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Mittwoch, 27. Oktober 2021

Der Glanz der Novemberrosen: Hintergründe Teil 2

Mirjana Cvjetkovic hat für die hannoversche "Neue Presse" einen Beitrag über das Buch und mich geschrieben. Hier geht es zur Onlineversion.

Frank Füllgrabe schrieb für die "Landeszeitung der Lüneburger Heide" einen Beitrag, der für Abonnenten der Zeitung online hier im Archiv nachzulesen ist.

Über beide Beiträge freue ich mich sehr.

 

Taschenbuch und E-Book von »Der Glanz der Novemberrosen« sind im Goldmann Verlag erschienen und überall im Buchhandel bestellbar.

Hannover Mitte des 19. Jahrhunderts: Als Töchter des Lokomotivfabrikanten Georg Brinkhoff wachsen Sophie und ihre Schwestern in Reichtum auf. Aber anders als ihre Familie sieht Sophie die Nöte der Arbeiter. Als sie sich für soziale Gerechtigkeit engagiert, lernt sie den verheirateten Fabrikschmied Karl kennen. Es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Doch hin- und hergerissen zwischen ihrer verbotenen Beziehung und dem Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie heiratet sie schließlich den Ingenieur Ernst Drave, für den sie nichts empfindet. Ihre Liebe zu Karl ist jedoch stärker denn je. Und so beginnen beide ein gefährliches Doppelleben ...

 

 

Im 19. Jahrhundert verfestigt sich zunehmend der Kontrast zwischen der üppigen und farbenfrohen Damenmode der besseren Gesellschaft und der eher tristen und schlichten Herrenmode. Der Herr, der etwas auf sich hält, trägt Hut (gern einen Zylinder), Weste, eine leicht taillierte Jacke in gedeckter Farbe, einen Binder zum Hemd und einen schicken Gehstock. Und er muss aufpassen, dass er nicht über seine überlangen Pantalons stolpert, worüber die siebzehnjährige Sophie sich in einer der ersten Szenen von »Der Glanz der Novemberrose« heimlich amüsiert.

 


 
Karls erster Eindruck von der Frau, die ihn nicht mehr loslassen wird ...

 


Auch im 19. Jahrhundert führten Missernten und Teuerungen noch zu dramatischen Hungersnöten, von denen die ärmeren Stadtbewohner oft schlimmer getroffen wurden als die Leute auf dem Land, die sich näher an den Nahrungsquellen befanden. In der Stadt musste ein großer Teil der ohnehin niedrig bemessenen Arbeitslöhne für Lebensmittel ausgegeben werden. Entsprechend standen den Leuten kaum Mittel zur Verfügung, um für alle anderen Bedürfnisse aufzukommen. Hinzu kam, dass günstiger Wohnraum in den Industriestädten, in denen die Fabriken rasant wuchsen und einen Strom von Arbeitskräften anzogen, ohnehin knapp war. Das führte dazu, dass Arbeiterfamilien auf engstem Raum leben mussten. Meist verfügten sie nur über eine häufig schlecht beleuchtete und schwierig zu lüftende Wohn-Schlaf-Küche, zu der bestenfalls noch eine kleine Nebenkammer gehörte. In diesem Bereich spielte sich das gesamte häusliche Leben ab. Besonders die für die Kinderbetreuung und Zubereitung von Mahlzeiten zuständigen Frauen und ihre kleinen Kinder verbrachten in dieser bedrückenden, ziemlich ungesunden Enge viel Zeit, während die größeren Kinder immerhin nach draußen und die Männer in die Eckkneipen flüchten konnten. Den arbeitenden Männern blieb übrigens ohnehin wenig Zeit neben ihrer Arbeit. Ein 14-Stunden-Tag war keine Seltenheit.
Ich finde es immer erstaunlich, dass Menschen, die unter diesen harten Bedingungen lebten, trotzdem gelegentlich noch die Kraft fanden, um feiern und tanzen zu gehen. Wahrscheinlich hatten viele von ihnen trotz aller Not eine ziemlich gute Kondition.

 


In Deutschland setzte die industrielle Revolution am Anfang des 19. Jahrhunderts ein. Die verbesserten Methoden der Eisenproduktion und die Ausbreitung der Dampfmaschine zogen die Erfindung von Werkzeug- und Verarbeitungsmaschinen aller Art nach sich. Eine Maschinenfabrik wie die der Familie Brinkhoff in »Der Glanz der Novemberrosen«, wo vor allem große Werkstücke wie Lokomotiven oder Erntemaschinen hergestellt wurden, die sich meist noch in der Entwicklung befanden, war allerdings von Massenproduktion noch weit entfernt. Auch die Optimierung von Arbeits- und Vertriebsprozessen musste ja erst einmal erfunden werden. 

 

 

Das erste Wiedersehen in der väterlichen Fabrik ...

 


Die streng überwachte, junge bürgerliche Frau des 19. Jahrhunderts konnte ihren Ehepartner nur mit Zustimmung ihres Vormunds, also meistens des Vaters, wählen. Gründe, eine Ehe zu verbieten, gab es für Eltern viele, und oft spielten strategische Überlegungen eine Rolle, die die gesellschaftliche Stellung der gesamten Familie betrafen. Doch auch wenn es nicht um kühles heiratspolitisches Kalkül ging, hätte wohl kaum ein fürsorglicher bürgerlicher Vater dieser Epoche seiner Tochter erlaubt, einen Mann zu heiraten, der ihr keine in seinen Augen angemessene materielle Sicherheit bieten konnte. Gab es wenigstens vielversprechende Aufstiegschancen, konnte das einen Unterschied machen, doch grundsätzlich war der Wunsch, die eigenen Kinder innerhalb der Klassengesellschaft eher »nach oben« zu verheiraten, sehr mächtig.
Alternativ in einer unehelichen Beziehung zu leben, bedeutete für Frauen den Verlust ihres Ansehens und beraubte sie häufig der Aussicht auf Mitgift oder Erbschaft (für eine Frau jener Zeit fast die einzigen Möglichkeiten, zu einer eigenen finanziellen Absicherung zu kommen.) »Wilde Ehen« wurden oft sogar staatlich unterbunden. Ehebrecherische Beziehungen verboten sich natürlich völlig, obwohl viele arrangierte Ehen mangels einfacher Scheidungsmöglichkeiten nach einer Weile nur noch pro forma existierten.
Wann immer also das Herz damals einen eigenen Willen hatte und die Leidenschaft zwischen zwei Menschen zuschlug, war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man sich mit einer verbotenen, heimlichen Liebe begnügen musste, so wie gewisse Personen in "Der Glanz der Novemberrosen".

