Was erfährt man hier?

Neuigkeiten rund um meine Romane und Antworten auf Fragen, die mir häufig gestellt werden.

Dienstag, 8. Januar 2019

Lüneburger Autorinnen- und Autorensonntag



Die Lüneburger Buchhandlung am Markt hat sich etwas Schönes ausgedacht, und ich mache mit. Kommt doch auch vorbei!
»Lokale Literatur mal anders
Lüneburg ist ein sehr kreatives Pflaster. Gerade im Hinblick auf Literatur. Zahlreiche Autorinnen und Autoren leben hier, schreiben hier. Wir laden Sie ein, am Autorensonntag die Gesichter der Region und ihr Werk kennen zu lernen. Eine wunderbare Gelegenheit, die Vielfalt der heimischen Buchwelt zu erkunden und in gemütlicher Atmosphäre „unsere“ regionalen Autoren zu treffen.
Infos und Kontakt: Interessierte AutorInnen wenden sich bitte an Sylvia Anderle unter s.anderle@luenebuch.de oder Tel. 04131 754 74 21
Autoren im Gespräch: Sonntag, den 20. Januar 2019 um 11 Uhr
Verkaufsausstellung bis 23. März 2019
20.01.2019 - 11:00
Lünebuch, Bardowicker Str. 1
Eintritt frei«

Montag, 7. Januar 2019

Wissenskrümel zu "Salz und Asche"


Die Ursiedlung Lüneburg wurde an ihrem Standort errichtet, weil damals jemand hier eine salzige Quelle entdeckt hat. Der Sage nach waren es Jäger, die ein Wildschwein mit weißen Salzkristallen in seinen Borsten verfolgt haben. Die Salzsau hatte sich in einer Suhle gewälzt, die sich in der Nähe der Quelle befand. Später stellte sich heraus, dass es sich um einen großen unterirdischen Salzstock handelte, der im großen Stil ausgebeutet werden konnte. Salz war damals noch wesentlich kostbarer als heute (weil schwieriger zu gewinnen) und eine begehrte Handelsware. Lüneburgs große Vorteile waren außerdem die Nähe zur Ilmenau, einem kleinen Fluss, der zur großen Elbe führt, und damit eine gute Anbindung ans »Verkehrsnetz« gewährte, und der Kalkberg, der jahrhundertelang als Standort einer Festung diente, aber auch als Rohstoffquelle.
Die drei Faktoren »Berg« (Mons), »Brücke bzw. Fluss« (Pons) und  »Quelle« »Fons« finden sich auch im Lüneburger Stadtsiegel wieder.
So kam es, dass die Stadt im Mittelalter prachtvoll gedieh und zu einer wahren Metropole wurde. Damals gehörte Lüneburg zu den größten und reichsten deutschen Städten. Heute tritt unser Städtchen ein bisschen bescheidener auf.


Der »Papagoy«: Ja, die Leute haben tatsächlich im 17. Jh schon Papageien als Haustiere gehalten. Und mit menschenüblicher Grausamkeit haben sie möglicherweise auch zur Jahrmarktsunterhaltung auf sie geschossen. Es gab damals leider viele „Spiele“, die Tierquälerei einschlossen.
Das Gemälde „Der Papageienkäfig“ stammt von dem niederländischen Maler Jan Steen und ist um 1665 entstanden – nur zehn Jahre nach der Romanhandlung von „Salz und Asche“.


Was bedeutet der Titel »Salz und Asche«?
In ihrer Rezension zum Roman hat eine Leserin das wunderschön in Worte gefasst:
»Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Suche nach verschwundenen Kindern und die Aufklärung eines damit in Zusammenhang stehenden Verbrechens, das die Böttchertochter Susanne aus gutbürgerlichem Haus und den Schmiedegesellen Jan zusammenführt. Aber auch die Gegensätze von Wohlstand und Armut, Gesellschaft und Individuum, Wunschträumen und Realität, kurz Salz und Asche. Das Buch bietet ein schönes Sittengemälde von Lüneburg nach dem 30 jährigen Krieg, liebevoll gezeichnete Figuren, Spannung und die Romantik der ersten Liebe.«
Besser könnte ich es auch nicht sagen.


Das alte Lüneburg
Der Neuausgabe von »Salz und Asche« habe ich die Abbildung eines alten Stadtplans beigefügt, der zwar viel früher gezeichnet wurde als 1656, trotzdem aber einen guten Überblick über die Stadt gibt.
Die Karte stammt aus der Wikipedia, die Anmerkungen am Rand sind von mir.

"Salz und Asche" jetzt als E-Book kaufen bei Amazon oder einem Händler der Tolino-Allianz.

https://www.amazon.de/dp/B07L7DFK6F


Dienstag, 1. Januar 2019

Ach ja ...


