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Freitag, 15. August 2025

350 Jahre Herrenhäuser Gärten in Hannover

 

Dieses Jahr werden die Herrenhäuser Gärten in Hannover 350 Jahre alt. »Das Mätressenspiel« handelt vom hannoverschen Fürstenhaus jener Tage und auch von der Entstehung der Gartenanlage. Als E-Book ist mein Roman überall im Buchhandel erhältlich.

17. Jahrhundert: Intrigenspiel der mächtigen Frauen am Herzogshof von Hannover.
Hannover, 1682: Die junge Helena von Minnigerode ist verzweifelt. Mit dem Tod ihres Bruders verlieren sie und ihre Mutter ihre gesamte Existenzgrundlage: Das Gut der Familie und sämtliche Privilegien gehen an ihren Onkel Roderick über. Helena bleibt nichts anderes übrig, als um die Aufnahme als Hofdame zu ersuchen. Nie hätte sie damit gerechnet, dass ausgerechnet sie in das skrupellose Intrigenspiel zwischen Herzogin Sophie und Clara von Platen, der mächtigen Mätresse des Herzogs, geraten könnte …

Mehr zum Roman hier auf meiner Webseite.

Montag, 14. März 2022

"Die Blüte der Novemberrosen" ist im Handel

 

Der zweite Band meines Novemberrosen-Zweiteilers ist im Handel erhältlich!

Die Blüte der Novemberrosen (2/2)

Hannover 1868: Sophie Brinkhoff erarbeitet sich heimlich und gegen den Willen ihrer Familie eine eigene berufliche Existenz. Doch die Summe ihrer Geheimnisse droht sie in den Untergang zu ziehen, als ihr Ehemann Ernst sie vor ein Ultimatum und damit vor die größte Herausforderung ihres bisherigen Daseins stellt: Sie soll ihr Leben in Hannover aufgeben und mit ihm nach Oldenburg ziehen, um die für ihren gesellschaftlichen Stand katastrophale Scheidung ihrer Ehe zu verhindern. Sophie will frei sein von gesellschaftlichen und privaten Zwängen. Und so kämpft sie für ein selbstbestimmtes Leben – und für ihre Liebe zu dem Arbeiter Karl.

 


Der Glanz der Novemberrosen (1/2)

Hannover Mitte des 19. Jahrhunderts: Als Töchter des Lokomotivfabrikanten Georg Brinkhoff wachsen Sophie und ihre Schwestern in Reichtum auf. Aber anders als ihre Familie sieht Sophie die Nöte der Arbeiter. Als sie sich für soziale Gerechtigkeit engagiert, lernt sie den verheirateten Fabrikschmied Karl kennen. Es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Doch hin- und hergerissen zwischen ihrer verbotenen Beziehung und dem Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie heiratet sie schließlich den Ingenieur Ernst Drave, für den sie nichts empfindet. Ihre Liebe zu Karl ist jedoch stärker denn je. Und so beginnen beide ein gefährliches Doppelleben …

Mittwoch, 27. Oktober 2021

Der Glanz der Novemberrosen: Hintergründe Teil 2

Mirjana Cvjetkovic hat für die hannoversche "Neue Presse" einen Beitrag über das Buch und mich geschrieben. Hier geht es zur Onlineversion.

Frank Füllgrabe schrieb für die "Landeszeitung der Lüneburger Heide" einen Beitrag, der für Abonnenten der Zeitung online hier im Archiv nachzulesen ist.

Über beide Beiträge freue ich mich sehr.

 

Taschenbuch und E-Book von »Der Glanz der Novemberrosen« sind im Goldmann Verlag erschienen und überall im Buchhandel bestellbar.

Hannover Mitte des 19. Jahrhunderts: Als Töchter des Lokomotivfabrikanten Georg Brinkhoff wachsen Sophie und ihre Schwestern in Reichtum auf. Aber anders als ihre Familie sieht Sophie die Nöte der Arbeiter. Als sie sich für soziale Gerechtigkeit engagiert, lernt sie den verheirateten Fabrikschmied Karl kennen. Es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Doch hin- und hergerissen zwischen ihrer verbotenen Beziehung und dem Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie heiratet sie schließlich den Ingenieur Ernst Drave, für den sie nichts empfindet. Ihre Liebe zu Karl ist jedoch stärker denn je. Und so beginnen beide ein gefährliches Doppelleben ...

 

 

Im 19. Jahrhundert verfestigt sich zunehmend der Kontrast zwischen der üppigen und farbenfrohen Damenmode der besseren Gesellschaft und der eher tristen und schlichten Herrenmode. Der Herr, der etwas auf sich hält, trägt Hut (gern einen Zylinder), Weste, eine leicht taillierte Jacke in gedeckter Farbe, einen Binder zum Hemd und einen schicken Gehstock. Und er muss aufpassen, dass er nicht über seine überlangen Pantalons stolpert, worüber die siebzehnjährige Sophie sich in einer der ersten Szenen von »Der Glanz der Novemberrose« heimlich amüsiert.

 


 
Karls erster Eindruck von der Frau, die ihn nicht mehr loslassen wird ...