 




 Während die Kleidung der wohlhabenden Bürgerinnen und Adligen zu Beginn des 19. Jahrhunderts vergleichsweise praktisch und bequem war, schwang die Mode Mitte des Jahrhunderts wieder um und verlangte zunehmend so üppige, weite Röcke wie im Rokoko. Ohne Krinoline (den mit Federstahlreifen gefüllten Unterrock) ging bald nichts mehr, denn die wirkt auf den ersten Blick zwar unbequem und sperrig, machte es aber erst möglich, die enorme, schwere Stoffmenge der weiten Röcke einigermaßen bequem auf den Hüften zu tragen. Auch das Korsett hatte daran seinen Anteil, denn es half, das Gewicht gleichmäßig auf den Oberkörper zu verteilen und verhinderte, dass die Bänder der Röcke ins Fleisch einschnitten. So quälend einengend und oft sogar tragisch gesundheitsschädlich das Korsett bei enger Schnürung war, wären die Traumkleider jener Epoche ohne dieses entscheidende Stück Unterwäsche nicht tragbar gewesen.
Für mich stehen Korsett und Krinoline sinnbildlich für die einengende Rolle der Frauen, die es trugen. Die repräsentative Schönheit war eine ihrer wichtigsten Aufgaben und die damit einhergehende Beschränkung ihrer Bewegungsfreiheit gesellschaftlich absolut gewollt. Manche Frauen fühlten sich vermutlich ehrlich wohl dabei, in dieser Rolle zu glänzen, aber die vielen, die es nicht taten, litten mitunter ihr Leben lang.

 


 Ach ja, die Tücken der Mode ...

 


Trotz des schnell voranschreitenden technischen Fortschritts war der selbstverständliche Motor für alle Zwecke in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch das Pferd. Auch der Lokomotivfabrikant Egestorff ließ seine fertigen Loks auf einem speziell angefertigten Schwertransportwagen von großen Pferdegespannen vom Lindener Werk zum hannoverschen Bahnhof ziehen, wo sie erst auf die Schienen gesetzt wurden.
Pferde dienten dem Vergnügen der Wohlhabenden wie z. B. Sophies reitbegeisterter Schwester Dorette, und sie bewegten Lasten und Fahrgäste jeglicher Art von A nach B. Das Bild jeder Stadt war von Pferden und ihren Hinterlassenschaften geprägt, und der Umgang mit ihnen für viele Menschen alltägliche Gewohnheit.

 


 Mitte des 19. Jh. wuchsen die Bedeutung und der Wohlstand des Bürgertums im Vergleich zu den anderen Klassen, vor allem durch die aufstrebende Gruppe der Fabrikbesitzer. Die Biedermeierzeit am Anfang des Jahrhunderts hatte einen Rückzug der gesamten Familie ins Häusliche mit sich gebracht, der besonders das Leben der Frau betraf, die für die eigenhändige perfekte Gestaltung dieser idealisierten häuslichen Umgebung zuständig war.
Der Anspruch des perfekten Heims blieb in den folgenden Jahrzehnten bestehen, doch die tugendhafte Hausherrin überließ die gröberen praktischen Arbeiten zunehmend dem Personal und widmete sich vornehmerem Zeitvertreib.
Familie Brinkhoff aus »Der Glanz der Novemberrosen« spiegelt diesen Wechsel der Zeiten. Während die Großmutter noch aus einfachen Verhältnissen stammt und daran gewöhnt ist, überall tatkräftig mit anzupacken, hat Mutter Brinkhoff schon eher nur die leitende Position der Haushälterin inne, obwohl sie die notwendigen Hausarbeiten selbst noch praktisch beherrscht. Für die Töchter der Familie ist die Rolle der tugendhaften Ehe- und Hausfrau zwar ebenfalls vorgesehen, doch eingeschränkt auf die übergeordnete Stellung, in der sie von den körperlichen Arbeiten freigestellt bleiben.
Frauenarbeit wird im Großbürgertum zunehmend als Makel betrachtet, weil sie darauf hinzuweisen scheint, dass die Fähigkeiten des Hausherrn nicht ausreichen, um sie überflüssig zu machen. Den Frauen der Familie die Arbeit zu ersparen, wird für den Herrn zur Ehrensache mit manchmal bedrückenden Nebenwirkungen für die Betroffenen.

 


 Der standesgemäße Verehrer gibt sein Bestes ...

 


 Erfolgreich einen bürgerlichen Haushalt zu führen, all den Ansprüchen an regelmäßige üppige Mahlzeiten, Sauberkeit, makellose Ausstattung, manierliches Dienstpersonal, Gastlichkeit und repräsentative Einrichtung zu genügen, erforderte im 19. Jahrhundert weitreichende Kenntnisse. Entsprechend kam es zu einem Boom der von erfahrenen Frauen verfassten Ratgeberliteratur. Von Kochrezepten, Einkaufs- und Vorratshaltungstipps und Putzkniffen über Anstandsregeln, Tipps für den Umgang mit dem Ehegatten und Erziehungsratschlägen bis hin zu Krankenpflegemaßnahmen wurde in diesen Büchern alles behandelt, was die tugendhafte Hausfrau gebrauchen konnte. Kaum eine junge Bürgerin ging in dieser Zeit wohl in die Ehe, ohne wenigstens ein solches Ratgeberbuch geschenkt zu bekommen. Eine bekannte Verfasserin solcher Werke ist z. B. Henriette Davidis.
(Ich bin so dankbar, dass heute niemand mehr von mir verlangt, stets über haufenweise blütenweiße, gebügelte Tisch-, Bett- und Leibwäsche zu verfügen. Ehrlich, schon das allein würde mich fertigmachen. 😅) 

 


