Was erfährt man hier?

Neuigkeiten rund um meine Romane und Antworten auf Fragen, die mir häufig gestellt werden.
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Freitag, 6. September 2024

Schreibtreff in Adendorf


 

Infobild: Schreibtreff in der Bibliothek Adendorf, Am zweiten Dienstag im Monat. 18.30 bis 20. 30 Uhr.
 

Für alle Schreiblustigen aus der Lüneburger Umgebung, die sich gern über das Schreiben austauschen und ihr Wissen erweitern möchten, hier die nächsten Termine für den Schreibtreff in der Bibliothek Adendorf:

Mittwoch (ausnahmsweise), 29.01.2025

Dienstag, 11.02.2025

Anmeldungen bitte in der Bibliothek oder per E-Mail bei mir. 

Nähere Informationen gibt es auf www.bibliothek-adendorf.de  

oder auf meiner Webseite.

Donnerstag, 11. Juni 2020

Meine lieben Lektorinnen und ich


Für all meine Romane hatte ich mindestens zwei Lektorinnen. Zum einen die festangestellte Verlagslektorin, die die Geschichte auch »eingekauft« hat, und zum anderen eine vom Verlag für die eigentliche Arbeit am Text (die Textredaktion) engagierte freie Lektorin. (Das war bei meinen Romanen bisher immer dieselbe Person, weil sich herausgestellt hat, dass wir hervorragend zusammenarbeiten.) Wenn ich mein fertiges Manuskript in die Hände meiner Lektorinnen lege, ist das zwar das wunderbare Ende des umfangreichsten Teils der Arbeit am Buch, aber erst der Anfang der nächsten intensiven Arbeitsphase. Auch meine Lektorinnen geben mir natürlich eine Rückmeldung, wie die Geschichte bei ihnen als Leserinnen ankommt, doch vor allem entscheidet sich jetzt, wie der noch nicht betriebsblinde professionelle Blick auf die Geschichte ausfällt. Das ist jedes Mal wieder aufregend. Gibt es Lücken und Schwächen in der Handlung, die ich nicht bemerkt habe? Überzeugen und interessieren die Figuren und ihr Schicksal überhaupt?
Ganz egal, wie oft ich das nun schon hinter mir habe und wie oft ich schon erfahren durfte, dass es keine massiven Probleme in meinem Text gibt: Ganz sicher fühle ich mich zu diesem Zeitpunkt nie. Und ganz egal, wie viele Bücher ich noch schreiben werde, wahrscheinlich bleibt das so.
Auch wenn meine Lektorinnen keine großen Schwächen im Manuskript finden, hat meine Textredakteurin übrigens noch gut zu tun. Sie spürt jede Ungereimtheit, jeden Tippfehler, jeden überflüssigen Halbsatz auf und versieht das gesamte Manuskript mit Kommentaren für mich, damit ich über Änderungen nachdenken kann. Auch wenn ich dachte, ich hätte schon sorgfältig überarbeitet, kommt jetzt immer noch ein ganzer Sack voll Verbesserungen zusammen. Dieser Feinschliff ist unentbehrlich, um den Text aufs nächste »Level« zu heben.
Meine Lektorin macht das wirklich toll. Sie ist unentbehrlich, bleibt aber dennoch gern unsichtbar.

Doch ausnahmsweise gibt sie uns ein Interview! Hier kommen ihre Antworten. (Nennen wir sie »Anna«.)

Liebe Anna, wie lange arbeitest du schon als Lektorin?
»Mein redaktionelles Handwerkszeug habe ich vor knapp 30 Jahren erlernt. Als Freie Lektorin hauptberuflich selbstständig bin ich jetzt seit 18 Jahren.«
Wie viele Romane hast du schon lektoriert?
»Da hab ich jetzt extra für Dich nachgezählt: Es sind etwas über 130, deutschsprachige Romane ebenso wie Übersetzungen. Mit insgesamt ungefähr 110 Millionen Zeichen und 17 Millionen Wörtern (falls das jemanden interessiert…).«
Magst du ein paar Autorïnnen nennen, mit denen du schon zusammengearbeitet hast?
»Oh, da sind ein paar dabei, die Du möglicherweise auch kennst. Aber in diesem Punkt bin ich sehr verschwiegen …«
Was ist dein körperlicher Ausgleich zu den vielen Stunden Schreibtischarbeit? Und hast du sonst noch ein Hobby?
»Mein größtes Hobby ist, kein Auto zu haben, weswegen ich alle meine Alltagserledigungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad mache und mich schon deshalb viel bewege. Aber ohne regelmäßiges Laufen und Radfahren würde mich das viele Sitzen wahrscheinlich in den Wahnsinn treiben. Die besten Lösungen zu kniffligen Textproblemen fallen mir übrigens meistens nach einer Stunde Waldlauf oder dreihundert Höhenmetern Bergaufradeln ein. Ansonsten beschäftige ich mich gerne mit Saxophon spielen, Schokolade essen – und … äh… mit Lesen…«
Schaffst du es noch, auch zum Vergnügen zu lesen?
»Lesen ist für mich IMMER Vergnügen! Vor allem bei so tollen Autorinnen wie Dir. :-) Aber, ja: Ich lese, seit mein Hirn die Bedeutung aneinandergereihter Buchstaben kennt, praktisch dauernd – ob mit oder ohne Stift in der Hand. Ohne Buch oder Zeitschrift in der Tasche geh ich gar nicht aus dem Haus. (Außer zum Sport natürlich.)«
Wie viele Bücher hast Du denn in Deiner Wohnung stehen?
»Private und berufliche zusammengezählt, dürften es hochgerechnet an die drei- bis viertausend sein. Reiseführer und Kochbücher nicht mitgerechnet. Ich muss bald anbauen – oder umziehen…«



Danke für das Interview! Und danke für das nette Kompliment, liebe Anna!

Mittwoch, 13. Mai 2020

Nach dem Nachwort ...