 


Auch im 19. Jahrhundert führten Missernten und Teuerungen noch zu dramatischen Hungersnöten, von denen die ärmeren Stadtbewohner oft schlimmer getroffen wurden als die Leute auf dem Land, die sich näher an den Nahrungsquellen befanden. In der Stadt musste ein großer Teil der ohnehin niedrig bemessenen Arbeitslöhne für Lebensmittel ausgegeben werden. Entsprechend standen den Leuten kaum Mittel zur Verfügung, um für alle anderen Bedürfnisse aufzukommen. Hinzu kam, dass günstiger Wohnraum in den Industriestädten, in denen die Fabriken rasant wuchsen und einen Strom von Arbeitskräften anzogen, ohnehin knapp war. Das führte dazu, dass Arbeiterfamilien auf engstem Raum leben mussten. Meist verfügten sie nur über eine häufig schlecht beleuchtete und schwierig zu lüftende Wohn-Schlaf-Küche, zu der bestenfalls noch eine kleine Nebenkammer gehörte. In diesem Bereich spielte sich das gesamte häusliche Leben ab. Besonders die für die Kinderbetreuung und Zubereitung von Mahlzeiten zuständigen Frauen und ihre kleinen Kinder verbrachten in dieser bedrückenden, ziemlich ungesunden Enge viel Zeit, während die größeren Kinder immerhin nach draußen und die Männer in die Eckkneipen flüchten konnten. Den arbeitenden Männern blieb übrigens ohnehin wenig Zeit neben ihrer Arbeit. Ein 14-Stunden-Tag war keine Seltenheit.
Ich finde es immer erstaunlich, dass Menschen, die unter diesen harten Bedingungen lebten, trotzdem gelegentlich noch die Kraft fanden, um feiern und tanzen zu gehen. Wahrscheinlich hatten viele von ihnen trotz aller Not eine ziemlich gute Kondition.

 


In Deutschland setzte die industrielle Revolution am Anfang des 19. Jahrhunderts ein. Die verbesserten Methoden der Eisenproduktion und die Ausbreitung der Dampfmaschine zogen die Erfindung von Werkzeug- und Verarbeitungsmaschinen aller Art nach sich. Eine Maschinenfabrik wie die der Familie Brinkhoff in »Der Glanz der Novemberrosen«, wo vor allem große Werkstücke wie Lokomotiven oder Erntemaschinen hergestellt wurden, die sich meist noch in der Entwicklung befanden, war allerdings von Massenproduktion noch weit entfernt. Auch die Optimierung von Arbeits- und Vertriebsprozessen musste ja erst einmal erfunden werden. 

 

 

Das erste Wiedersehen in der väterlichen Fabrik ...

 


Die streng überwachte, junge bürgerliche Frau des 19. Jahrhunderts konnte ihren Ehepartner nur mit Zustimmung ihres Vormunds, also meistens des Vaters, wählen. Gründe, eine Ehe zu verbieten, gab es für Eltern viele, und oft spielten strategische Überlegungen eine Rolle, die die gesellschaftliche Stellung der gesamten Familie betrafen. Doch auch wenn es nicht um kühles heiratspolitisches Kalkül ging, hätte wohl kaum ein fürsorglicher bürgerlicher Vater dieser Epoche seiner Tochter erlaubt, einen Mann zu heiraten, der ihr keine in seinen Augen angemessene materielle Sicherheit bieten konnte. Gab es wenigstens vielversprechende Aufstiegschancen, konnte das einen Unterschied machen, doch grundsätzlich war der Wunsch, die eigenen Kinder innerhalb der Klassengesellschaft eher »nach oben« zu verheiraten, sehr mächtig.
Alternativ in einer unehelichen Beziehung zu leben, bedeutete für Frauen den Verlust ihres Ansehens und beraubte sie häufig der Aussicht auf Mitgift oder Erbschaft (für eine Frau jener Zeit fast die einzigen Möglichkeiten, zu einer eigenen finanziellen Absicherung zu kommen.) »Wilde Ehen« wurden oft sogar staatlich unterbunden. Ehebrecherische Beziehungen verboten sich natürlich völlig, obwohl viele arrangierte Ehen mangels einfacher Scheidungsmöglichkeiten nach einer Weile nur noch pro forma existierten.
Wann immer also das Herz damals einen eigenen Willen hatte und die Leidenschaft zwischen zwei Menschen zuschlug, war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man sich mit einer verbotenen, heimlichen Liebe begnügen musste, so wie gewisse Personen in "Der Glanz der Novemberrosen".

 




 Während die Kleidung der wohlhabenden Bürgerinnen und Adligen zu Beginn des 19. Jahrhunderts vergleichsweise praktisch und bequem war, schwang die Mode Mitte des Jahrhunderts wieder um und verlangte zunehmend so üppige, weite Röcke wie im Rokoko. Ohne Krinoline (den mit Federstahlreifen gefüllten Unterrock) ging bald nichts mehr, denn die wirkt auf den ersten Blick zwar unbequem und sperrig, machte es aber erst möglich, die enorme, schwere Stoffmenge der weiten Röcke einigermaßen bequem auf den Hüften zu tragen. Auch das Korsett hatte daran seinen Anteil, denn es half, das Gewicht gleichmäßig auf den Oberkörper zu verteilen und verhinderte, dass die Bänder der Röcke ins Fleisch einschnitten. So quälend einengend und oft sogar tragisch gesundheitsschädlich das Korsett bei enger Schnürung war, wären die Traumkleider jener Epoche ohne dieses entscheidende Stück Unterwäsche nicht tragbar gewesen.
Für mich stehen Korsett und Krinoline sinnbildlich für die einengende Rolle der Frauen, die es trugen. Die repräsentative Schönheit war eine ihrer wichtigsten Aufgaben und die damit einhergehende Beschränkung ihrer Bewegungsfreiheit gesellschaftlich absolut gewollt. Manche Frauen fühlten sich vermutlich ehrlich wohl dabei, in dieser Rolle zu glänzen, aber die vielen, die es nicht taten, litten mitunter ihr Leben lang.