MeWe: das neue Facebook?


Es gibt einige Gründe, warum Facebook schon seit längerer Zeit nicht mehr meine Lieblingsplattform ist. Leider gab es bisher kaum echte Alternativen. Jetzt gibt es MeWe, und das gefällt mir gut. Wie es sich wohl entwickeln wird? Ich bin jedenfalls seit Kurzem dort zu finden und freue mich, wenn ihr auch da seid und euch mit mir vernetzt. Über meine MeWe-Autorinnenseite erfahrt ihr meine Neuigkeiten noch etwas schneller als über diesen Blog.

https://mewe.com/p/marthasophiemarcus


Samstag, 29. Dezember 2018

Jetzt wieder als E-Book erhältlich: Salz und Asche


Im November fielen die Rechte meines Romans »Salz und Asche« an mich zurück. Die lange vergriffene Geschichte ist nun als E-Book-Neuausgabe wieder erhältlich. Ich habe den Text sprachlich etwas aktualisiert und mir viel Mühe gegeben, das E-Book hübsch hinzubekommen. Falls ihr also noch einen schönen historischen Schmöker für die nächsten Tage sucht ...

Lüneburg 1656: Die siebzehnjährige Susanne Büttner, Tochter eines angesehenen Salzfassmachers, führt seit dem Tod ihrer Mutter den Haushalt der Familie. Doch als in der Stadt ein Mord geschieht, gerät ihr Leben aus den Fugen. Gemeinsam mit ihrer heimlichen Liebe, dem Schmiedegesellen Jan, wird Susanne in die Aufklärung des Verbrechens und die Jagd nach einem Kinderhändler verwickelt. Gleichzeitig beginnt der reiche Patriziersohn Lenhardt Lossius, ihr den Hof zu machen.
Am Ende des schicksalsträchtigen Sommers muss Susanne sich entscheiden, ob sie ihrer Familie dienen und ihr Leben in den sicheren Grenzen des Althergebrachten verbringen will oder ob sie sich gegen die gesellschaftlichen Normen auflehnen und den Aufbruch in eine ungewisse Zukunft wagen wird.

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Jubiläumsgewinnspiel

Vor zehn Jahren habe ich meinen ersten Verlagsvertrag unterschrieben und bin Berufsschriftstellerin geworden. Dieses Jahr ist mein zehnter Roman erschienen, und weil das ohne meine lieben Leserinnen und Leser nicht möglich gewesen wäre, möchte ich mich hiermit endlich mal wieder bei allen von euch bedanken, die ich auf diesem Wege erreichen kann.
Zur Feier meines Jubiläums veranstalte ich ein kleines Gewinnspiel, zu dem ihr herzlich eingeladen seid.


 Um teilzunehmen, schickt mir bitte eine Email (martha@ms-marcus.de, Betreff: Gewinnen.) und schreibt mir euren Vor- und Nachnamen und den Titel meiner ersten beiden beim Goldmann Verlag erschienenen Romane. Nur die Gewinner erhalten eine Antwort, in der ich sie nach ihrer Postadresse frage. Gleich nach Erhalt der Adresse verschicke ich die Preise. Eure Emailadressen, Namen und Postadressen verwende ich ausschließlich für die Gewinnauslosung bei diesem Spiel und lösche sie danach. Einsendeschluss ist der 26.01.2019, 18 Uhr. Nach Abschluss des Spiels veröffentliche ich die Vornamen von denjenigen, denen das Losglück hold war. Wenn ihr teilnehmt, gehe ich davon aus, dass ihr alle Teilnahmebedingungen (siehe auch unten) gelesen habt und sie für euch so in Ordnung sind.
Hauptgewinne: zwei Päckchen mit jeweils einem Buch und handverlesenen Goodies. Zur Buchauswahl stehen den HauptgewinnerInnen die Romane »Das Mätressenspiel«, »Das blaue Medaillon« und »Das Gold der Mühle«.
Zweite Preise: drei Briefe mit je vier von meinen Lesezeichen und einem E-Book-Download von »Herrin wider Willen«, »Salz und Asche«, »Der Rabe und die Göttin« oder »Elsternseele und Rabenherz« nach Wahl.
Dritte Preise: sieben Briefe mit je vier Lesezeichen und einer kleinen Überraschung.
Wenn ihr das Gewinnspiel teilt oder Freunde taggt, die vielleicht auch mitmachen möchten, freue ich mich natürlich, aber ich setze es nicht voraus.
Ich wünsche euch viel Spaß und viel Glück!
 
Weitere Teilnahmebedingungen:
Wenn ihr noch nicht 18 seid, braucht ihr das Einverständnis eurer Eltern, um teilzunehmen. Der Gewinn ist nicht verhandelbar, umtauschbar, auszahlbar oder übertragbar. Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Instagram oder Facebook.