Mein Nachwort zum neuen Roman ist fertig, und auch das Glossar ist vorbereitet.
Obwohl ich mich beim Schreiben meiner Romane bemühe, sparsam mit sperrigen Wörtern umzugehen, gibt es doch immer einige ungewöhnlicher Begriffe, die ich ganz bewusst aufnehme. Denn Sprache spielt eine Rolle, wenn eine Epoche oder ein Handlungsort im historischen Roman plastisch dargestellt werden soll. Zwar kann man Romanfiguren nicht ganz so sprechen lassen, wie sie es damals wirklich getan hätten, weil wir sie sonst kaum verstehen würden, aber ohne ein paar Andeutungen würde dem Gesamtbild etwas fehlen. Die deutsche Sprache wurde im Laufe der Jahrhunderte stark durch internationale Einflüsse geprägt und immer wieder verändert. So ist z. B. das Mittelalter nicht ohne Latein vorstellbar, die Barockzeit nicht ohne Italienisch und Französisch, die Zeit der Industrialisierung nicht ohne Englisch. Und unsere alten Dialekte, die sich regional immens unterschieden und noch immer unterscheiden, waren in der Vergangenheit überall viel häufiger zu hören und haben sich in einzelnen Begriffen ebenfalls dem »Hochdeutschen« eingeprägt. Außerdem sind da auch noch die Bezeichnungen für Gegenstände, Berufe oder Umstände, die es heute so gar nicht mehr oder nur selten gibt. Wer weiß heute schon noch, was »Diechlinge« sind? Im Mittelalter wussten hingegen wahrscheinlich die meisten Leute, dass damit der Beinschutz der Ritterrüstung gemeint ist.



Zu Nachwort und Glossar gesellt sich dann noch die Liste der im Roman auftretenden Personen.
Ich schreibe mein Manuskript mit Scrivener, wo ich ohne viel Aufwand ein Dokument im selben Projekt anlegen kann, das ich »Weitere Personen« nenne. Jedes Mal, wenn ich in der entstehenden Geschichte eine Person einführe, die ich nicht von Anfang an geplant hatte, kopiere ich ihren Namen sofort in dieses Dokument und schreibe einen kurzen Kommentar dazu, um wen es sich handelt. So finde ich später auch die Namen von »Statisten« mühelos wieder, wenn ich sie noch einmal brauche, ohne lange im Text danach suchen zu müssen. Und am Ende habe ich schon eine schöne Grundlage für die Personenliste, die dann auch im Buch abgedruckt wird. Auf dieser Liste steht allerdings nicht jede Figur, die vielleicht irgendwo in einem Halbsatz erwähnt wurde. Wenn es bei einem einzelnen, wenig bedeutenden Auftritt geblieben ist, taucht sie auf der Liste nicht auf, und in der Regel vermisst sie da auch niemand.
Ganz ohne Tücken ist das Anlegen der Personenliste übrigens nicht. Wenn man nicht aufpasst, kann man nichtsahnenden Leserïnnen ziemlich den Spaß verderben. Wer gleich zu Anfang in der Liste die Namen der fünf gemeinsamen Kinder zweier Personen liest, wird sich nämlich z. B. nicht mehr die eigentlich spannende Frage stellen, ob aus diesen beiden Personen ein Paar wird.

Freitag, 14. Juni 2019

Fragen an die Autorin



Anfang des achtzehnten Jahrhunderts war es in England noch legal und gültig (wenn auch unüblich), sich ohne kirchliche und staatliche Lizenz trauen zu lassen. Das Fleet-Viertel in London hatte sich dafür als Anlaufstelle etabliert. Viele Paare, die wichtige Gründe hatten, nicht den »offiziellen«, angeseheneren, aber auch langwierigen und teuren Weg einer normalen Hochzeit zu gehen, machten von der Möglichkeit einer »Fleet Mariage« Gebrauch. Zuerst fanden die »irregulären« Eheschließungen meist in der Kapelle des Schuldgefängnisses statt, dann entdeckten die Inhaber der umliegenden Gasthäuser die Sache als Geschäftsidee, und bald boten viele Anwohner diesen Service an. Ein Geistlicher scheint übrigens meistens anwesend gewesen zu sein, aber nicht zwingend. 1753 wurde diese Art von Eheschließung staatlicherseits verboten.



Ich höre öfter mal, dass jemand sich von einem Roman ein wenig abgeschreckt fühlt, wenn gleich am Anfang klar wird, dass viele Personen mitspielen (weil z.B. das Personenverzeichnis so lang ist.) Bei historischen Romanen scheint das häufiger der Fall zu sein. Eine Erklärung dafür ist, dass es beim Schreiben kaum möglich ist, historisch authentisch zu bleiben, wenn man das »Romanpersonal« zu stark ausdünnt. Um bei »Lady Annes Geheimnis« als Beispiel zu bleiben: Allein die kurfürstliche (Georg Ludwigs) Familie und ihr Hofstaat bestanden in der Wirklichkeit aus weit mehr Personen als im Roman mitspielen. Wenn ich sie auf noch weniger Charaktere beschränken würde, um den Roman besonders leicht lesbar zu machen, würde es das historische Bild von so einer Hofgesellschaft stark verzerren und irgendwie auch langweiliger machen. Das wäre für euch Leserïnnen dann auch enttäuschend.
Während ich schreibe, füge ich übrigens jede Person, die ich in die Geschichte einführe, immer gleich zum Personenverzeichnis hinzu. Später diskutiere ich dann mit meiner Textredaktions-Lektorin, welche der Personen vielleicht aus dem Verzeichnis gestrichen werden können. Meistens kommen wir zu dem Schluss, lieber mehr als weniger von ihnen dort zu nennen, also auch die, die eigentlich nur kleine Nebenrollen spielen. Das kann für jemanden, der schon vor dem Lesen einen Blick aufs Verzeichnis wirft, natürlich etwas überwältigend wirken. Meistens verliert sich die Sorge aber beim Lesen, so weit ich weiß.


Meine Romane spielen in ganz unterschiedlichen Epochen. Die drei aus dem Lübbe Verlag (»Das blaue Medaillon«, »Das Mätressenspiel« und »Lady Annes Geheimnis«) sind zwar alle im höfischen Milieu der Barockzeit angesiedelt, aber es gibt noch sechs weitere historische Romane von mir, und sie spielen im neunten, elften, vierzehnten, fünfzehnten und siebzehnten Jahrhundert. (Wenn es euch genauer interessiert, erfahrt ihr alle Einzelheiten auf meiner Webseite www.martha-sophie-marcus.de.) Mit dem Roman, an dem ich zur Zeit arbeite, reise ich ins neunzehnte Jahrhundert – ebenfalls eine ungeheuer spannende Epoche.