 


 Ach ja, die Tücken der Mode ...

 


Trotz des schnell voranschreitenden technischen Fortschritts war der selbstverständliche Motor für alle Zwecke in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch das Pferd. Auch der Lokomotivfabrikant Egestorff ließ seine fertigen Loks auf einem speziell angefertigten Schwertransportwagen von großen Pferdegespannen vom Lindener Werk zum hannoverschen Bahnhof ziehen, wo sie erst auf die Schienen gesetzt wurden.
Pferde dienten dem Vergnügen der Wohlhabenden wie z. B. Sophies reitbegeisterter Schwester Dorette, und sie bewegten Lasten und Fahrgäste jeglicher Art von A nach B. Das Bild jeder Stadt war von Pferden und ihren Hinterlassenschaften geprägt, und der Umgang mit ihnen für viele Menschen alltägliche Gewohnheit.

 


 Mitte des 19. Jh. wuchsen die Bedeutung und der Wohlstand des Bürgertums im Vergleich zu den anderen Klassen, vor allem durch die aufstrebende Gruppe der Fabrikbesitzer. Die Biedermeierzeit am Anfang des Jahrhunderts hatte einen Rückzug der gesamten Familie ins Häusliche mit sich gebracht, der besonders das Leben der Frau betraf, die für die eigenhändige perfekte Gestaltung dieser idealisierten häuslichen Umgebung zuständig war.
Der Anspruch des perfekten Heims blieb in den folgenden Jahrzehnten bestehen, doch die tugendhafte Hausherrin überließ die gröberen praktischen Arbeiten zunehmend dem Personal und widmete sich vornehmerem Zeitvertreib.
Familie Brinkhoff aus »Der Glanz der Novemberrosen« spiegelt diesen Wechsel der Zeiten. Während die Großmutter noch aus einfachen Verhältnissen stammt und daran gewöhnt ist, überall tatkräftig mit anzupacken, hat Mutter Brinkhoff schon eher nur die leitende Position der Haushälterin inne, obwohl sie die notwendigen Hausarbeiten selbst noch praktisch beherrscht. Für die Töchter der Familie ist die Rolle der tugendhaften Ehe- und Hausfrau zwar ebenfalls vorgesehen, doch eingeschränkt auf die übergeordnete Stellung, in der sie von den körperlichen Arbeiten freigestellt bleiben.
Frauenarbeit wird im Großbürgertum zunehmend als Makel betrachtet, weil sie darauf hinzuweisen scheint, dass die Fähigkeiten des Hausherrn nicht ausreichen, um sie überflüssig zu machen. Den Frauen der Familie die Arbeit zu ersparen, wird für den Herrn zur Ehrensache mit manchmal bedrückenden Nebenwirkungen für die Betroffenen.

 


 Der standesgemäße Verehrer gibt sein Bestes ...

 


 Erfolgreich einen bürgerlichen Haushalt zu führen, all den Ansprüchen an regelmäßige üppige Mahlzeiten, Sauberkeit, makellose Ausstattung, manierliches Dienstpersonal, Gastlichkeit und repräsentative Einrichtung zu genügen, erforderte im 19. Jahrhundert weitreichende Kenntnisse. Entsprechend kam es zu einem Boom der von erfahrenen Frauen verfassten Ratgeberliteratur. Von Kochrezepten, Einkaufs- und Vorratshaltungstipps und Putzkniffen über Anstandsregeln, Tipps für den Umgang mit dem Ehegatten und Erziehungsratschlägen bis hin zu Krankenpflegemaßnahmen wurde in diesen Büchern alles behandelt, was die tugendhafte Hausfrau gebrauchen konnte. Kaum eine junge Bürgerin ging in dieser Zeit wohl in die Ehe, ohne wenigstens ein solches Ratgeberbuch geschenkt zu bekommen. Eine bekannte Verfasserin solcher Werke ist z. B. Henriette Davidis.
(Ich bin so dankbar, dass heute niemand mehr von mir verlangt, stets über haufenweise blütenweiße, gebügelte Tisch-, Bett- und Leibwäsche zu verfügen. Ehrlich, schon das allein würde mich fertigmachen. 😅) 

 