 Obwohl es im 19. Jahrhundert in Deutschland die ersten Verbote von Kinderarbeit oder wenigstens gesetzliche Einschränkung der Altersgruppe und täglich erlaubten Arbeitszeit gab, war es in den ärmeren Gesellschaftsschichten weiterhin üblich, die Kinder so früh wie möglich mitverdienen zu lassen. Häufig wurden daher Kinder schon in einem Alter als Hilfskräfte in die Fabriken mitgenommen, in dem die meisten Deutschen heute ihre Kinder nicht einmal allein auf den Spielplatz gehen lassen. Für mich ist schwer vorstellbar, wie sich das, was die überwiegend schlecht ernährten Winzlinge leisten konnten, für jemanden auszahlte, aber offenbar gab es Tätigkeiten, für die sich gerade die kleinen Kinderhände besonders gut eigneten.
In den wohlhabenden Familien war Erwerbstätigkeit für die Kinder kein Thema, was allerdings nicht heißt, dass sie überwiegend eine unbeschwerte, nach heutigen Maßstäben altersgerechte Kindheit erlebten. Steife, sogar für heutige Erwachsene herausfordernde Benimmregeln wurden sowohl von den Eltern als auch vom für die Kinderbetreuung und -ausbildung eingestelltem Personal streng durchgesetzt. Gewaltanwendung war dabei selbstverständlich.
Gespielt haben Kinder aller Schichten dennoch, wann immer sich eine Chance dazu bot. Das beweisen die überlieferten Spiele und Spielzeuge. Den Gedanken, dass sich diese kindliche Spiel- und Lebensfreude in allen Epochen sämtlichen Widerständen zum Trotz immer wieder einen Weg bahnte, finde ich sehr tröstlich.

 

 

1852, am Ende von »Der Glanz der Novemberrosen« ist das schnelle Reisen per Eisenbahn schon ein gutes Stück gebräuchlicher geworden als zu Beginn der Geschichte. Mit motorisierten Straßenfahrzeugen wird ebenfalls experimentiert, und auch an der Entwicklung von Flugapparaten arbeiten etliche entschlossene Erfinder.

Für gewöhnliche Leute war jedoch ein Aufsteigen im Fesselballon als Jahrmarktsattraktion noch das Vergnügen, das dem Fliegen am nächsten kam. In Band 2 meiner »Novemberrosen« finden Sophie und Karl sich gemeinsam in einem Ballonkorb wieder, und ihre Geschichte geht weiter ...

 


»Der Glanz der Novemberrosen« ist zu Ende, aber die Geschichte geht weiter.

Band 2 erscheint am 14. März 2022

Die Blüte der Novemberrosen:

Hannover 1868: Sophie Brinkhoff erarbeitet sich heimlich und gegen den Willen ihrer Familie eine eigene berufliche Existenz. Doch die Summe ihrer Geheimnisse droht sie in den Untergang zu ziehen, als ihr Ehemann Ernst sie vor ein Ultimatum und damit vor die größte Herausforderung ihres bisherigen Daseins stellt: Sie soll ihr Leben in Hannover aufgeben und mit ihm nach Oldenburg ziehen, um die für ihren gesellschaftlichen Stand katastrophale Scheidung ihrer Ehe zu verhindern. Sophie will frei sein von gesellschaftlichen und privaten Zwängen. Und so kämpft sie für ein selbstbestimmtes Leben – und für ihre Liebe zu dem Arbeiter Karl.


 

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Der Glanz der Novemberrosen: Hintergründe Teil 1

  

Taschenbuch und E-Book von »Der Glanz der Novemberrosen« sind im Goldmann Verlag erschienen und überall im Buchhandel bestellbar.

Hannover Mitte des 19. Jahrhunderts: Als Töchter des Lokomotivfabrikanten Georg Brinkhoff wachsen Sophie und ihre Schwestern in Reichtum auf. Aber anders als ihre Familie sieht Sophie die Nöte der Arbeiter. Als sie sich für soziale Gerechtigkeit engagiert, lernt sie den verheirateten Fabrikschmied Karl kennen. Es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Doch hin- und hergerissen zwischen ihrer verbotenen Beziehung und dem Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie heiratet sie schließlich den Ingenieur Ernst Drave, für den sie nichts empfindet. Ihre Liebe zu Karl ist jedoch stärker denn je. Und so beginnen beide ein gefährliches Doppelleben ...

 

 

Sophie ist die Protagonistin in »Der Glanz der Novemberrosen«. Die Siebzehnjährige wäre gern die wohlerzogene, brave Tochter, die ihre großbürgerlichen Eltern sich wünschen, und später eine Ehefrau, an der weder ihr Mann noch die gute Gesellschaft etwas auszusetzen haben. Doch nachdem die Begegnung mit einem einfachen Arbeiter ihr die Augen für die harte, aber auch aufregende Wirklichkeit außerhalb ihres überbehüteten Daseins geöffnet hat, kann sie sich nicht mit einer Zukunft abfinden, die sich nur in den für eine Frau ihrer Klasse vorgesehenen engen Grenzen abspielt. Ihr Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben wächst, so wie ihre Zuneigung zu einem Mann, den sie nicht lieben darf. Sie ringt mit einem tiefen Zwiespalt zwischen der Liebe zu ihrer konventionellen Familie und ihrem Wunsch nach Freiheit und Leidenschaft.

Neulich beim Interview mit der »Neuen Presse« wurde ich übrigens gefragt, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Namen der Protagonistin und meinem zweiten Vornamen gibt. Ja, gibt es. Als ich mich für das Pseudonym »Martha Sophie Marcus« entschied, habe ich den Namen Sophie ausgesucht, weil er in der hannoverschen Gegend, aus der ich stamme, früher häufig vorkam. (Möglicherweise wegen der bewunderten Kurfürstin Sophie von Hannover). Gerade zu der Zeit, in der meine fiktive Sophie lebt, ist der Name in Hannover sehr gebräuchlich. So schließt sich der Kreis.

 

Die Geschichte von »Der Glanz der Novemberrosen« beginnt im November 1847 bei der Einweihung des neuen Bahnhofs von Hannover mit einer Lokomotive, die den Namen des hannoverschen Königs trägt: Ernst August. (Noch bis 1866 ist das Land Hannover ein Königreich und die Stadt eine königliche Residenz. Bis 1837 war der König von Hannover auch der König von England. Personalunion, ihr erinnert euch? Um die ging es in meinem letzten Roman #ladyannesgeheimnis.) Die Lokomotive nach dem König zu benennen, sollte ihn sicher dem Hersteller gegenüber gnädig stimmen. Doch die Geste ändert nichts daran, dass König Ernst August kein großer Freund des technischen Fortschritts ist, vor allem nicht des für alle Klassen verfügbaren Eisenbahnverkehrs. Er findet, dass das schnelle Reisen ruhig exklusiv den Vornehmen und Reichen vorbehalten bleiben sollte. Der Druck von außen ist jedoch hoch und die wirtschaftlichen Vorteile der neuen Transportmethode sind nicht von der Hand zu weisen. Deshalb wird der hannoversche Bahnhof innerhalb weniger Jahrzehnte trotz der mangelnden königlichen Begeisterung zu einem der wichtigsten Eisenbahnknotenpunkte Norddeutschlands.

