibtisch zwingt.
Wenn es dir mit der Frage eher darum ging, wie du als noch experimentierende Autorin Themen und Anlässe zum Schreiben findest, dann rate ich dir, zu einem Buch mit Schreibanregungen zu greifen.
Ich habe schon als Jugendliche nicht nur aktuelle Bücher gelesen, sondern auch alte und sehr alte, und im Studium setzte sich das fort. Wenn ich für eine bestimmte Zeit recherchiere, stoße ich außerdem häufig auf Quelltexte wie Briefe, Tagebücher und Urkunden, aus denen sich zumindest die Schriftsprache der Epoche entnehmen lässt. Für »Das Mätressenspiel« habe ich unter anderem die »Briefe der Herzogin von Orléans. Lieselotte von der Pfalz« gelesen, von denen sich viele an ihre Tante Herzogin Sophie richten, und die Memoiren der Herzogin selbst. (»Memoiren 1639-1680. Sophie von Hannover«).
Nun ist es allerdings trotzdem nicht so, dass die Sprache im Roman wirklich der entspricht, die damals gesprochen wurde, denn die wäre für moderne LeserInnen eine Zumutung. Sogar das damalige Deutsch würden wir kaum noch verstehen, geschweige denn das alte Französisch oder zum Teil gar noch Latein, das im höfischen Umfeld oft die Umgangssprache war. Ich muss als Autorin also eine neue Sprache erfinden, die dennoch die alte widerspiegelt. Wenn mir das gelungen ist, freut es mich sehr.
Oh, ja, ich lese mit Begeisterung kreuz und quer. Nur Krimis mag ich nicht besonders, da lasse ich mich nur auf besondere Empfehlungen ein. Aber mit Fantasy zum Beispiel kann ich mich wunderbar entspannen, und ich würde unheimlich gern eines Tages noch einmal etwas in diesem Genre schreiben.
Es gibt wahnsinnig viele Bücher, die ich liebe – unmöglich, sie hier alle aufzuzählen. Aber am häufigsten wiedergelesen habe ich Twains Tom Sawyer, Lindgrens Die Brüder Löwenherz, Tolkiens Der Herr der Ringe & Der kleine Hobbit, Irvings Das Hotel New Hampshire, Harper Lees To kill a Mockingbird, Sara Donatis Im Herzen der Wildnis (im Englischen eine mehrbändige historische Saga, die leider nie vollständig übersetzt wurde, so weit ich weiß), Penelope Williamsons Westwärts, Niffeneggers Die Frau des Zeitreisenden, Diana Wynne Jones’ Chrestomanci-Geschichten, die Romane von George Eliot, Jane Austen und den Brontë-Schwestern … Wow, sogar das werden zu viele zum Aufzählen.
Mein Suchtmittel ist Tee. (Was für ein Glück, denn der gesundheitliche Schaden von Teekonsum hält sich in Grenzen ;-) ) Ich trinke am Tag literweise meist grünen Tee. Auf meinem Schreibtisch steht buchstäblich immer eine Thermoskanne Tee, und der Griff zur Tasse ist eindeutig eine Suchthandlung, die nichts mit Durst zu tun hat. Neuen Tee kochen zu müssen ist eine typische und immer willkommene Unterbrechung der Arbeit.
Eine zweite Sucht ist Stille. Ich brauche bei der Arbeit Ruhe. Zur Not setze ich sogar einen Gehörschutz auf, wenn zu viele Nachbarn ihre höllischen Gartenmaschinen in Betrieb nehmen.
Ach ja, und gegen Schokolade habe ich auch überhaupt nichts einzuwenden. Die brauche ich nicht ständig, aber gerade bei der Textüberarbeitung, dem Druckfahnenlesen und der Steuererklärung ist sie ein wertvolles Hilfsmittel. Am besten funktionieren bei mir karamellverstärkte Varianten. Schoko-Pfefferminztaler gehen auch. Beim gewöhnlichen Schreiben genügt ein Schälchen mit Studentenfutter.