 Obwohl es im 19. Jahrhundert in Deutschland die ersten Verbote von Kinderarbeit oder wenigstens gesetzliche Einschränkung der Altersgruppe und täglich erlaubten Arbeitszeit gab, war es in den ärmeren Gesellschaftsschichten weiterhin üblich, die Kinder so früh wie möglich mitverdienen zu lassen. Häufig wurden daher Kinder schon in einem Alter als Hilfskräfte in die Fabriken mitgenommen, in dem die meisten Deutschen heute ihre Kinder nicht einmal allein auf den Spielplatz gehen lassen. Für mich ist schwer vorstellbar, wie sich das, was die überwiegend schlecht ernährten Winzlinge leisten konnten, für jemanden auszahlte, aber offenbar gab es Tätigkeiten, für die sich gerade die kleinen Kinderhände besonders gut eigneten.
In den wohlhabenden Familien war Erwerbstätigkeit für die Kinder kein Thema, was allerdings nicht heißt, dass sie überwiegend eine unbeschwerte, nach heutigen Maßstäben altersgerechte Kindheit erlebten. Steife, sogar für heutige Erwachsene herausfordernde Benimmregeln wurden sowohl von den Eltern als auch vom für die Kinderbetreuung und -ausbildung eingestelltem Personal streng durchgesetzt. Gewaltanwendung war dabei selbstverständlich.
Gespielt haben Kinder aller Schichten dennoch, wann immer sich eine Chance dazu bot. Das beweisen die überlieferten Spiele und Spielzeuge. Den Gedanken, dass sich diese kindliche Spiel- und Lebensfreude in allen Epochen sämtlichen Widerständen zum Trotz immer wieder einen Weg bahnte, finde ich sehr tröstlich.

 

 

1852, am Ende von »Der Glanz der Novemberrosen« ist das schnelle Reisen per Eisenbahn schon ein gutes Stück gebräuchlicher geworden als zu Beginn der Geschichte. Mit motorisierten Straßenfahrzeugen wird ebenfalls experimentiert, und auch an der Entwicklung von Flugapparaten arbeiten etliche entschlossene Erfinder.

Für gewöhnliche Leute war jedoch ein Aufsteigen im Fesselballon als Jahrmarktsattraktion noch das Vergnügen, das dem Fliegen am nächsten kam. In Band 2 meiner »Novemberrosen« finden Sophie und Karl sich gemeinsam in einem Ballonkorb wieder, und ihre Geschichte geht weiter ...

 


»Der Glanz der Novemberrosen« ist zu Ende, aber die Geschichte geht weiter.

Band 2 erscheint am 14. März 2022

Die Blüte der Novemberrosen:

Hannover 1868: Sophie Brinkhoff erarbeitet sich heimlich und gegen den Willen ihrer Familie eine eigene berufliche Existenz. Doch die Summe ihrer Geheimnisse droht sie in den Untergang zu ziehen, als ihr Ehemann Ernst sie vor ein Ultimatum und damit vor die größte Herausforderung ihres bisherigen Daseins stellt: Sie soll ihr Leben in Hannover aufgeben und mit ihm nach Oldenburg ziehen, um die für ihren gesellschaftlichen Stand katastrophale Scheidung ihrer Ehe zu verhindern. Sophie will frei sein von gesellschaftlichen und privaten Zwängen. Und so kämpft sie für ein selbstbestimmtes Leben – und für ihre Liebe zu dem Arbeiter Karl.


 

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Der Glanz der Novemberrosen: Hintergründe Teil 1

  

Taschenbuch und E-Book von »Der Glanz der Novemberrosen« sind im Goldmann Verlag erschienen und überall im Buchhandel bestellbar.

Hannover Mitte des 19. Jahrhunderts: Als Töchter des Lokomotivfabrikanten Georg Brinkhoff wachsen Sophie und ihre Schwestern in Reichtum auf. Aber anders als ihre Familie sieht Sophie die Nöte der Arbeiter. Als sie sich für soziale Gerechtigkeit engagiert, lernt sie den verheirateten Fabrikschmied Karl kennen. Es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Doch hin- und hergerissen zwischen ihrer verbotenen Beziehung und dem Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie heiratet sie schließlich den Ingenieur Ernst Drave, für den sie nichts empfindet. Ihre Liebe zu Karl ist jedoch stärker denn je. Und so beginnen beide ein gefährliches Doppelleben ...

 

 

Sophie ist die Protagonistin in »Der Glanz der Novemberrosen«. Die Siebzehnjährige wäre gern die wohlerzogene, brave Tochter, die ihre großbürgerlichen Eltern sich wünschen, und später eine Ehefrau, an der weder ihr Mann noch die gute Gesellschaft etwas auszusetzen haben. Doch nachdem die Begegnung mit einem einfachen Arbeiter ihr die Augen für die harte, aber auch aufregende Wirklichkeit außerhalb ihres überbehüteten Daseins geöffnet hat, kann sie sich nicht mit einer Zukunft abfinden, die sich nur in den für eine Frau ihrer Klasse vorgesehenen engen Grenzen abspielt. Ihr Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben wächst, so wie ihre Zuneigung zu einem Mann, den sie nicht lieben darf. Sie ringt mit einem tiefen Zwiespalt zwischen der Liebe zu ihrer konventionellen Familie und ihrem Wunsch nach Freiheit und Leidenschaft.

Neulich beim Interview mit der »Neuen Presse« wurde ich übrigens gefragt, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Namen der Protagonistin und meinem zweiten Vornamen gibt. Ja, gibt es. Als ich mich für das Pseudonym »Martha Sophie Marcus« entschied, habe ich den Namen Sophie ausgesucht, weil er in der hannoverschen Gegend, aus der ich stamme, früher häufig vorkam. (Möglicherweise wegen der bewunderten Kurfürstin Sophie von Hannover). Gerade zu der Zeit, in der meine fiktive Sophie lebt, ist der Name in Hannover sehr gebräuchlich. So schließt sich der Kreis.