Bei der Recherche stütze ich mich zu 90% (nach Zeitaufwand betrachtet) auf Fach- und Sachliteratur. Die gibt es zur »georgianischen« Epoche in England sowohl von deutscher als auch von englischer Seite reichlich. Ich poste hier mal ein Bild, auf dem einige der Bücher zu sehen sind, die mir am meisten weitergeholfen haben. Das detailreichste Werk zu George I. ist derzeit das von Ragnhild Hatton. Schwieriger war es, eine genauere Aufarbeitung der jakobitischen Rebellion von 1715 zu finden, weil das ausführlichste Werk dazu (Daniel Szechi: 1715. The Great Jacobite Rebellion) neu nicht mehr erhältlich war und ich es auch nicht ohne Weiteres über eine Bibliothek beziehen konnte. Glücklicherweise habe ich dann noch eine etwas günstigere gebrauchte Ausgabe gefunden, und sie hat mir tatsächlich ein paar wichtige Einzelheiten geliefert.
Die restlichen 10% Recherche sind Orts- und Ausstellungsbesichtigungen, Video- und Tonmaterial und der gelegentliche Austausch mit einer Fachfrau/einem Fachmann, falls sich eine Frage mal gar nicht über die vorhandene Literatur und das öffentlich zur Verfügung stehende Material klären lässt.
Für »Lady Annes Geheimnis« habe ich mit der Recherche übrigens nicht ganz von vorne anfangen müssen, weil ich mich schon für »Das blaue Medaillon« und »Das Mätressenspiel« (meine Romane, die 2017 und 2018 bei Lübbe erschienen sind) mit dem Hannover der Barockzeit und der Familie von Georg Ludwig beschäftigt hatte.

Dienstag, 4. Juni 2019

Noch Fragen?

Eure Fragen beantworte ich gern. Also immer her damit!


Die interessantesten Geschichten sind wohl nicht nur für mich die, in denen Menschen sich Herausforderungen stellen und daran wachsen.
Dass ich häufiger von Frauen erzähle, liegt daran, dass ich die oft besonders schwierigen Bedingungen, unter denen gerade Frauen sich im Laufe unserer Geschichte behaupten mussten, schon immer höchst spannend fand. Und jung sind die meisten (nicht alle) meiner Protagonistinnen, weil an der Schwelle zum Erwachsenwerden nun einmal viele Weichen für das Leben gestellt werden. Junge Menschen treffen in dieser Phase bewusst, aber auch unbewusst, weitreichende Entscheidungen, die die Entwicklung ihrer Persönlichkeit prägen und die viel Futter für aufregende Geschichten bieten.
Selbstverständlich haben die Entscheidungen meiner Romanfiguren auch mit denen zu tun, dich ich in meinem eigenen Leben getroffen habe, aber nicht mehr als sie mit dem Leben so ziemlich aller Menschen zu tun haben. Übrigens kenne ich eigentlich nur Frauen, die sich in ihrem Leben jede auf ihre Weise immer wieder als sehr stark erwiesen haben.

Freitag, 8. Februar 2019

Gute Reise, Lady Anne!


Bin durch mit der Fahnenkorrektur, ein Glück. Ach, übrigens kann ich euch jetzt verraten, dass die Taschenbuchausgabe von "Lady Annes Geheimnis" inklusive Glossar und Personenverzeichnis satte 543 Seiten haben wird. (Die euch hoffentlich alle Spaß machen werden.) Bei der Fahnendurchsicht habe ich 29 Zeilen wegen Übersatz zu Verschwinden gebracht (Übersatz >>> die Sache mit den Hurenkindern und den Schusterjungen, ihr wisst schon, oder?) und weitere 35 mikroskopische Berichtigungen und Änderungen angemerkt. Nun kann ich nichts mehr für das Buch tun, nun liegt alles beim Verlag. Viel Glück, Lady Anne, es war wunderschön mit dir ...







Freitag, 12. Oktober 2018

Von der Kunst, Ideen zu Romanen großzuziehen, Teil 2

In Teil 1 dieses Blogposts habe ich erzählt, wie gründlich ich eine Idee abtasten muss, bevor ich weiß, ob ich wirklich ein Konzept daraus machen und den Roman schreiben kann und will. In diesem Teil möchte ich euch ein paar von den Werkzeugen vorstellen, die mir von Anfang an bei dieser Arbeit helfen.
Eine Software, die ich erst seit kurzer Zeit verwende, aber nicht mehr missen möchte, ist »Aeon Timeline«. Mit dem Anlegen eines Zeitstrahls beginnt für mich schon während der Recherche die Arbeit an einem Roman. Gerade beim historischen Roman ist es für mich zwingend notwendig, herauszufinden und zu überblicken, welche Ereignisse, geschichtlichen Phasen und Lebensdaten wichtiger historischer Persönlichkeiten in den Zeitrahmen und die Gegend fallen, in denen ich meine Romanhandlung verankern möchte. In »Aeon Timeline« kann ich passend dazu auch die fiktiven Ereignisse meiner Geschichte und die Personen mit ihren Lebensdaten festhalten. Das Programm zeigt mir praktischerweise sogar, wie alt die eingetragenen Personen zu welchem Zeitpunkt sind. Allein aus der Beschäftigung mit den zeitlichen Zusammenhängen ergeben sich oft schon bedeutsame Elemente für die Handlung.
Im nächsten Schritt kann ich die Daten aus der Timeline automatisch in mein Schreibprogramm Scrivener übertragen lassen. Die beiden Programme arbeiten zusammen und synchronisieren die Daten auf Wunsch auch fortlaufend.



Früher (vor Aeon) habe ich die Timeline-Planung mit einem Programm für Tabellenkalkulation gemacht (Excel, Open Office Calc, Planmaker). Das fällt nun weg. Nur an einer Tabelle halte ich fest: dem Überblick über das Alter der mitspielenden Personen. Auf einen Blick sehen zu können, wie alt meine Charaktere in einem bestimmten Jahr waren, ist oft hilfreich.



Um den eigentlichen Plot des Romans zu entwickeln, mir Zusammenhänge, Ereignisse oder Konflikte vor Augen zu führen oder einfach nur wild Ideen zu sammeln, lege ich Mindmaps an. Gelegentlich mache ich das zwischen Tür und Angel mit Papier und Stift, oft aber am Computer. Ein extrem einfaches und schnelles Programm dafür ist Scapple. Auch Scapple arbeitet reibungslos mit Scrivener zusammen. Einträge lassen sich ganz einfach von einem Programm ins andere ziehen und wieder zurück.