Mit meinem neuen Romanprojekt verfolge ich das Schicksal der hannoverschen Herzogsfamilie nach einem Zeitsprung von gut dreißig Jahren weiter. Erneut lebt eine (fiktive) junge Frau im höfischen Gefüge, die gewaltige persönliche Probleme zu lösen hat. In dieser Zeit siedelt der hannoversche Hof übrigens nach London um. Mehr sage ich mal nicht. ;-)
Um eine Fortsetzung von »Das Mätressenspiel« handelt es sich aber nicht, sondern um eine ganz neue Geschichte.
Und: Ja, ich schreibe gern und oft von Hand vor. Nur dann nicht, wenn ich stark unter Zeitdruck stehe. Zum einen empfinde ich Handschrift als meditativ und schon an sich befriedigend, zum anderen scheint meine Kreativität leichter zu fließen, wenn die Hand auf die Art mithelfen darf. Tippen ist für mich nicht dasselbe (funktioniert zur Not aber auch direkt). Außerdem sind Papier und Stift ablenkungsfreier als der Computer mit seinen Trillionen von Möglichkeiten. Und ich kann mit Papier leichter im Garten arbeiten, was ich bei passendem Wetter häufig mache. Mit einem Notebook-Bildschirm kommen meine Augen draußen, gerade bei Sonnenlicht, nicht so gut zurecht.
Wenn ich meine Handschrift abtippe (blind und mit zehn Fingern, geht also relativ schnell), überarbeite ich den Text dann schon das erste Mal grob.
Die Frage »Wie lange hat es gedauert?« lässt sich nicht so leicht beantworten, da ich mit der Recherche für »Das Mätressenspiel« nicht bei Null angefangen habe. Allgemeines Wissen über die Epoche habe ich mir schon für den Vorgängerroman (Das blaue Medaillon) angeeignet und es stetig erweitert. Das heißt, Informationen über die kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Epoche, über den Kleidungs-, Einrichtungs-, Bau-, Musik- und Kunststil, die Ernährung, die Landwirtschaft, die Gartenkunst usw. hatte ich schon seit etwa zwei Jahren zusammengetragen, bevor ich mit der konkreten Arbeit am Roman begann. Dann habe ich etwa zwei Monate lang die genauen Einzelheiten über die Herzogsfamilie und andere eventuell vorkommende historische Persönlichkeiten, sowie die räumlichen Gegebenheiten recherchiert. Während des Schreibens hört die Recherchearbeit bei mir dann auch nicht auf, weil ich immer wieder auf Sachverhalte stoße, die mir doch noch nicht klar genug sind, sodass ich wieder nachlesen muss.
Nur ein Bruchteil des recherchierten Materials wird übrigens am Ende für LeserInnen im Roman sichtbar. Trotzdem muss ich alles erst einmal zusammentragen, um entscheiden zu können, was direkt einfließen soll. Der absolute Löwenanteil der Recherche ist das Lesen von Sach- und Fachtexten. Museumsbesuche helfen auch. Reisen an Handlungsorte sind hingegen zwar schön, steuern aber bei historischen Romanen meist nur einen geringen Nutzen bei, weil es fast nirgends auch nur annähernd heute noch so aussieht wie damals. Der berühmte Barockgarten von Herrenhausen ist da auch keine echte Ausnahme, denn er sieht heute ebenfalls nicht mehr aus wie 1682. Er wurde im Krieg ebenso wie das Schloss zerstört und dann neu angelegt. Das Schloss wurde erst vor wenigen Jahren nachgebaut.
Zum Thema Recherche habe ich auf meiner Webseite schon einmal einen ausführlichen bebilderten Beitrag gepostet, der dich vielleicht auch interessiert. Er befindet sich in der Rubrik »Wer-Wie-Was?« unter »Extras«.