 

 
 
Im Königreich und der Stadt Hannover verlief die Industrialisierung im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zögerlich, denn Hof und Regierung fürchteten die Entstehung eines Industrieproletariats mit seiner Neigung zum Aufruhr, aber auch den Anblick von unansehnlichen Industrieanlagen und der begleitenden Umweltverschmutzung im sichtbaren Umfeld der königlichen Residenz. Da das nahe an der damaligen Stadtgrenze am anderen Ufer der Ihme gelegene Dorf Linden nicht im näheren Blickfeld der Hofgesellschaft lag, wurde die Ansiedlung von Industriebetrieben dort früher akzeptiert. Das war die Grundlage der Verwandlung Lindens vom »schönsten Dorf des Königreichs« zu seinem bedeutendsten Industriestandort. (Zum hannoverschen Stadtteil wurde Linden erst 1920.) Ein weiterer wichtiger Antrieb waren der Unternehmer Johann Egestorff und sein Sohn Georg, die mich zu meiner Geschichte inspiriert haben.

Während meines Studiums (Ende des 20. Jh. ;-) )war Linden übrigens eins der begehrtesten Wohnviertel für Studierende. Eine Weile habe ich selbst dort gelebt und es sehr genossen.

 

 
 
Eine konfliktreiche erste Begegnung zwischen zwei Menschen, die einander immens wichtig werden sollen ...
 

 

Der 21-jährige Karl hat es in seinem Herkunftsdorf zwar bis zum Schmiedegesellen gebracht, dort aber keine Zukunft für sich gesehen. Auch seine Kindheitsfreundin Lina und ihr jüngerer Bruder Theo, die verwaisten Kinder von armen Tagelöhnern, sahen keine Chance, sich auf dem Land aus ihrem Elend zu befreien. Die Umsiedlung nach Linden, wo die wachsenden Fabriken immer mehr Arbeiter und Arbeiterinnen brauchen, verhieß neue Möglichkeiten, und die Heirat sollte alles einfacher machen. Doch das Leben in der Stadt ist kaum leichter als auf dem Land. Und auch eine aus tiefer Freundschaft und Verantwortungsgefühl geschlossene Ehe kann plötzlich zu einem tragischen Klotz am Bein werden ...

 

 

Die Eisenbahn fuhr schon in ihrer Anfangszeit ungefähr dreimal so schnell wie eine Postkutsche — für die meisten Menschen bis dahin die schnellste Art zu reisen. Verständlich, dass diese gewaltige technische Neuerung Begeisterung und Faszination auslöste, aber auch Ängste und Entsetzen. Die lärmenden, rauchenden und rußenden Dampflokomotiven machten nicht nur Pferde und andere Haustiere scheu, sondern auch Passantinnen und Passanten, und die ersten großen Unfälle hinterließen einen bleibenden Eindruck. Schon damals stellten aufmerksame Beobachter außerdem fest, dass das »rasend schnelle« geradlinige Reisen die Wahrnehmung der durchreisten Landschaft distanzierter und unwirklicher werden lässt. Einige Zeitgenossen hielten das Eisenbahnfahren wegen der Vibrationen sogar für gesundheitsschädlich.

Aber die Vorteile überwogen selbstverständlich, und die Ausbreitung des Eisenbahnnetzes beeinflusste auch viele andere Entwicklungen. Zum Beispiel wuchs die mögliche Entfernung zwischen Wohnort und Arbeitsstelle, sodass Vorstädte eine bis dahin nicht dagewesene Bedeutung bekamen. Und der Eisenbahnverkehr trug maßgeblich dazu bei, dass überhaupt erst eine einheitliche Uhrzeit eingeführt wurde, auf die der Fahrplan sich stützen konnte.

Die Maschinenfabrik in Linden baute übrigens von 1846 bis 1931 Lokomotiven. Einer ihrer größten Konkurrenten war die Firma Borsig in Berlin.

 


 

 

Dienstag, 19. Oktober 2021

Neu erschienen: Der Glanz der Novemberrosen

 

Hannover Mitte des 19. Jahrhunderts

Als Töchter des Lokomotivfabrikanten Georg Brinkhoff wachsen Sophie und ihre Schwestern in Reichtum auf. Aber anders als ihre Familie sieht Sophie die Nöte der Arbeiter. Als sie sich für soziale Gerechtigkeit engagiert, lernt sie den verheirateten Fabrikschmied Karl kennen. Es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Doch hin- und hergerissen zwischen ihrer verbotenen Beziehung und dem Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie heiratet sie schließlich den Ingenieur Ernst Drave, für den sie nichts empfindet. Ihre Liebe zu Karl ist jedoch stärker denn je. Und so beginnen beide ein gefährliches Doppelleben …

 

 

 

Dienstag, 20. April 2021

Der Glanz der Novemberrosen

 


 Am 18. Oktober 2021 erscheint im Goldmann Verlag mit "Der Glanz der Novemberrosen" der erste Teil meines Novemberrosen-Zweiteilers. Der zweite Teil folgt im März 2022 mit "Die Blüte der Novemberrosen".

Teil 1:

Hannover Mitte des 19. Jahrhunderts: Als Töchter des Lokomotivfabrikanten Georg Brinkhoff wachsen Sophie und ihre Schwestern in Reichtum auf. Aber anders als ihre Familie sieht Sophie die Nöte der Arbeiter. Als sie sich für soziale Gerechtigkeit engagiert, lernt sie den verheirateten Fabrikschmied Karl kennen. Es ist für beide Liebe auf den ersten Blick. Doch hin- und hergerissen zwischen ihrer verbotenen Beziehung und dem Pflichtgefühl gegenüber ihrer Familie heiratet sie schließlich den Ingenieur Ernst Drave, für den sie nichts empfindet. Ihre Liebe zu Karl ist jedoch stärker denn je. Und so beginnen beide ein gefährliches Doppelleben ...