Scrivener ist der Dreh- und Angelpunkt für meine Arbeit am Roman. Hier schreibe ich nicht nur die Textabschnitte des Manuskripts, sondern sammle auch die nötigen Hintergrundinformationen. (Recherchematerial, Steckbriefe der Figuren, Orte und Gegenstände, Links zu den Mindmaps, Timeline-Daten und Notizen.)



Erst ganz zum Schluss verlässt mein fast fertiges Manuskript Scrivener als Word-Dokument, das ich mit Papyrus und dem dort integrierten Duden-Korrektor noch einmal auf Rechtschreib- und Grammatikfehler durchgehe. Papyrus Autor ist übrigens ebenfalls eine tolle Autorensoftware, deren jüngste Version ähnliche Funktionen hat wie Scrivener + Scapple + Aeon Timeline. Viele AutorInnen finden darin schon alles, was sie brauchen. Ich selbst mag allerdings die Papyrus-Timeline und -Figuren-Datenbank nicht so gern wie meine Kombination aus Scrivener und Aeon. Wenn ich zwischendurch kürzere Texte schreibe, nutze ich Papyrus aber gern.

Falls dieser Beitrag Euch für eins der Programme interessiert hat, ist er wohl so etwas wie Werbung. Mich hat trotzdem niemand zu diesem Beitrag aufgefordert oder mich gar dafür bezahlt.

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Von der Kunst, Ideen zu Romanen großzuziehen, Teil 1


 

Was ist eine gute Idee?
Im letzten Blogpost habe ich leichthin geschrieben, dass ich gerade zwei Exposés abgegeben hätte. Das klingt, als hätte ich diese Romankonzepte innerhalb von einer Woche erfunden und formuliert. So ist es nicht. Beide Ideen für historische Romane trage ich schon lange mit mir herum. Und wie immer habe ich viel recherchiert, bevor ich auch nur die grobe Handlung für die Geschichten entworfen habe.
Einfach irgendwelche Ideen für Geschichten zu haben, ist leicht. Ich nehme an, dass beinah jedem Menschen in seinem Leben mal der Gedanke durch den Sinn schießt: »Wow, das wäre jetzt eine Idee für ein Buch.« Doch wenn es daran geht, den Roman zu schreiben, passiert es häufig, dass die Idee ihren Glanz verliert. Dafür kann es viele Gründe geben. Manchmal war die Idee einfach zu klein, um für eine lange Geschichte genug Interesse und Spannung zu erzeugen, oder zu beliebig. Oder beim Recherchieren stellt sich heraus, dass die Wirklichkeit (Naturgesetze, historische Ereignisse, Georgraphie, Architektur und Stadtplan …) die Grundannahmen der Idee zerstört. (Wenn zum Beispiel meine Idee darauf beruhte, dass meine Heldin 1650 im norddeutschen Urwald eine Herde Auerochsen zusammentreibt, und die Recherche ergibt, dass Auerochsen in Norddeutschland schon lange vor 1630 ausgestorben waren.)
Das allerwichtigste für meine Romanideen ist allerdings, dass sie aus meiner Persönlichkeit entspringen (meiner Gefühlslage und Neugier, meinen Überzeugungen und Interessen). Nur wenn ich eine persönliche Bindung zu einer Geschichte fühle und sie wirklich dringend erzählen will, kann ich meiner Muse abverlangen, dass sie mit mir zusammenarbeitet und monatelang dranbleibt, bis die ganze lange Schreibzeit überstanden ist. Meine Begeisterung für Aspekte, Themen oder Personen der Geschichte ist die einzige Quelle, aus der genug Energie entspringt, um ein Manuskript diszipliniert zu Ende zu bringen.
Wenn ich also das Konzept für einen Roman entwickle, stelle ich mir all diese Fragen: Ist die Idee groß genug? Stützt die Faktenlage die Grundvoraussetzungen der Idee, oder gibt es eine für mich akzeptable, schlüssige Art, die Wirklichkeit erzählerisch zu »verwandeln« (oder neu zu »erzeugen«, wenn es um Phantastik geht)? Wie gestalte ich die Idee so, dass meine eigene Begeisterung mich sogar über die unvermeidlichen kreativen Durststrecken des Schreibprozesses hinwegträgt?
Vor allem, um die letzte Frage zu beantworten, muss ich mich nicht nur mit dem Konzept auseinandersetzen, sondern auch mit mir selbst. Welche meiner augenblicklichen Interessen sind Strohfeuer? Welche erlöschen nie, weil sie von meinen großen Lebensthemen genährt werden? Für welche der verknüpften Themen kann ich mich wenigstens genug erwärmen, um sie nebenbei mit zu verarbeiten, obwohl sie mich weniger interessieren?
Dazu habe ich gerade in einem Beitrag auf der »Writer’s Digest«-Webseite eine schöne Aussage von einem amerikanischen Autor namens Robert Crais gelesen:
»Why write about anything if you’re not going to write about something you’re passionate about, characters who you’re fascinated by, a world in which you want to be in, even if it’s only for a short period of time? That passion is the engine that has to fire the whole thing, drive the whole experience.«
Das ist sehr wahr, und diesen Umstand nicht zu beachten, kann zu vielen leidvollen Stunden am Schreibtisch und ernsten Begegnungen mit dem berüchtigten »Writer’s Block« führen. Also an alle, die ebenfalls schreiben: Viel Glück bei der Themenwahl!


Mittwoch, 27. Juni 2018

Fragen an die Autorin

Die Vorableserunde zu "Das Mätressenspiel" ist nun zu Ende. Der Austausch mit den vielen netten Teilnehmerinnen hat mir viel Freude gemacht, und nun darf ich mich weiter darüber freuen, wie sorgfältig und liebevoll sie ihre Rezensionen verfassen. Wer neugierig ist, kann sie hier auf der Seite des Lübbe Verlags/der Lesejury nachlesen.
Die Fragen, die die Leserundenteilnehmerinnen mir gestellt haben, und meine Antworten darauf, trage ich hier noch einmal für euch zusammen.