Mein erster historischer Roman spielte in der Wikingerzeit, weil mich die nordische Sagen- und Mythenwelt und die Schiffe der Wikinger faszinierten. Verlagsseitig war man damals aber der Ansicht, dass Leser mein Interesse an dieser Zeit nicht teilen. Stattdessen wäre das christliche Mittelalter gefragt. Deshalb habe ich darüber nachgedacht, ob mich am Mittelalter etwas ebenso fesselt wie an der Wikingerzeit, und kam durch verschiedene Zufälle zwar nicht auf das Mittelalter, aber auf die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. In Verbindung mit der Historie der Stadt und des Landes Lüneburg (wo ich lebe) fand ich darin die Grundlage für die nächsten Geschichten, die ich erzählen wollte. Und von da an führte immer die Recherche für den einen Roman zur Idee für den nächsten. Das Herzoghaus von Hannover, um das es in »Das Mätressenspiel« geht, hat seine Wurzeln übrigens auch im Braunschweig-Lüneburgischen. Hinzu kommt in diesem Fall, dass ich ursprünglich aus der hannoverschen Gegend stamme, und deshalb neugierig war, wie es dort zu gewissen Entwicklungen kam. Und die Herzogsfamilie hat mich beschäftigt, weil ich einige der Frauenschicksale dieses Hauses besonders spannend und aufwühlend fand.
Dass du mit deinen sechzehn Jahren noch nicht viele Bücher neu kaufst, liegt ja sicher auch an deinem vermutlich nicht so üppigen Einkommen. Meiner Erfahrung nach ändert sich das ein wenig, wenn man in dieser Hinsicht weniger eingeschränkt ist.
Was mich angeht, nutze ich jede erdenkliche Methode, um an Bücher zu gelangen, außer den Download von Raubkopien. Viele der Sach- und Fachbücher, die ich für meine Arbeit benötige, sind neu gar nicht mehr erhältlich oder für mich unerschwinglich, daher freue ich mich ebenso wie du, wenn ich sie gebraucht kaufen kann oder in der Bücherei ausleihen.
Trotzdem muss ich an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass es für AutorInnen überlebensnotwendig ist, dass Menschen ihre Bücher zum regulären Preis neu kaufen. Zum einen fließt nur dann das Geld für unseren Lebensunterhalt, zum anderen haben Verlage kein Interesse daran, Bücher zu verlegen, die im Laden niemand kauft.
Was erfährt man hier?
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Mittwoch, 27. Juni 2018
Sonntag, 1. Oktober 2017
Fragen an Martha, Nr. 8
Schrecklich gern würde ich in verschiedensten vergangenen Epochen mal für eine Weile ein unsichtbares (und unverwundbares) Mäuschen spielen. Leben möchte ich aber nicht in der Vergangenheit. So sehr man an der Gegenwart herummäkeln kann, leben wir doch im Vergleich zu früher ein leichtes und sicheres Leben, vor allem als Frauen. Ich bin zu froh, dass ich in einer Gesellschaft lebe, die mir (zumindest theoretisch und einklagbar) als Frau dieselben Rechte einräumt wie den Männern. Ich bin froh, dass ich meine Kinder in einer Zeit zur Welt bringen durfte, in der die meisten Mütter die Geburt überleben und Säuglinge im Vergleich zu früher eine sehr hohe Überlebenswahrscheinlichkeit haben. Und neben all diesen hochwichtigen Errungenschaften finde ich es auch toll, dass Tee, Kaffee und Schokolade keine absolut unerschwinglichen Luxusgüter mehr sind. ;-)
Ich kann gar nicht sagen, dass mich das 17. Jahrhundert viel mehr fasziniert als andere Epochen. Aber je länger ich recherchierte, desto stärker nahm mich die höfische Atmosphäre dieser Zeit gefangen: die Üppigkeit der Ausstattung, von Kleidern bis zu Möbeln und Mahlzeiten, dabei die ungeheuer komplizierten Regeln des Zeremoniells und die verwickelten Machtspiele, bei denen jede kleine Äußerung ungeahntes Gewicht haben konnte. Tatsächlich war das alles eine fortwährende Schauspielerei. Nicht umsonst liebte der Adel zu dieser Zeit Maskenfeste und Theater aller Art. Eine Maske konnte für eine Weile die alltägliche, zwanghafte Selbstdarstellung verändern und vielleicht eine kleine Erleichterung verschaffen.