 

Die Geschichte von »Der Glanz der Novemberrosen« beginnt im November 1847 bei der Einweihung des neuen Bahnhofs von Hannover mit einer Lokomotive, die den Namen des hannoverschen Königs trägt: Ernst August. (Noch bis 1866 ist das Land Hannover ein Königreich und die Stadt eine königliche Residenz. Bis 1837 war der König von Hannover auch der König von England. Personalunion, ihr erinnert euch? Um die ging es in meinem letzten Roman #ladyannesgeheimnis.) Die Lokomotive nach dem König zu benennen, sollte ihn sicher dem Hersteller gegenüber gnädig stimmen. Doch die Geste ändert nichts daran, dass König Ernst August kein großer Freund des technischen Fortschritts ist, vor allem nicht des für alle Klassen verfügbaren Eisenbahnverkehrs. Er findet, dass das schnelle Reisen ruhig exklusiv den Vornehmen und Reichen vorbehalten bleiben sollte. Der Druck von außen ist jedoch hoch und die wirtschaftlichen Vorteile der neuen Transportmethode sind nicht von der Hand zu weisen. Deshalb wird der hannoversche Bahnhof innerhalb weniger Jahrzehnte trotz der mangelnden königlichen Begeisterung zu einem der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte Norddeutschlands.

 

 
 
Im Königreich und der Stadt Hannover verlief die Industrialisierung im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zögerlich, denn Hof und Regierung fürchteten die Entstehung eines Industrieproletariats mit seiner Neigung zum Aufruhr, aber auch den Anblick von unansehnlichen Industrieanlagen und der begleitenden Umweltverschmutzung im sichtbaren Umfeld der königlichen Residenz. Da das nahe an der damaligen Stadtgrenze am anderen Ufer der Ihme gelegene Dorf Linden nicht im näheren Blickfeld der Hofgesellschaft lag, wurde die Ansiedlung von Industriebetrieben dort früher akzeptiert. Das war die Grundlage der Verwandlung Lindens vom »schönsten Dorf des Königreichs« zu seinem bedeutendsten Industriestandort. (Zum hannoverschen Stadtteil wurde Linden erst 1920.) Ein weiterer wichtiger Antrieb waren der Unternehmer Johann Egestorff und sein Sohn Georg, die mich zu meiner Geschichte inspiriert haben.

Während meines Studiums (Ende des 20. Jh. ;-) )war Linden übrigens eins der begehrtesten Wohnviertel für Studierende. Eine Weile habe ich selbst dort gelebt und es sehr genossen.

 

 
 
Eine konfliktreiche erste Begegnung zwischen zwei Menschen, die einander immens wichtig werden sollen ...
 

 

Der 21-jährige Karl hat es in seinem Herkunftsdorf zwar bis zum Schmiedegesellen gebracht, dort aber keine Zukunft für sich gesehen. Auch seine Kindheitsfreundin Lina und ihr jüngerer Bruder Theo, die verwaisten Kinder von armen Tagelöhnern, sahen keine Chance, sich auf dem Land aus ihrem Elend zu befreien. Die Umsiedlung nach Linden, wo die wachsenden Fabriken immer mehr Arbeiter und Arbeiterinnen brauchen, verhieß neue Möglichkeiten, und die Heirat sollte alles einfacher machen. Doch das Leben in der Stadt ist kaum leichter als auf dem Land. Und auch eine aus tiefer Freundschaft und Verantwortungsgefühl geschlossene Ehe kann plötzlich zu einem tragischen Klotz am Bein werden ...

 

 

Die Eisenbahn fuhr schon in ihrer Anfangszeit ungefähr dreimal so schnell wie eine Postkutsche — für die meisten Menschen bis dahin die schnellste Art zu reisen. Verständlich, dass diese gewaltige technische Neuerung Begeisterung und Faszination auslöste, aber auch Ängste und Entsetzen. Die lärmenden, rauchenden und rußenden Dampflokomotiven machten nicht nur Pferde und andere Haustiere scheu, sondern auch Passantinnen und Passanten, und die ersten großen Unfälle hinterließen einen bleibenden Eindruck. Schon damals stellten aufmerksame Beobachter außerdem fest, dass das »rasend schnelle« geradlinige Reisen die Wahrnehmung der durchreisten Landschaft distanzierter und unwirklicher werden lässt. Einige Zeitgenossen hielten das Eisenbahnfahren wegen der Vibrationen sogar für gesundheitsschädlich.

Aber die Vorteile überwogen selbstverständlich, und die Ausbreitung des Eisenbahnnetzes beeinflusste auch viele andere Entwicklungen. Zum Beispiel wuchs die mögliche Entfernung zwischen Wohnort und Arbeitsstelle, sodass Vorstädte eine bis dahin nicht dagewesene Bedeutung bekamen. Und der Eisenbahnverkehr trug maßgeblich dazu bei, dass überhaupt erst eine einheitliche Uhrzeit eingeführt wurde, auf die der Fahrplan sich stützen konnte.

Die Maschinenfabrik in Linden baute übrigens von 1846 bis 1931 Lokomotiven. Einer ihrer größten Konkurrenten war die Firma Borsig in Berlin.