Ich bin die Tochter einer leidenschaftlichen Gärtnerin. Meine Mutter lebt nun leider schon seit über zehn Jahren nicht mehr, aber in meinen Erinnerungen sehe ich sie meistens im Garten oder zumindest draußen in der Natur. Ohne den Beruf der Gärtnerin erlernt zu haben, hatte sie sich ein gewaltiges Wissen zu jedem Bereich der Gartengestaltung angeeignet – sei es zu exotischen Zierpflanzen, dem Gemüsenutzgarten, die Obstbaumpflege oder auch der ökologischen Pflanzenvergesellschaftung. Und dieses Wissen hat sie unermüdlich umgesetzt. Dabei folgte sie übrigens den Fußstapfen ihrer Eltern, denn auch meine Großeltern liebten ihren eigenen riesigen Garten.
Schon meine Kindheit war daher vom Gartenthema geprägt, und ich empfinde das als wunderbare Erinnerung. Während ich im Garten spielte, war meine Mutter dort mit Spaten, Hacke oder Schere beschäftigt und kam gelegentlich zu mir (und den Schildkröten) herüber, um uns mit gerade reif gewordenen Erdbeeren oder Tomaten zu füttern.
Ich war vielleicht zehn Jahre alt, als meine Mutter und meine Oma mit meiner Schwester und mir zum ersten Mal nach Hannover in die Herrenhäuser Gärten fuhren. Und ganz gleich, ob einem die sehr spezielle, strenge Barock-Gartenkunst persönlich liegt oder nicht – der Faszination eines gepflegten Barockgartens kann sich wohl kaum jemand entziehen. Ich war jedenfalls schon damals gebannt davon, wie in diesem Park eine Art prunkvolles lebendes Gemälde aus Pflanzen geschaffen und erhalten wurde.
Es folgte noch einige Besuche dort mit meiner Familie, bei denen mir dann irgendwann auch die Statue von Herzogin Sophie, der maßgeblichen Schöpferin der Anlage, auffiel. Während des Studiums lag nicht nur eines meiner Vorlesungsgebäude an den Herrenhäuser Gärten, sondern auch mein Weg in die Stadt führte direkt dort vorbei. Und weil der Eintritt damals frei war, saß ich oft mit einem Buch in einem der ruhigen Winkel der Anlage. Dass ich später, als ich mich aus einer anderen Recherche-Richtung der Geschichte des Herzoghauses von Hannover näherte, wieder auf diesen Garten zurückkam, lag nahe.
Meinen eigenen Garten liebe ich übrigens auch sehr. Da ich aber niemals genug Zeit hätte, um so viel aus ihm zu machen, wie meine Mutter oder meine Oma es getan hätten, lasse ich ihn weitgehend wild wachsen und genieße einfach alles, was freiwillig gedeiht.


Wie lange schreibe ich schon?
Ich schreibe, seit ich es in der Grundschule gelernt habe. In den ersten zwanzig Jahren habe ich mich dabei auf Kurztexte und ausufernde Tagebücher beschränkt und nur äußerst selten jemandem etwas davon gezeigt. Bis zum Ende meines Studiums hatte ich nie die Absicht, professionell zu veröffentlichen, obwohl ich mich immer mit Literatur, Sprache und dem Schreibprozess auseinandergesetzt und extrem viel gelesen habe. Während des Studiums (Germanistik/Literaturwissenschaft, Soziologie und Pädagogik) dachte ich noch, ich würde auf der »Verwerterseite« enden und einen Job in der Verlagsbranche annehmen, was meine Sterne dann anders entschieden.

Wann stand für mich fest, dass ich ein Buch schreiben will?
Schon im Studium habe ich davon geträumt, eines Tages einen Roman zu schreiben, doch die Richtung war mir noch völlig unklar. Nach dem Studium hatte ich dann erst mal ein paar Jahre mit meinen kleinen Kindern zu tun, und für geistig-schöpferische Arbeit gab es wenig Gelegenheit. Gelesen habe ich in dieser Zeit aber auch sehr viel. Und irgendwann brauchten die Kinder dann meine Aufmerksamkeit weniger. Ich sah meine Chance, hatte inzwischen herausgefunden, welche Art von Belletristik mir am meisten liegt, und schrieb meinen ersten Roman. Den ich übrigens aus guten Gründen nie zur Veröffentlichung angeboten habe. Dann schrieb ich den zweiten, für den dasselbe gilt. Erst danach hatte ich den Bogen heraus und schrieb den dritten (»Der Rabe und die Göttin«), für den sich kein Verlag fand, weil das Thema angeblich nicht verkäuflich war. (Später wurde er doch noch veröffentlicht und hat sich ausgezeichnet verkauft.) Mein vierter Roman (»Herrin wider Willen«) war der erste, der veröffentlicht wurde. Was ich damit sagen möchte: Schreiben ist toll, lass dir den Spaß daran niemals nehmen. Auf eine Veröffentlichung hinzuarbeiten, erfordert hingegen eine Menge Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen.

Wie finde ich die Motivation zum Schreiben?
Meine Motivation liegt vor allem in den Themen und Personen meiner Geschichten. Wenn ich am Anfang der Planungsphase überzeugende Figuren geschaffen habe, die authentisch wirkende Hindernisse überwinden müssen, bin ich selbst gespannt darauf, wie es mit ihnen weitergeht und wie es mir gelingen wird, das zu erzählen. Im historischen Roman kommt hinzu, dass ich mein eigenes Interesse für eine Epoche oder ein geschichtliches Thema in eine Form gießen möchte, die auch für andere interessant und unterhaltsam ist, die sich sonst nicht viel mit Geschichte beschäftigen. Jedes Mal, wenn ich bei meinen Recherchen auf etwas stoße, was mein Interesse weckt, überlege ich gleich, wie sich das in einem Roman darstellen ließe.
Trotzdem gab es bisher bei jedem meiner Romane im Laufe der langen Zeit (etwa ein Jahr), die ich daran arbeite, Motivationsflauten. Da brauche ich dann etwas, ohne das man als Berufsautorin nicht existieren kann: eiserne Disziplin, die mich trotzdem jeden Morgen an den Schreibtisch zwingt.
Wenn es dir mit der Frage eher darum ging, wie du als noch experimentierende Autorin Themen und Anlässe zum Schreiben findest, dann rate ich dir, zu einem Buch mit Schreibanregungen zu greifen.