 



Freitag, 5. Februar 2021

Martha auf Instagram

 

Um all meine Beiträge zu "Die Bogenschützin" und anderen Themen zu sehen, folg mir gern auf Instagram: https://www.instagram.com/marthasophiemarcus/ 
Ich freue mich auf den Austausch mit dir.


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(Auch über Kindle Unlimited ausleihbar)


Donnerstag, 4. Februar 2021

MSMbooks

 

 

(Werbung für alles, was ich nenne. ;-) )
Unter dem Label MSMbooks veröffentliche ich Neuausgaben meiner älteren Romane, deren Rechte von den jeweiligen Verlagen nach Ablauf der Verträge wieder an mich zurückgefallen sind. Zur Zeit lohnt sich das für mich nur im E-Book-Format und über Amazon Kindle, aber ich bewerte ständig neu, welche andere Möglichkeiten sich bieten, und ob es Sinn hat, das eine oder andere Buch auch wieder in einer Printausgabe anzubieten. (Die erbitterten Amazon-Gegnerïnnen bitte ich an dieser Stelle, bei aller berechtigten Kritik zu bedenken, dass die Einnahmen, die ich über meine eigenveröffentlichten Kindle-E-Books erziele, maßgeblich zu meinem Überleben als Autorin beitragen. Und das ist nicht nur bei mir so. Kindle Direct Publishing bietet für Autorïnnen äußerst faire Bedingungen.)
Der Drache, der im MSMbooks-Logo zu sehen ist, steht im Original übrigens in meinem Garten. Mein Mann hat ihn mir ein Jahr nach Erscheinen der »Bogenschützin« zum Geburtstag geschmiedet. Und weil Hedwig, die Heldin des Romans, gelegentlich als Drache oder zärtlicher als »Drachenmaid« bezeichnet wird, habe ich meine Drachendame »Hedwig« getauft.

Nebenbei bemerkt: Auf meiner Webseite gibt es unter dem Reiter »MSMbooks« ein von mir mit viel Freude an der Sache gestaltetes Lesejournal zum Download. Kostenfrei oder gegen eine Spende. Seht es euch gern mal an.



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Samstag, 30. Januar 2021

Kleiner Exkurs: Frauen im Mittelalter

 

 

Zitat: »Eine junge Frau kämpft sich als Bogenschützin im Mittelalter durch, was leider ein Märchen ist. Keine Frau konnte sich damals in dieser Zeit durchkämpfen. Und wenn sie es versucht haben sollte, dann wurden sie unterdrückt, vergewaltigt, ermordet!«

So schrieb eine Leserin vor einigen Jahren zu »Die Bogenschützin«. Wahrscheinlich hatte sie den Roman nicht gelesen, denn was die Heldin des Romans tut, kann man mit dem Satz »Eine junge Frau kämpft sich als Bogenschützin durch« eigentlich nicht beschreiben.
Aber die Behauptung »Keine Frau konnte sich damals durchkämpfen« ist mir trotzdem eine nähere Betrachtung wert. Ist das die Wahrheit über Frauen im Mittelalter? Waren sie wirklich allein so chancenlos? Und müsste entsprechend eigentlich jedem historischen Roman eine Triggerwarnung vorausgestellt werden?

In dem langen Zeitraum von 500 bis 1500, den wir heute mit dem Oberbegriff »Mittelalter« bezeichnen, veränderte sich die Stellung der Frau immer wieder und sie variierte ohnehin von Ort zu Ort (auch innerhalb des heutigen Deutschlands) stark. Selbst die Kauffrau aus Köln und die aus Magdeburg verfügten im Jahr 1420 über unterschiedliche Rechte.
Grundsätzlich gilt aber, dass (mindestens) die vergangenen 1000 Jahre eine insgesamt gewalttätige und frauenfeindliche Zeit waren. Die Gewalt betraf alle, doch Frauen gegenüber wurde sie über alle Gesellschaftsschichten hinweg in besonderem Maße rechtlich legitimiert oder zumindest ignoriert. Daher waren sie körperlichen und seelischen Übergriffen in hohem Maß ausgesetzt – ausgeübt sowohl von bösartigen, als auch von im Rahmen ihrer sozialen Prägung wohlmeinenden Männern (die aus »erzieherischen« Gründen ihr Züchtigungsrecht anwandten), aber auch von anderen Frauen, die das misogyne Gesellschaftssystem aus Gründen des Selbstschutzes stützten, sogar wenn sie faktisch selbst von der resultierenden Ungerechtigkeit und Brutalität betroffen waren.
Dennoch lässt sich feststellen, dass Frauen im Mittelalter insgesamt mehr Möglichkeiten hatten, sich beruflich und eigenständig zu betätigen als später in der frühen Neuzeit. Sie gingen einer ganzen Reihe von Berufen nach, und wo das so war, können wir davon ausgehen, dass sie auch einen gewissen Bewegungsspielraum hatten, um ihre Waren anzubieten, Rohstoffe einzukaufen und Geschäftspartner oder -partnerinnen für Verhandlungen zu treffen. Wie weit sie sich dabei aus den sicheren Grenzen ihres Hauses bzw. Heimatorts hinauswagen konnten, hing vor allem davon ab, wie sicher die Umgebung grundsätzlich war, und darüber lässt sich kaum etwas Allgemeingültiges sagen. War die Gegend stark oder schwach besiedelt? Herrschten Krieg oder Fehde? Gab es eine Landesherrschaft, der die Sicherheit von Kaufleuten und anderen Reisenden auch auf den Straßen außerhalb der Burg- und Stadtmauern ein wichtiges Anliegen war?
Allgemeingültig lässt sich hingegen sagen, dass die unverheiratete, eigenverantwortlich handelnde Frau in der Gesellschaft des gesamten Mittelalters nicht vorgesehen war. Eine ledige Frau wurde als entweder noch nicht verheiratet (Jungfer) oder nicht mehr verheiratet (Witwe) behandelt.
Die Jungfrau wurde akzeptiert, so lange sie von ihrer Verwandtschaft oder einem männlichen Stellvertreter beherbergt, geschützt (und bevormundet) wurde. Der Status der Witwe unterschied sich je nach Ort und Umständen stark und konnte ihr im besten Fall eine hohe Eigenständigkeit ermöglichen. Auch dann blieb aber der für sie von der Gesellschaft vorgesehene Aufenthaltsort der häusliche Bereich.
Diese Zuschreibungen führten dazu, dass eine alleinstehende Frau ohne festes Heim und ohne den Schutz eines Vormunds fast automatisch außerhalb der Gesellschaft stand und daher nicht auf ihre Unterstützung bauen konnte.
Das galt sowohl für die Frauen, die sich an einem alternativen Lebensstil innerhalb der Städte versuchten, als auch für die, die zum fahrenden Volk gehörten, so wie für diejenigen, die den kriegführenden Heeren folgten, um die Soldaten zu versorgen. Bekanntermaßen gab es diese Frauen dennoch, und auch wenn sie höchstwahrscheinlich immer bemüht waren, sich durch einen schützenden Kreis von Begleitern abzusichern, ist es vorstellbar, dass sich Umstände ergaben, unter denen sie zumindest zeitweise völlig auf sich allein gestellt waren.
In kriegsbedingten gewalttätigen Konflikten zu den Waffen gegriffen haben sie dennoch selten, Erwähnungen von bewaffnet kämpfenden Frauen sind in den historischen Quellen rar. Was nicht heißen soll, dass eine Frau nicht auch damals schon ausgezeichnet z. B. einen Bogen führen konnte. Das beweisen die vielen adligen Jägerinnen jener Zeit. Und man darf nicht vergessen, dass viele Frauen damals durch die viele harte körperliche Arbeit im Durchschnitt vermutlich stärker waren als wir es (im Durchschnitt) heute sind.
Zurück zum Ausgangspunkt: War es damals, um 1420 herum möglich, dass eine Frau sich allein durchschlug?
Sich als unverheiratete, allein lebende Frau, die nicht über besonderen familiären Rückhalt oder Schutz durch die Landes- oder Stadtherrschaft verfügte, eine angesehene Existenz aufzubauen, war schon aus rechtlichen Gründen vielerorts kaum möglich. Aber es wird immer wieder Notlagen gegeben haben, in denen einer Frau nichts anderes übrig blieb, als zumindest Teile ihrer Reise (sowohl wörtlich als sinnbildlich gemeint) allein zu bewältigen. Ich sehe keinen Grund, warum es ihr nicht hätte gelingen sollen, so lange sie von der größten Gefahr ihrer (und unserer) Zeit Abstand hielt: von gewalttätigen Männern. Dafür werden die Frauen damals ebenso ihre Strategien gehabt haben, wie wir sie heute haben. Und dass es auch damals schon die andere Sorte Mann gab, die der gesellschaftlich abgründigen Lage zum Trotz fähig war, sich Frauen gegenüber anständig, unvoreingenommen und mitfühlend zu verhalten, steht außer Frage. Dafür gibt es in den überlieferten Lebensgeschichten von Frauen genug Belege.