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Fragen an Martha, Nr. 7
Die Persönlichkeit der Figuren entwickelt sich zum Teil schon während ich den Roman plane. Wobei sich das Plotten des Handlungsverlaufs und die Entwicklung der Figuren bei mir nicht voneinander trennen lassen, sondern ineinandergreifen. Beides beeinflusst sich gegenseitig. Manchmal sehe ich Personen schon deutlich vor mir, bevor ich anfange zu schreiben. (Bei Alessa und Arthur war das so.) Vollständig und endgültig lege ich vor dem Schreiben aber weder Charaktere noch Handlung fest. Es wäre zu komplex, von so vielen Figuren schon über die ganze Spanne des Romans im Voraus wissen zu müssen, welche emotionalen Reaktionen und Verhaltensweisen sie in welcher Situation zeigen werden. Ich müsste mir dann so viele Notizen machen, dass sie die Textmasse des eigentlichen Romans möglicherweise übertreffen würden. Wenn ich während des Entstehens der ersten Manuskriptfassung herausgefunden habe, wer eine Person ganz genau ist, verstärke ich bei den Überarbeitungsdurchgängen die Charakterisierung.
Da ich zwar schon viel über die frühe Neuzeit wusste, aber noch keinen Roman geschrieben hatte, der im höfischen Milieu des Barock spielt, musste ich eine Menge neues Material sammeln. Zeitweise stapelten sich an die dreißig Bücher über Fürstenhöfe, Biographien, Theatergeschichte, die Erziehung junger Adliger, allgemeine Kulturgeschichte und Stadtgeschichte auf meinem zweiten Schreibtisch. Ich habe mich ausgiebig mit dem Herzoghaus Braunschweig-Lüneburg und seinen Mitgliedern befasst und auch beim Schreiben immer wieder nachgeschlagen, um den fiktive Handlungsrahmen ohne sichtbare Nähte in die historischen Tatsachen einzupassen. Der Vorteil dieser umfassenden Recherche war, dass ich gleich Anregungen und Wissen für den nächsten Roman gefunden habe, der inzwischen schon fertig geschrieben ist und ebenfalls bei Lübbe erscheinen wird. Und gerade habe ich eine neue Romanidee ausgearbeitet, mit der ich auch noch ungefähr in der gleichen Zeit bleibe.
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Donnerstag, 28. September 2017
Fragen an Martha, Nr. 4
😁 LOL. Ja, damals stand so einige auf dem Tisch, was wir heute wohl nicht mehr so lecker fänden. Ich sehe mir alte Kochbücher an, um Gerichte auszusuchen, die aufgetragen worden sein könnten. Manchmal gibt es auch in alten Berichten von höfischen Feierlichkeiten Auflistungen der Köstlichkeiten, die serviert wurden. Das Aal-Rezept habe ich ungefähr so in einem Kochbuch von 1598 gefunden (»Ein köstlich new Kochbuch« von Anna Wecker).
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Fragen an Martha, Nr. 3
Früher habe ich nur grob geplant und mit dem Schreiben angefangen, wenn ich den Anfang und das Ende wusste und eine vage Vorstellung von der Mitte hatte. Das hat Spaß gemacht und für jede Menge Überraschungen für mich selbst gesorgt, aber extrem viel Zeit bei den Überarbeitungen gekostet.
Mittlerweile nehme ich mir mehr Zeit für die Planung im Vorfeld und schreibe eine Outline, die schon recht genau den Handlungsverlauf und dazu passende Szenenideen enthält. (Das brauche ich auch für das Exposé, das der Verlag bekommt, um zu entscheiden, ob er den Roman verlegen will.)
Das klingt nun, als könnte ich anschließend den Roman fix herunterschreiben. Aber so ist es dann doch nicht, denn hier kommen die Überraschungen ins Spiel. Die Entwicklung der Figuren schon vor dem Schreibbeginn genau festzulegen, kann und mag ich nämlich nicht. Ich entdecke beim Schreiben, wie die Figuren sich entwickeln, wie sie von ihren Erlebnissen oder voneinander beeinflusst und verändert werden. Erst wenn ich weiß, wie es allen Figur in einer Szene emotional gerade geht, kann ich entscheiden, ob die Handlung wirklich so ablaufen kann, wie ich sie mir ganz zu Anfang vorgestellt hatte. Wenn ich etwas verändere, zieht das natürlich weitere Änderungen nach sich. Manchmal bringt mir auch die Recherche, die ich während des Schreibens weiterführe, eine neue Idee oder die Erkenntnis, dass ich mich in einer Sache geirrt habe. Dann baue ich die Handlung ebenfalls um.