Ich habe schon als Jugendliche nicht nur aktuelle Bücher gelesen, sondern auch alte und sehr alte, und im Studium setzte sich das fort. Wenn ich für eine bestimmte Zeit recherchiere, stoße ich außerdem häufig auf Quelltexte wie Briefe, Tagebücher und Urkunden, aus denen sich zumindest die Schriftsprache der Epoche entnehmen lässt. Für »Das Mätressenspiel« habe ich unter anderem die »Briefe der Herzogin von Orléans. Lieselotte von der Pfalz« gelesen, von denen sich viele an ihre Tante Herzogin Sophie richten, und die Memoiren der Herzogin selbst. (»Memoiren 1639-1680. Sophie von Hannover«).
Nun ist es allerdings trotzdem nicht so, dass die Sprache im Roman wirklich der entspricht, die damals gesprochen wurde, denn die wäre für moderne LeserInnen eine Zumutung. Sogar das damalige Deutsch würden wir kaum noch verstehen, geschweige denn das alte Französisch oder zum Teil gar noch Latein, das im höfischen Umfeld oft die Umgangssprache war. Ich muss als Autorin also eine neue Sprache erfinden, die dennoch die alte widerspiegelt. Wenn mir das gelungen ist, freut es mich sehr.


Oh, ja, ich lese mit Begeisterung kreuz und quer. Nur Krimis mag ich nicht besonders, da lasse ich mich nur auf besondere Empfehlungen ein. Aber mit Fantasy zum Beispiel kann ich mich wunderbar entspannen, und ich würde unheimlich gern eines Tages noch einmal etwas in diesem Genre schreiben.
Es gibt wahnsinnig viele Bücher, die ich liebe – unmöglich, sie hier alle aufzuzählen. Aber am häufigsten wiedergelesen habe ich Twains Tom Sawyer, Lindgrens Die Brüder Löwenherz, Tolkiens Der Herr der Ringe & Der kleine Hobbit, Irvings Das Hotel New Hampshire, Harper Lees To kill a Mockingbird, Sara Donatis Im Herzen der Wildnis (im Englischen eine mehrbändige historische Saga, die leider nie vollständig übersetzt wurde, so weit ich weiß), Penelope Williamsons Westwärts, Niffeneggers Die Frau des Zeitreisenden, Diana Wynne Jones’ Chrestomanci-Geschichten, die Romane von George Eliot, Jane Austen und den Brontë-Schwestern … Wow, sogar das werden zu viele zum Aufzählen.
Mein Suchtmittel ist Tee. (Was für ein Glück, denn der gesundheitliche Schaden von Teekonsum hält sich in Grenzen ;-) ) Ich trinke am Tag literweise meist grünen Tee. Auf meinem Schreibtisch steht buchstäblich immer eine Thermoskanne Tee, und der Griff zur Tasse ist eindeutig eine Suchthandlung, die nichts mit Durst zu tun hat. Neuen Tee kochen zu müssen ist eine typische und immer willkommene Unterbrechung der Arbeit.
Eine zweite Sucht ist Stille. Ich brauche bei der Arbeit Ruhe. Zur Not setze ich sogar einen Gehörschutz auf, wenn zu viele Nachbarn ihre höllischen Gartenmaschinen in Betrieb nehmen.
Ach ja, und gegen Schokolade habe ich auch überhaupt nichts einzuwenden. Die brauche ich nicht ständig, aber gerade bei der Textüberarbeitung, dem Druckfahnenlesen und der Steuererklärung ist sie ein wertvolles Hilfsmittel. Am besten funktionieren bei mir karamellverstärkte Varianten. Schoko-Pfefferminztaler gehen auch. Beim gewöhnlichen Schreiben genügt ein Schälchen mit Studentenfutter.


Mit meinem neuen Romanprojekt verfolge ich das Schicksal der hannoverschen Herzogsfamilie nach einem Zeitsprung von gut dreißig Jahren weiter. Erneut lebt eine (fiktive) junge Frau im höfischen Gefüge, die gewaltige persönliche Probleme zu lösen hat. In dieser Zeit siedelt der hannoversche Hof übrigens nach London um. Mehr sage ich mal nicht. ;-)
Um eine Fortsetzung von »Das Mätressenspiel« handelt es sich aber nicht, sondern um eine ganz neue Geschichte.

Und: Ja, ich schreibe gern und oft von Hand vor. Nur dann nicht, wenn ich stark unter Zeitdruck stehe. Zum einen empfinde ich Handschrift als meditativ und schon an sich befriedigend, zum anderen scheint meine Kreativität leichter zu fließen, wenn die Hand auf die Art mithelfen darf. Tippen ist für mich nicht dasselbe (funktioniert zur Not aber auch direkt). Außerdem sind Papier und Stift ablenkungsfreier als der Computer mit seinen Trillionen von Möglichkeiten. Und ich kann mit Papier leichter im Garten arbeiten, was ich bei passendem Wetter häufig mache. Mit einem Notebook-Bildschirm kommen meine Augen draußen, gerade bei Sonnenlicht, nicht so gut zurecht.
Wenn ich meine Handschrift abtippe (blind und mit zehn Fingern, geht also relativ schnell), überarbeite ich den Text dann schon das erste Mal grob.