 


 

 

Dienstag, 19. Oktober 2021

Neu erschienen: Der Glanz der Novemberrosen

 

Hannover Mitte des 19. Jahrhunderts

Als Töchter des Lokomotivfabrikanten Georg Brinkhoff wachsen Sophie und ihre Schwestern in Reichtum auf. Aber anders als ihre Familie sieht Sophie die Nöte der Arbeiter. Als sie sich für soziale Gerechtigkeit engagiert, lernt sie den verheirateten Fabrikschmied Karl kennen. Es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Doch hin- und hergerissen zwischen ihrer verbotenen Beziehung und dem Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie heiratet sie schließlich den Ingenieur Ernst Drave, für den sie nichts empfindet. Ihre Liebe zu Karl ist jedoch stärker denn je. Und so beginnen beide ein gefährliches Doppelleben …

 

 

 

Dienstag, 20. April 2021

Der Glanz der Novemberrosen

 


 Am 18. Oktober 2021 erscheint im Goldmann Verlag mit "Der Glanz der Novemberrosen" der erste Teil meines Novemberrosen-Zweiteilers. Der zweite Teil folgt im März 2022 mit "Die Blüte der Novemberrosen".

Teil 1:

Hannover Mitte des 19. Jahrhunderts: Als Töchter des Lokomotivfabrikanten Georg Brinkhoff wachsen Sophie und ihre Schwestern in Reichtum auf. Aber anders als ihre Familie sieht Sophie die Nöte der Arbeiter. Als sie sich für soziale Gerechtigkeit engagiert, lernt sie den verheirateten Fabrikschmied Karl kennen. Es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Doch hin- und hergerissen zwischen ihrer verbotenen Beziehung und dem Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie heiratet sie schließlich den Ingenieur Ernst Drave, für den sie nichts empfindet. Ihre Liebe zu Karl ist jedoch stärker denn je. Und so beginnen beide ein gefährliches Doppelleben ...

 



Samstag, 11. April 2020

Frohe Ostern!



Für mich ist die gute Nachricht von Verlag nicht mehr ganz so neu, aber weil sie noch nicht endgültig bestätigt war, hatte ich die Freude darüber aufgeschoben. Doch nun ist es bestätigt: Aus dem sehr (sehr) langen Manuskript, an dem ich so sehr (sehr) lange gearbeitet habe, soll nicht nur ein einziges Buch werden. Sondern zwei.
Und vor einer Stunde habe ich das gesamte Werk abgegeben. Die Geschichte ist erzählt. (Stellt euch lauten Jubel vor.) Fertig sind die beiden Bücher damit natürlich noch lange nicht, aber ich habe jetzt erst einmal Pause. Und die habe ich ganz ehrlich nötig. Ich weiß gerade gar nicht, ob ich heulen oder lachen soll, vor Freude und Erleichterung darüber, dass ich es wieder einmal geschafft habe. Und dass ich mir zu Ostern einfach ein paar Tage frei nehmen kann. Ohne eine unerledigte Arbeit mit drohender Deadline im Hinterkopf. Kann mich nicht daran erinnern, wann ich das zuletzt hatte.
Ich gehe dann mal all die herrlichen Romane aus meinem SUB ziehen, die ich endlich lesen werde ... Habt noch eine schöne Vorosterwoche!

Freitag, 28. Februar 2020

Auf in die nächste Phase



Anfang der Woche habe ich die letzte von meinen handschriftlichen Manuskriptseiten ins digitale Manuskript überführt. Will sagen: Ich bin fertig mit dem Abtippen/Diktieren. Fix und fertig. Jetzt (bin gerade vom Zahnarzt zurück, poste dies und dann …) starte ich mit der Überarbeitung der gesamten Geschichte. Das bedeutet, ich suche und beseitige Logikfehler, Widersprüche und überflüssige Wiederholungen, arbeite wichtige Details schärfer heraus, streiche unwichtige, straffe Szenen, die zu langsam ablaufen, führe andere länger aus, die sich zu lückenhaft oder abgehackt lesen. Und natürlich schleife ich dabei auch sprachlich noch einmal alles, bis es hoffentlich nirgends mehr hakt.
Und weil ich es versprochen hatte, verrate ich es euch jetzt: In den vergangenen 12 Arbeitstagen habe ich 678 Seiten abgetippt/diktiert. Das sind bei meiner Handschrift etwa 340 getippte Normseiten. (Nein, das ist nicht das ganze Buch. Die Geschichte ist länger. Den Rest hatte ich vorher schon getippt.) Hatte ich schon mal erwähnt, dass man die Phase der Manuskriptüberarbeitung so nennt, weil die Autorïnnen zu dieser Zeit in der Regel völlig überarbeitet sind?

Ich wünsche euch einen fabelhaften Start in die Frühlingszeit!
Alles Liebe,
Martha

Samstag, 25. Januar 2020

Das verlorene Königreich Hannover



Das »Königreich Hannover« entstand erst relativ spät, als im Jahr 1814 das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg mit seiner Residenzstadt Hannover diesen neuen Status erhielt. (Das geschah auf dem Wiener Kongress.) Schon seit 1714 war der Kurfürst von Hannover (Braunschweig-Lüneburg) gleichzeitig König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, wie mindestens alle Leserinnen von »Lady Annes Geheimnis« natürlich wissen. 😉 Das war die berühmte »Personalunion«, die 1837 aus erbrechtlichen Gründen endete. Der erste König beider Königreiche war Georg III., der letzte war Wilhelm IV.
Der letzte König von Hannover war dann Georg V., der 1866 ins Exil gehen musste, als Hannover an der Seite von Österreich im Krieg gegen Preußen unterlag. Das Land Hannover wurde anschließend vom eigenständigen Königreich zur preußischen Provinz.
Auf dem Bild seht ihr die Gemahlin des letzten Königs, Königin Marie, mit ihrer Tochter Mary. Das Gemälde soll die beiden auf Schloss Marienburg zeigen, das Georg für Marie erbauen ließ. Das Schloss wurde allerdings erst vollendet, als das Königreich bereits keines mehr war. Marie bewohnte es nur kurze Zeit, bevor sie ihrem Ehemann ins Exil nach Österreich folgte.
Die Romanszene, die ich gestern geschrieben habe, spielt 1866 in Hannover. Mit dem König oder sonstigem Adel hat meine Geschichte dieses Mal aber wenig zu tun. Ich habe mich für den neuen Roman wieder anderen Milieus zugewandt.
Und, ja, man glaubt es kaum, die allerletzten Szenen stehen bevor ...