Wie sieht es nun mit der Triggerwarnung zu meinen Romanen aus?
Einen historischen Roman zu schreiben, und dabei die Allgegenwärtigkeit von Gewalt und Unfreiheit außer acht zu lassen, bedeutet, die historische gesellschaftliche Wirklichkeit zu verleugnen und den unbeschreiblich harten Weg der weiblichen Emanzipation kleinzureden. In meinen Romanen ist die Benachteiligung der Frauen immer ein begleitendes Thema. Trotzdem stelle ich Gewalterfahrungen meiner Protagonistinnen nicht in den Vordergrund und beschreibe Gewalt nicht ausschweifend oder drastisch explizit.
Ob bestimmte Szenen für manche Leserïnnen dennoch zu schmerzhaft sein könnten, kann ich pauschal nicht beurteilen und möchte deshalb auch keine pauschale Triggerwarnung voranstellen. Ich schlage stattdessen vor, dass ihr euch direkt an mich wendet und konkret nachfragt, falls ihr unsicher seid. Das dürft ihr auch gern anonym z. B. per Email mit einer neutralen Emailadresse.

Falls ihr euch in das Thema »Frauengeschichte« einlesen möchtet, hier ein paar Lesetipps aus meinen Regalen:

Duby / Perrot: Geschichte der Frauen

Kaari Utriu: Evas Töchter

Edith Ennen: Frauen im Mittelalter

Holland: Misogynie. Die Geschichte des Frauenhasses

Hufton: Frauenleben. Eine europäische Geschichte. 1500 – 1800

Jesch: Women in the Viking Age

Beuys: Die neuen Frauen – Revolution im Kaiserreich

Richter / Wolff: Frauenwahlrecht. Demokratisierung der Demokratie in Deutschland und Europa

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Gewinnspiel zu "Die Bogenschützin"


Zu gewinnen gibt es zwei signierte Exemplare der im Handel inzwischen weitgehend vergriffenen Verlagstaschenbuchausgabe von »Die Bogenschützin« und ein paar schöne Goodies. (Siehe zweites Bild.)
Um teilzunehmen, schick mir bitte eine E-Mail (martha@ms-marcus.de, Betreff: Gewinnen.) und schreib mir deinen Vor- und Nachnamen. Nur die Gewinner erhalten eine Antwort, in der ich sie nach ihrer Postadresse frage. Gleich nach Erhalt der Adresse verschicke ich die Bücher. Eure E-Mail-Adressen, Namen und Postadressen verwende ich ausschließlich für die Gewinnauslosung bei diesem Spiel und lösche sie danach. Einsendeschluss ist Mittwoch, der 03.02.2021, 18 Uhr. Nach Abschluss des Spiels veröffentliche ich die Vornamen von den beiden, denen das Losglück hold war. Wenn ihr teilnehmt, gehe ich davon aus, dass ihr alle Teilnahmebedingungen (siehe auch unten) gelesen habt und sie für euch so in Ordnung sind.
Wenn ihr das Gewinnspiel teilt oder Freunde taggt, die vielleicht auch mitmachen möchten, freue ich mich natürlich.
Ich wünsche euch viel Glück!
Weitere Teilnahmebedingungen:
Leider muss ich aus Kostengründen die Verlosung auf Teilnehmerïnnen mit Postadressen innerhalb der EU beschränken. Wenn ihr noch nicht 18 seid, braucht ihr das Einverständnis eurer Eltern, um teilzunehmen. Der Gewinn ist nicht verhandelbar, umtauschbar, auszahlbar oder übertragbar. Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Instagram oder Facebook.
Mehrfacheinsendungen von einer Person sind unfair und sinnlos. In der Regel erkenne ich so etwas und sortiere diese Teilnehmerïnnen dann ganz aus.
Zum Werbehinweis: Ich habe den Tee selbst gekauft und keine Vereinbarung mit dem Hersteller.