Die Frage »Wie lange hat es gedauert?« lässt sich nicht so leicht beantworten, da ich mit der Recherche für »Das Mätressenspiel« nicht bei Null angefangen habe. Allgemeines Wissen über die Epoche habe ich mir schon für den Vorgängerroman (Das blaue Medaillon) angeeignet und es stetig erweitert. Das heißt, Informationen über die kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Epoche, über den Kleidungs-, Einrichtungs-, Bau-, Musik- und Kunststil, die Ernährung, die Landwirtschaft, die Gartenkunst usw. hatte ich schon seit etwa zwei Jahren zusammengetragen, bevor ich mit der konkreten Arbeit am Roman begann. Dann habe ich etwa zwei Monate lang die genauen Einzelheiten über die Herzogsfamilie und andere eventuell vorkommende historische Persönlichkeiten, sowie die räumlichen Gegebenheiten recherchiert. Während des Schreibens hört die Recherchearbeit bei mir dann auch nicht auf, weil ich immer wieder auf Sachverhalte stoße, die mir doch noch nicht klar genug sind, sodass ich wieder nachlesen muss.
Nur ein Bruchteil des recherchierten Materials wird übrigens am Ende für LeserInnen im Roman sichtbar. Trotzdem muss ich alles erst einmal zusammentragen, um entscheiden zu können, was direkt einfließen soll. Der absolute Löwenanteil der Recherche ist das Lesen von Sach- und Fachtexten. Museumsbesuche helfen auch. Reisen an Handlungsorte sind hingegen zwar schön, steuern aber bei historischen Romanen meist nur einen geringen Nutzen bei, weil es fast nirgends auch nur annähernd heute noch so aussieht wie damals. Der berühmte Barockgarten von Herrenhausen ist da auch keine echte Ausnahme, denn er sieht heute ebenfalls nicht mehr aus wie 1682. Er wurde im Krieg ebenso wie das Schloss zerstört und dann neu angelegt. Das Schloss wurde erst vor wenigen Jahren nachgebaut.
Zum Thema Recherche habe ich auf meiner Webseite schon einmal einen ausführlichen bebilderten Beitrag gepostet, der dich vielleicht auch interessiert. Er befindet sich in der Rubrik »Wer-Wie-Was?« unter »Extras«.


Mein erster historischer Roman spielte in der Wikingerzeit, weil mich die nordische Sagen- und Mythenwelt und die Schiffe der Wikinger faszinierten. Verlagsseitig war man damals aber der Ansicht, dass Leser mein Interesse an dieser Zeit nicht teilen. Stattdessen wäre das christliche Mittelalter gefragt. Deshalb habe ich darüber nachgedacht, ob mich am Mittelalter etwas ebenso fesselt wie an der Wikingerzeit, und kam durch verschiedene Zufälle zwar nicht auf das Mittelalter, aber auf die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. In Verbindung mit der Historie der Stadt und des Landes Lüneburg (wo ich lebe) fand ich darin die Grundlage für die nächsten Geschichten, die ich erzählen wollte. Und von da an führte immer die Recherche für den einen Roman zur Idee für den nächsten. Das Herzoghaus von Hannover, um das es in »Das Mätressenspiel« geht, hat seine Wurzeln übrigens auch im Braunschweig-Lüneburgischen. Hinzu kommt in diesem Fall, dass ich ursprünglich aus der hannoverschen Gegend stamme, und deshalb neugierig war, wie es dort zu gewissen Entwicklungen kam. Und die Herzogsfamilie hat mich beschäftigt, weil ich einige der Frauenschicksale dieses Hauses besonders spannend und aufwühlend fand.


Dass du mit deinen sechzehn Jahren noch nicht viele Bücher neu kaufst, liegt ja sicher auch an deinem vermutlich nicht so üppigen Einkommen. Meiner Erfahrung nach ändert sich das ein wenig, wenn man in dieser Hinsicht weniger eingeschränkt ist.
Was mich angeht, nutze ich jede erdenkliche Methode, um an Bücher zu gelangen, außer den Download von Raubkopien. Viele der Sach- und Fachbücher, die ich für meine Arbeit benötige, sind neu gar nicht mehr erhältlich oder für mich unerschwinglich, daher freue ich mich ebenso wie du, wenn ich sie gebraucht kaufen kann oder in der Bücherei ausleihen.
Trotzdem muss ich an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass es für AutorInnen überlebensnotwendig ist, dass Menschen ihre Bücher zum regulären Preis neu kaufen. Zum einen fließt nur dann das Geld für unseren Lebensunterhalt, zum anderen haben Verlage kein Interesse daran, Bücher zu verlegen, die im Laden niemand kauft.

Freitag, 12. Januar 2018

Voller Elan ins neue Jahr

"Das Mätressenspiel" ist fix und fertig lektoriert und wandert beim Verlag bereits in die Herstellung. Ganz sicher wird es also bis zum Erscheinungstermin fertig. (29. Juni 2018)
Mit viel Freude an der Sache tauche ich nun völlig ins neue Projekt ein: ein weiterer historischer Roman, dessen Handlung im Jahr 1714 beginnt.


 

Montag, 2. Oktober 2017

Fragen an Martha, die elfte und letzte


Wie umfangreich und detailliert ein Exposé sein muss und ob eine Leseprobe dazugehört, ist von Verlag zu Verlag und von Fall zu Fall unterschiedlich. Manchmal hat ein Kurzexposé für die Entscheidung des Verlags genügt, in dem auf zwei Seiten die Hauptpersonen und der Handlungsverlauf grob zusammengefasst waren. In anderen Fällen brauchte der Verlag eine schon sehr weit ausgearbeitete Handlung plus Leseprobe. Ich bin natürlich immer froh, wenn wenig nötig ist, weil Exposés viel Arbeit machen, von der ich nie weiß, ob sie sich am Ende lohnen wird. Aber wie ich oben zu einer anderen Frage schon geschrieben habe: Ich weiß über die Handlung ohnehin schon viel, bevor ich einen Roman (in welcher Form auch immer) anbiete. Anderenfalls könnte ich dem Verlag nicht zusagen, dass er das Manuskript im ungefähr abgesprochenen Umfang zum festgelegten Zeitpunkt erhält.

Fragen an Martha, Nr. 9


Ich könnte nicht in jedem Fall erklären, warum mich bestimmte Umstände oder Personen faszinieren und inspirieren. Aber das Interesse und die Auseinandersetzung mit manchen Themen zieht sich bei mir, wie wohl bei jedem Menschen, durch Lebensphasen oder sogar das ganze Leben. Bei mir sind es z.B. das Verhältnis der Geschlechter und Frauenrechte, die mich immer besonders beschäftigt haben. Daher sehe ich mir bei der historischen Recherche automatisch genau an, welche Rolle die Frauen in welchen Zusammenhängen gespielt haben. Oft ergeben sich daraus schon Ideen, von denen ich weiß, dass sie mein Interesse für die lange Schreibzeit eines Romans fesseln werden. Aus Ungerechtigkeit entstehen Konflikte, wie wir alle nur zu gut wissen. Und Konflikte sind Nährstoff für den Roman. Das heißt: Eine Romanidee ist für mich nur tauglich, wenn die Situation, in die ich die Personen bringe, reichlich Konfliktpotential bietet. Wobei es sich sowohl um zwischenmenschliche Streitigkeiten oder den Kampf mit äußeren Umständen als auch um ganz private Gewissenskonflikte handeln kann.
Wenn ich eine Kernidee habe, von der ich glaube, dass etwas daraus werden könnte, lasse ich sie gären, sammle Material und plane dann schrittweise immer genauer die Handlung. Erst wenn ich herausgefunden habe, ob es in jedem Teil der Handlung eine spannende offene Frage gibt und ob der Ausgangskonflikt bis zum Ende bestehen bleibt oder durch einen anderen, ebenso starken abgelöst wird, schreibe ich das Exposé und biete den Roman an. Dann weiß ich sicher, dass ich den Roman wirklich schreiben kann – und auch, welchen Umfang er ungefähr haben wird. Natürlich bleibt trotzdem ungewiss, ob die Leser meine offenen Fragen so spannend finden wie ich. Wenn jemand ganz andere Lebensthemen hat, passt es natürlich auch mal nicht.