Mittwoch, 15. Januar 2020

Das Lindener Schloss




Im 19. Jahrhundert gab es in Hannover-Linden ein prächtiges Schloss. Erbaut wurde es nicht, wie der heutige Name des umliegenden Parks und seines letzten Eigentümers vermuten ließe, von der Familie von Alten, sondern 1698 bis 1702 vom Grafen von Platen. Das war derselbe Graf, dessen Ehefrau Clara als Mätresse des Kurfürsten eine bedeutende Rolle in meinem Roman „Das Mätressenspiel“ spielt.
Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben vollständig zerstört. Heute gibt es an der Stelle, wo es stand, enttäuschenderweise nur noch den Von-Alten-Park, wo kaum mehr als eine Steinbalustrade an das Gebäude erinnert. In Hannover und Linden war der Grad der Zerstörung insgesamt sehr hoch, was es heute besonders schwierig macht, sich das frühere Stadtbild vorzustellen, wenn man vor Ort ist.
Für die Figuren des Romans, an dem ich gerade arbeite, gehört der Anblick des Schlosses der Familie von Alten allerdings ebenso zum Alltag wie die ersten hohen Industrieschornsteine der neuen Fabriken. 


Das Mätressenspiel

Montag, 13. Januar 2020

Work in Progress



Über keinem anderen meiner Romane habe ich so viel gebrütet wie über dem, den ich gerade schreibe. Er müsste eigentlich längst fertig sein, und gefühlt bin ich seit einer halben Ewigkeit auf der Zielgeraden. Aber es fehlt immer noch ein Stück. Und dann kommt erst die Überarbeitung, bei der ich wahrscheinlich ganz viel von dem geschriebenen Text wieder verwerfe. (Seufz 😶🙂‚) Ich wünschte, ich könnte es beschleunigen. Aber wenn man Geschichten beim Erzählen nicht die Zeit lässt, die sie brauchen, raubt man ihnen die Magie. Und das kann ich wirklich nicht verantworten. 😉
Es wird also noch eine Weile dauern, bis mein neuer Roman erscheint. Umso mehr freue ich mich dann, wenn es so weit ist. Und ich hoffe, das werdet ihr auch.
Liebe Grüße,
Martha

Donnerstag, 9. Januar 2020

Damals in Hannover-Linden




Während meiner Studienzeit war das ehemalige Arbeiterviertel Hannover-Linden eine der begehrtesten Wohngegenden für Studentïnnen: viele WG-geeignete, etwas schäbige und daher nicht zu teure Altbauwohnungen, kleine Lebensmittelläden, Cafés, Kneipen, Kioske und Räume für alternative Kultur an jeder Ecke, brodelndes Leben und dabei doch eine gewisse Gemütlichkeit. Und zu den verschiedenen Uni-Standorten war es mit dem Rad nicht allzu weit. Ich fand Linden damals toll, aber mit seiner Geschichte habe ich mich erst viel später befasst.
Noch bis 1920 war Linden offiziell kein Teil der Stadt Hannover, sondern ein eigenes Dorf mit einem besonderen Charakter. Es ist von Hannover durch den Fluss Ihme getrennt, über den es bis 1872 im Stadtgebiet nur eine einzige Brücke gab. Anfang des 19. Jahrhunderts galt Linden als »das schönste Dorf des Königreichs Hannover«, doch in nur rund vierzig Jahren, etwa zwischen 1830 und 1870, wurde aus dem schönen Dorf der größte Industriestandort des Königreichs.
In der Zeit dieser rasanten Entwicklung spielt die Geschichte, die ich gerade schreibe.

Mittwoch, 24. Juli 2019

Henriette Löfflers Kochbuch


Historische Kochbücher und Haushaltsratgeber des 19. Jahrhunderts geben einen wunderbaren Einblick in das bürgerliche Alltagsleben von damals (vor allem das Leben der Frauen natürlich) und sind deshalb eine tolle Recherchequelle. In kulinarischer Hinsicht sind die alten Kochbücher für mich als Vegetarierin und eher minimalistische Köchin hingegen nur selten eine Fundgrube, weil die meisten Rezepte fleisch- und fischhaltig oder enorm zeitaufwendig daherkommen. Immerhin hatte Frau Löffler aber seitenweise Obstkaltschalen im Repertoire, und die sind für das derzeitige Wetter hier auf jeden Fall das Richtige. Wenn man genug Wein hinzufügt, dann ist einem die Temperatur draußen ohnehin irgendwann egal. Ich jedenfalls schlafe nach dem Essen dann einfach sofort ein.