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Freitag, 29. Januar 2021

Martha und das Bogenschießen

 

Sieben Fun Facts über das Bogenschießen

* Es gibt viele Bogenklassen, aber insgesamt sind Bogenschützen grob in zwei Gruppen unterteilt, die sich gegenseitig oft ein bisschen belächeln: diejenigen, die einen Bogen mit Visier schießen und diejenigen, die aus Überzeugung kein Visier verwenden, sondern sich beim Zielen auf eine Mischung aus Augenmaß, Erfahrung und Intuition stützen. Beim Schießen auf bekannte Entfernungen sind die Visierschützen meist etwas im Vorteil, bei unbekannten Entfernungen sind die ohne Visier ... zumindest immer noch in der Lage doppelt so schnell zu schießen wie die Konkurrenz mit Visier.  ;-)

* Moderne Sportbögen werden oft aus ähnlichen High-Tech-Materialien gebaut wie heutige Hochleistungsski. Es gibt aber viele Schützen, die auch in Wettkämpfen weiterhin traditionelle Holzbögen nach historischer Bauart schießen. Weil diese Bögen am schwierigsten zu beherrschen sind, nennt man die Holzbogenklasse auch »Königsklasse«.

* Bögen haben ein unterschiedliches Zuggewicht und dementsprechend eine unterschiedliche Durchschlagskraft und Pfeilgeschwindigkeit. Die Kraft, die zum Ziehen der Bogensehne aufgewandt werden muss, gibt man auf dem Bogen in englischen Pfund (1 lb = 0,45 kg) an. Ein mittelalterlicher englischer Kriegslangbogen hatte mehr als 100 Pfund Zuggewicht. Das war auch damals schon mehr als z .B. für die Jagd nötig war. Es gab auch leichtere Bögen. Für heutige Sportschützen ist ein Bogen mit 70 lb schon übertrieben schwer. Um so einen Bogen noch gezielt schießen zu können, muss man schon sehr durchtrainiert sein. Erwachsene Anfänger beginnen am besten mit höchstens 20 lb.
(P .S. Die Jagd mit dem Bogen ist heute in Deutschland vernünftigerweise verboten!)

* Beim »Flightschießen« geht es nur darum, wie weit man einen Pfeil schießen kann. Die mögliche Weite ist natürlich von Bauart und Material des Bogens und des Pfeils abhängig. Der Rekord mit dem freihändig geschossenen Recurvebogen liegt meines Wissens bei ca. 1200 m.
 
* Es gibt eine Wettkampfart namens Cloutschießen, bei der es ebenfalls ums Weitschießen geht, allerdings ums zielgenaue. Das hat nichts mit Wolken zu tun (Clouds), sondern mit dem Tuch (Clout), das man früher in weiter Entfernung auf die Wiese legte, um es nach Möglichkeit mit dem von oben herabfallenden Pfeil zu treffen.

* Das älteste als Bogen geltende archäologische Fundstück ist mehr als 14.000 Jahre alt. Erinnert ihr euch an Ötzi, die Gletschermumie? Ötzi ist »nur« ca. 5000 Jahre alt, hatte aber auch Bogen und Pfeile dabei.

* Für einen geübten heutigen (visierlosen) Schützen mit durchschnittlichem Bogen ist es möglich, rund 20 Pfeile in der Minute einigermaßen gezielt zu schießen. Dabei muss man sich zwar schon ganz schön beeilen, aber noch nicht zu besonders ungewöhnlichen Techniken greifen.


Sieben Fun Facts über Martha und das Bogenschießen


* Ich wollte als Kind immer Robin Hood sein. Meine Freundinnen und ich haben Stunden als Robin, Little John und Will Scarlett im Wald verbracht. Die Rolle von Lady Marian wollte eigentlich nie eine von uns.

* Ich habe das Bogenschießen vor fast 18 Jahren mit dem olympischen Recurvebogen ohne Visier gelernt, bin aber schon nach einem Jahr auf das visierlose Schießen umgestiegen, weil ich es magischer fand. Der nächste Schritt war dann der Wechsel vom modernen Bogen zum traditionellen Holzbogen.

* Bogenschießen ist die einzige Sportart, für die ich mich jemals so richtig begeistern konnte.

* Für die Bogenklasse, in der man den ursprünglichsten, nur aus einem Stück Holz gefertigten Bogen schießt, gibt es verschiedene Namen: Selfbow, Holzbogen, Historical Bow oder Primitivbogen. Ich habe meine meisten Wettkämpfe in dieser Klasse bestritten. (Und natürlich unter meinem »bürgerlichen« Namen, falls ihr jetzt losziehen wollt, um im Internet nach Ergebnislisten zu suchen.) 2013 bin ich in Ungarn bei der EFAC (European Field Archery Championships) Vize-Europameisterin meiner Bogenklasse geworden, nachdem wir 2012 die Teilnahme an der EBHC (European Bowhunter Championships) in Italien abbrechen mussten, weil der Motor unseres Autos uns auf einem einsamen Parkplatz in den Bergen im Stich gelassen hat. (Ich sehe die schwarze Rauchwolke noch immer vor mir.)

* Ich habe meinen Liebsten beim Bogenschießen kennengelernt und bin jeden Tag dankbar dafür.

* Seit ca. 13 Jahren leide ich unter einem blöden Problem namens »Target Panic« oder »Scheibenpanik«, das dazu führt, dass ich den normalen Bewegungsablauf bei einem Schuss nicht mehr so abspulen kann, wie ich es möchte. Phasenweise hat mich das ziemlich zur Verzweiflung getrieben, dann hatte ich es wieder ganz gut im Griff. Inzwischen habe ich mich damit abgefunden, dass ich dieses Handicap nicht wieder ganz loswerde, und schieße keine größeren Wettkämpfe mehr.

* Beim traditionellen Bogenschießen werden die meisten Turniere auf Tierattrappen ausgetragen. Ich konnte das immer ganz gut, obwohl ich seit meinem 17. Lebensjahr Vegetarierin bin und nie-nie-niemals auf ein lebendiges Tier schießen würde. 