Sonntag, 1. Oktober 2017

Fragen an Martha, Nr. 7


Die Persönlichkeit der Figuren entwickelt sich zum Teil schon während ich den Roman plane. Wobei sich das Plotten des Handlungsverlaufs und die Entwicklung der Figuren bei mir nicht voneinander trennen lassen, sondern ineinandergreifen. Beides beeinflusst sich gegenseitig. Manchmal sehe ich Personen schon deutlich vor mir, bevor ich anfange zu schreiben. (Bei Alessa und Arthur war das so.) Vollständig und endgültig lege ich vor dem Schreiben aber weder Charaktere noch Handlung fest. Es wäre zu komplex, von so vielen Figuren schon über die ganze Spanne des Romans im Voraus wissen zu müssen, welche emotionalen Reaktionen und Verhaltensweisen sie in welcher Situation zeigen werden. Ich müsste mir dann so viele Notizen machen, dass sie die Textmasse des eigentlichen Romans möglicherweise übertreffen würden. Wenn ich während des Entstehens der ersten Manuskriptfassung herausgefunden habe, wer eine Person ganz genau ist, verstärke ich bei den Überarbeitungsdurchgängen die Charakterisierung.
Da ich zwar schon viel über die frühe Neuzeit wusste, aber noch keinen Roman geschrieben hatte, der im höfischen Milieu des Barock spielt, musste ich eine Menge neues Material sammeln. Zeitweise stapelten sich an die dreißig Bücher über Fürstenhöfe, Biographien, Theatergeschichte, die Erziehung junger Adliger, allgemeine Kulturgeschichte und Stadtgeschichte auf meinem zweiten Schreibtisch. Ich habe mich ausgiebig mit dem Herzoghaus Braunschweig-Lüneburg und seinen Mitgliedern befasst und auch beim Schreiben immer wieder nachgeschlagen, um den fiktive Handlungsrahmen ohne sichtbare Nähte in die historischen Tatsachen einzupassen. Der Vorteil dieser umfassenden Recherche war, dass ich gleich Anregungen und Wissen für den nächsten Roman gefunden habe, der inzwischen schon fertig geschrieben ist und ebenfalls bei Lübbe erscheinen wird. Und gerade habe ich eine neue Romanidee ausgearbeitet, mit der ich auch noch ungefähr in der gleichen Zeit bleibe.

Freitag, 29. September 2017

Fragen an Martha, Nr. 6


Bei einem historischen Roman sehe ich mir die Liste der historischen Persönlichkeiten an, die in der Geschichte auftreten oder erwähnt werden. Da ihre Namen feststehen, scheiden sie für die fiktiven Personen aus. (Ein Jammer, sonst hätte ich vielleicht eine andere der Frauen Zenobia genannt.) Auch zu große Ähnlichkeit im Klang oder im Schriftbild vermeide ich nach Möglichkeit.
Das nächste wichtige Kriterium ist, die historische Gebräuchlichkeit. Um Namen zu finden, die man damals schon verwendet hat, mache ich mir schon bei der Recherche Notizen und schreibe Namen von historischen Personen auf, (die erst mal nichts mit dem Roman zu tun haben.) Ein Namenslexikon ist natürlich auch nützlich.
Außerdem versuche ich, für die Hauptpersonen eher unkomplizierte Namen zu wählen, an denen man beim Lesen nicht hängen bleibt.
Dass der Name am Ende zur Figur passen muss, ist natürlich klar. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass das subjektiv empfunden wird. Was mir als passender Name erscheint, findet eine Leserin vielleicht eher befremdlich.

Donnerstag, 28. September 2017

Fragen an Martha, Nr. 3


Früher habe ich nur grob geplant und mit dem Schreiben angefangen, wenn ich den Anfang und das Ende wusste und eine vage Vorstellung von der Mitte hatte. Das hat Spaß gemacht und für jede Menge Überraschungen für mich selbst gesorgt, aber extrem viel Zeit bei den Überarbeitungen gekostet.
Mittlerweile nehme ich mir mehr Zeit für die Planung im Vorfeld und schreibe eine Outline, die schon recht genau den Handlungsverlauf und dazu passende Szenenideen enthält. (Das brauche ich auch für das Exposé, das der Verlag bekommt, um zu entscheiden, ob er den Roman verlegen will.)
Das klingt nun, als könnte ich anschließend den Roman fix herunterschreiben. Aber so ist es dann doch nicht, denn hier kommen die Überraschungen ins Spiel. Die Entwicklung der Figuren schon vor dem Schreibbeginn genau festzulegen, kann und mag ich nämlich nicht. Ich entdecke beim Schreiben, wie die Figuren sich entwickeln, wie sie von ihren Erlebnissen oder voneinander beeinflusst und verändert werden. Erst wenn ich weiß, wie es allen Figur in einer Szene emotional gerade geht, kann ich entscheiden, ob die Handlung wirklich so ablaufen kann, wie ich sie mir ganz zu Anfang vorgestellt hatte. Wenn ich etwas verändere, zieht das natürlich weitere Änderungen nach sich. Manchmal bringt mir auch die Recherche, die ich während des Schreibens weiterführe, eine neue Idee oder die Erkenntnis, dass ich mich in einer Sache geirrt habe. Dann baue ich die Handlung ebenfalls um.
Wenn ich die Handlung und Figurenentwicklung wirklich schon vor dem Schreiben ganz genau aufgezeichnet hätte, würde ich mich beim Schreiben langweilen.