Wenn ich die Handlung und Figurenentwicklung wirklich schon vor dem Schreiben ganz genau aufgezeichnet hätte, würde ich mich beim Schreiben langweilen.
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Mittwoch, 27. September 2017
Danke für die schöne Leserunde
Auf der Leserplattform "Lesejury" geht nun allmählich die lebhafte und schöne Leserunde zu "Das blaue Medaillon" zu Ende. Ich danke allen Teilnehmern dafür, dass sie dabei waren und ihre Leseeindrücke geteilt haben. Mir hat es großen Spaß gemacht, eure Fragen zu beantworten. Damit auch Neugierige, die keine Lust auf Leserforen haben, einige der Fragen und Antworten lesen können, werde ich sie in nächster Zeit z.B. hier noch einmal aufgreifen.
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Dienstag, 12. September 2017
Recherche für das 17. Jahrhundert
Aus gegebenem Anlass hole ich diese beiden Collagen noch einmal hervor. So können alle, die gerade "Das blaue Medaillon" lesen, sehen, welche Art Bilder und Eindrücke mir beim Schreiben weiterhelfen.
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| Fotos aus dem Celler Schloss |
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| Zeitgenössische Gemälde |
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Mittwoch, 16. August 2017
Lesung in Lüneburg
Eine Woche nach der Premierenlesung in Celle lese ich auch in Lüneburg. Und zwar dieses Mal in der bezaubernden Buchhandlung am Lambertiplatz. Wer dort kein Buch für sich findet, will eigentlich gar nicht lesen.
Ganz sicher wird es ein schöner Abend.
Martha Sophie Marcus: Lesung aus "Das blaue Medaillon"
Do 14. September 2017, 19:00 Uhr
Bücher am Lambertiplatz, Bei der St. Lambertikirche 9, 21335 Lüneburg
Telefon (04131) 2238861
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Lesung in Celle
Ein großer Teil der Handlung von "Das blaue Medaillon" spielt in der Stadt Celle und dem Celler Schloss. Deshalb finde ich es besonders schön, dass die Lesungspremiere dieses Mal in der Celler Buchhandlung Decius stattfinden wird. Die übrigens ganz in der Nähe des Schlosses liegt, was geradezu nach einem kleinen Spaziergang im Anschluss an die Veranstaltung schreit.
Ich freue mich sehr darauf, an diesem passenden Ort aus dem Roman zu lesen und mit den Zuhörern zu plaudern.
Martha Sophie Marcus: Lesung aus "Das blaue Medaillon"
Do 07. September 2017, 20:00 Uhr
Buchhandlung Decius Celle, Markt 4–6, 29221 Celle
Telefon (05141) 888818
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Mittwoch, 9. August 2017
Leserunde für "Das blaue Medaillon" bei der "Lesejury"
Vom 11.09. bis 01.10.2017 begleite ich im Forum der "Lesejury" eine Leserunde zu "Das blaue Medaillon". Wenn ihr Spaß am gemeinsamen Lesen, am Diskutieren und Rezensieren habt und dabei sein möchtet, könnt ihr euch bis zum 27.08.2017 für die Leserunde bewerben.
Auch bei den Büchereulen wird es voraussichtlich eine Leserunde mit mir geben. Alles Nähere dazu folgt demnächst.
Auch bei den Büchereulen wird es voraussichtlich eine Leserunde mit mir geben. Alles Nähere dazu folgt demnächst.
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Mittwoch, 9. November 2016
Coverenthüllung: Das blaue Medaillon
Im September 2017 erscheint "Das blaue Medaillon" im Lübbe-Verlag. Endlich darf ich Euch das Cover zeigen, das unter den Einbänden all meiner Romane eindeutig zu meinen Favoriten gehört.
Die Vorschau:
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