Und noch etwas: Mein Umgang mit Rezensionen

Allen von euch, die für »Die Bogenschützin« oder andere Bücher im Laufe der Jahre Rezensionen geschrieben haben, möchte ich an dieser Stelle wieder einmal herzlich danken. Eure Bewertungen sind wertvoll, denn sie machen Bücher sichtbarer. Und auf Sichtbarkeit sind wir Autorïnnen angewiesen.
Trotzdem reagiere ich selten direkt auf einzelne Rezensionen. Warum?
In der Regel like oder kommentiere ich Rezis nur, wenn die Verfasserïnnen mich persönlich auf sie aufmerksam machen. In dem Fall gehe ich davon aus, dass es euch recht ist. (Zugegeben: Das mit dem Teilen habe ich nicht drauf. Im Feed finde ich es nicht passend, und die Stories sind immer noch nicht wirklich mein Medium. Ich arbeite daran.)
Der Grund dafür ist aber nicht, dass mir eure Gedanken zu meinen Geschichten gleichgültig wären, im Gegenteil: Ich lese alle Kommentare, die ich entdecke, und weiß eure Mühe zu schätzen. Aber ich habe für mich entschieden, dass ich mich als Autorin aus der Bewertung meiner Bücher heraushalten möchte. Eine Rezension ist die Wiedergabe einer persönlichen Leseerfahrung, die sich hauptsächlich an andere Leserïnnen wendet, und ihr habt ein Recht darauf, diese Erfahrung zu beschreiben, ohne dabei daran zu denken, wie euer Urteil auf mich als Urheberin wirkt. Umgekehrt lasse ich mir damit auch die Freiheit, nicht jede Diskussion über mein Buch mitführen zu müssen. Denn im Nachhinein öffentlich zu rechtfertigen, warum ich die Geschichte genau so geschrieben habe, wie ich es tat, empfinde ich als unnötig zermürbend. Ich werde niemals kontrollieren können, wie meine Bücher auf jeden einzelnen Menschen wirken (und möchte das auch nicht). Mich in Diskussionen nicht ungebeten einzumischen, ist deshalb eine Form des Loslassens, die ich für mich wichtig finde.
Was absolut nicht heißen soll, dass ich nicht jederzeit gern Fragen zu meinen Geschichten beantworte, wenn ihr sie mir ausdrücklich stellt. Falls jemand also ehrlich wissen möchte, warum ich etwas so und nicht anders geschrieben habe, werde ich gern versuchen, es zu erklären.

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(Auch über Kindle Unlimited ausleihbar)


Montag, 25. Januar 2021

Neuausgabe von "Die Bogenschützin" jetzt als Kindle-E-Book

 

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts in der Mark Brandenburg: 

Die verwaiste Burgherrentochter Hedwig wächst nach dem Verlust ihrer Familie bei einem Einsiedler im Wald auf und wird zu einer ausgezeichneten Bogenschützin. Nach dem Tod ihres Ziehvaters muss sie in die Zivilisation zurückkehren und sich ihren Weg in eine Gesellschaft bahnen, in der eigenständige Frauen wie sie unerwünscht sind. Werden ihre besonderen Fähigkeiten und ihre neugewonnenen Freunde ihr helfen, den letzten Wunsch ihres Ziehvaters zu erfüllen und ihren angestammten Platz als Adlige wieder einzunehmen? Oder muss sie sich verleugnen, um ihr Glück zu finden?


»Bogen und Schleier« war mein Arbeitstitel für »Die Bogenschützin«, was auf den zugrunde liegenden Konflikt des Romans hinweist.
Der Bogen steht für die besonderen, für eine Frau ihrer Zeit untypischen Stärken meiner Heldin Hedwig, die ihr ein Überleben unter widrigen Bedingungen ermöglichen, sie aber gleichzeitig vom Ringen um den Respekt ihres Standes disqualifizieren. Um als vornehme Frau akzeptiert und geschätzt zu werden, müsste sie den Bogen ablegen und sich den als weiblich idealisierten Tugenden widmen, für die der Schleier steht, den adlige Damen stets am Kopfputz trugen.
Keine einfache Entscheidung für meine wilde Hedwig, die an ihrer Eigenständigkeit ebenso hängt wie an der Zuneigung mindestens eines jungen Ritters, der in ihr gern die perfekte Burgdame sehen möchte.
Übrigens hatte ich damals, als der Verlag den Titel »Die Bogenschützin« vorschlug, Bedenken, dass Leserïnnen ihn vielleicht missverstehen und die Geschichte einer Soldatin erwarten könnten, dir ihren Lebensunterhalt durch das Bogenschießen bestreitet. Das scheint aber nur bei wenigen der Fall gewesen zu sein.


Die Idee zur Handlung von »Die Bogenschützin« keimte, als ich bei der Recherche für einen anderen Roman (#salzundasche) auf das Adelsgeschlecht derer von Quitzow stieß. Die Brüder Johann und Dietrich von Quitzow galten zu ihrer Zeit als Raubritter, die ihrem größten Widersacher, dem späteren Kurfürst Friedrich von Brandenburg das Leben enorm schwer machten, bis er sie schließlich doch besiegte und unterwarf. Ich fand es faszinierend, mir vorzustellen, zu was für einer Persönlichkeit sich ein Mädchen aus dieser wilden Familie entwickeln würde, wenn sie fernab von ihrer Verwandtschaft und den strengen Regeln der adligen Gesellschaft aufwachsen würde. Der jungen Waldläuferin einen Bogen in die Hand zu geben, lag natürlich nahe.

(Herzlichen Dank an die Unsplash-Kontributoren Julia Solonina und Bernardo Lorena für die Fotos von der Burg und vom Wald.)

Zu all meinen Romanen findet ihr zusätzliche Informationen auf meiner Webseite. Ich gebe dort einen Überblick über die historischen Hintergründe der Geschichten, beantworte die am häufigsten gestellten Fragen und füge manchmal auch Bildmaterial wie z. B. eine Landkarte bei.
Obwohl ich mir schon vor Wochen vorgenommen habe, die Seite endlich neu aufzusetzen und zu modernisieren, bin ich leider damit noch nicht weit gekommen. Deshalb könnt ihr zur Zeit nur auf der alten Seite stöbern. Aber die Inhalte sind deshalb hoffentlich trotzdem nicht schlechter. Seht doch gern mal bei mir vorbei! www.martha-sophie-marcus.de


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