Freitag, 14. Juni 2019

Fragen an die Autorin



Anfang des achtzehnten Jahrhunderts war es in England noch legal und gültig (wenn auch unüblich), sich ohne kirchliche und staatliche Lizenz trauen zu lassen. Das Fleet-Viertel in London hatte sich dafür als Anlaufstelle etabliert. Viele Paare, die wichtige Gründe hatten, nicht den »offiziellen«, angeseheneren, aber auch langwierigen und teuren Weg einer normalen Hochzeit zu gehen, machten von der Möglichkeit einer »Fleet Mariage« Gebrauch. Zuerst fanden die »irregulären« Eheschließungen meist in der Kapelle des Schuldgefängnisses statt, dann entdeckten die Inhaber der umliegenden Gasthäuser die Sache als Geschäftsidee, und bald boten viele Anwohner diesen Service an. Ein Geistlicher scheint übrigens meistens anwesend gewesen zu sein, aber nicht zwingend. 1753 wurde diese Art von Eheschließung staatlicherseits verboten.



Ich höre öfter mal, dass jemand sich von einem Roman ein wenig abgeschreckt fühlt, wenn gleich am Anfang klar wird, dass viele Personen mitspielen (weil z.B. das Personenverzeichnis so lang ist.) Bei historischen Romanen scheint das häufiger der Fall zu sein. Eine Erklärung dafür ist, dass es beim Schreiben kaum möglich ist, historisch authentisch zu bleiben, wenn man das »Romanpersonal« zu stark ausdünnt. Um bei »Lady Annes Geheimnis« als Beispiel zu bleiben: Allein die kurfürstliche (Georg Ludwigs) Familie und ihr Hofstaat bestanden in der Wirklichkeit aus weit mehr Personen als im Roman mitspielen. Wenn ich sie auf noch weniger Charaktere beschränken würde, um den Roman besonders leicht lesbar zu machen, würde es das historische Bild von so einer Hofgesellschaft stark verzerren und irgendwie auch langweiliger machen. Das wäre für euch Leserïnnen dann auch enttäuschend.
Während ich schreibe, füge ich übrigens jede Person, die ich in die Geschichte einführe, immer gleich zum Personenverzeichnis hinzu. Später diskutiere ich dann mit meiner Textredaktions-Lektorin, welche der Personen vielleicht aus dem Verzeichnis gestrichen werden können. Meistens kommen wir zu dem Schluss, lieber mehr als weniger von ihnen dort zu nennen, also auch die, die eigentlich nur kleine Nebenrollen spielen. Das kann für jemanden, der schon vor dem Lesen einen Blick aufs Verzeichnis wirft, natürlich etwas überwältigend wirken. Meistens verliert sich die Sorge aber beim Lesen, so weit ich weiß.


Meine Romane spielen in ganz unterschiedlichen Epochen. Die drei aus dem Lübbe Verlag (»Das blaue Medaillon«, »Das Mätressenspiel« und »Lady Annes Geheimnis«) sind zwar alle im höfischen Milieu der Barockzeit angesiedelt, aber es gibt noch sechs weitere historische Romane von mir, und sie spielen im neunten, elften, vierzehnten, fünfzehnten und siebzehnten Jahrhundert. (Wenn es euch genauer interessiert, erfahrt ihr alle Einzelheiten auf meiner Webseite www.martha-sophie-marcus.de.) Mit dem Roman, an dem ich zur Zeit arbeite, reise ich ins neunzehnte Jahrhundert – ebenfalls eine ungeheuer spannende Epoche.


Bei der Recherche stütze ich mich zu 90% (nach Zeitaufwand betrachtet) auf Fach- und Sachliteratur. Die gibt es zur »georgianischen« Epoche in England sowohl von deutscher als auch von englischer Seite reichlich. Ich poste hier mal ein Bild, auf dem einige der Bücher zu sehen sind, die mir am meisten weitergeholfen haben. Das detailreichste Werk zu George I. ist derzeit das von Ragnhild Hatton. Schwieriger war es, eine genauere Aufarbeitung der jakobitischen Rebellion von 1715 zu finden, weil das ausführlichste Werk dazu (Daniel Szechi: 1715. The Great Jacobite Rebellion) neu nicht mehr erhältlich war und ich es auch nicht ohne Weiteres über eine Bibliothek beziehen konnte. Glücklicherweise habe ich dann noch eine etwas günstigere gebrauchte Ausgabe gefunden, und sie hat mir tatsächlich ein paar wichtige Einzelheiten geliefert.
Die restlichen 10% Recherche sind Orts- und Ausstellungsbesichtigungen, Video- und Tonmaterial und der gelegentliche Austausch mit einer Fachfrau/einem Fachmann, falls sich eine Frage mal gar nicht über die vorhandene Literatur und das öffentlich zur Verfügung stehende Material klären lässt.
Für »Lady Annes Geheimnis« habe ich mit der Recherche übrigens nicht ganz von vorne anfangen müssen, weil ich mich schon für »Das blaue Medaillon« und »Das Mätressenspiel« (meine Romane, die 2017 und 2018 bei Lübbe erschienen sind) mit dem Hannover der Barockzeit und der Familie von Georg Ludwig beschäftigt hatte.

Freitag, 24. Mai 2019

Dieser wunderbare Moment, ...

... wenn ich das Paket öffne, das der Postbote gerade gebracht hat, und ich zum ersten Mal das fertige Buch sehe. Da lacht das Herz.