 2008

Martha 2008
2008 waren Marthas Kinder noch Kinder


Frohes Fest


Mittwoch, 19. Dezember 2018

Einblicke

Auf Anregung einer Leserin hin, habe ich mir über ein paar Fragen Gedanken gemacht, zu denen sie die Antworten gern auf meiner Webseite lesen würde. Hier sind zwei davon ...


In der achten Klasse hat uns schon einmal ein Lehrer diese Frage nach unseren Vorbildern gestellt. Die meisten meiner MitschülerInnen nannten bewundernswerte Berühmtheiten, die ich damals zum Teil noch überhaupt nicht kannte und die vermutlich alle irgendwo auf der Welt durch drei Meter hohe Denkmäler gewürdigt werden. Damals wie heute schüchtert mich die Vorstellung ein, solchen überragenden Menschen nachzueifern, weil ich mich dazu viel zu klein fühle. In der achten Klasse gab ich entsprechend ein wenig bockig zur Antwort, dass mir da nur meine ältere Schwester einfiele. Die hatte nämlich ihr Abi schon geschafft und bereits angefangen zu arbeiten. Allein das zu bewältigen erschien mir damals schwierig genug.
Bis heute fallen mir also keine großen berühmten Vorbilder ein, denen ich gleichen möchte. Grundsätzlich bewundere ich allerdings Menschen, denen ihr Schicksal böse Steine in den Weg legt und die ihren Alltag trotzdem meistern, ohne zu verbittern. Ich bin jeden Tag dankbar dafür, dass mich mein Schicksal schon seit längerer Zeit mit Gemeinheiten verschont. Falls es aber mal wieder hart käme, dann würde ich hoffen, dass ich so ein Mensch sein kann, der schafft, das Leben irgendwie weiter zu lieben, auch wenn es ihm übel mitspielt.
Auch in beruflicher Hinsicht zögere ich, wenn es um große Vorbilder geht, obwohl ich natürlich viele SchriftstellerInnen nennen kann, die ich großartig finde und die alle etwas Bestimmtes konnten oder können, was ich gern ebenso gut könnte. Margaret Atwood, Mark Twain, Astrid Lindgren, Toni Morrison, Diana Wynne Jones, John Irving, Jane Austen, die Bronte-Schwestern, George Eliot, Charles Dickens, Djuna Barnes, Maggie Stiefvater, Piers Antony, Larry McMurtry, Penelope Williamson … Wenn ich einmal damit anfange, nimmt die Liste gar kein Ende.


Tja, wie findet man in dieser sich wahnsinnig schnell drehenden Welt den Ausgleich zwischen Pflichtarbeit und Wunschleben? Schwierig. Die beste Antwort ist in meinem Fall: Indem ich verzichte. 
Ich verzichte auf Tätigkeiten, die mir nicht wirklich wichtig sind. Ich verzichte darauf, einen perfekt sauberen, ordentlichen, ausgestatteten, dekorierten Haushalt zu haben. Ich verzichte auf einen gepflegten Garten und ein gewaschenes Auto. Ich verzichte darauf, überall dabei sein zu wollen, wo »man hingehen muss«. Ich verzichte auf Shopping und damit auf all die neuen Gegenstände, die ich nur vielleicht und nur ein bisschen brauche.
Auf all das zu verzichten befreit mir Zeit, um neben der Arbeit gemütliche und ausgiebige Gespräche mit den mir wichtigsten Menschen zu führen, unnützen, aber lustvollen Quatsch zu machen oder, wie Astrid Lindgren es so schön gesagt hat: um einfach nur vor mich hin zu blicken.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine schöne restliche Vorweihnachtszeit.
Liebe Grüße,
Martha

Freitag, 7. Dezember 2018

Marthas Herbstprojekte


Der Herbst hätte dieses Jahr meine ruhige Zeit werden sollen, stattdessen waren die vergangenen Wochen voller wunderbar produktiver Tage. Oder anders ausgedrückt: Der Stress ließ kein bisschen nach. Aber das macht in diesem Fall nichts, weil das Ergebnis mir richtig gut gefällt.

Ich habe die E-Book-Neuausgabe von meinem erstmalig 2010 bei Goldmann erschienenen Roman »Salz und Asche« fertiggestellt (Sie kommt bald in den Handel), habe neue Flyer und zum ersten Mal Lesezeichen in Druck gegeben, was beides gut gelungen scheint (Wie findet ihr die Lesezeichen?), ich bin schon recht weit fortgeschritten mit der Renovierung meiner Webseite, habe gemeinsam mit meiner lieben Lektorin-Textredakteurin das Lektorat für »Lady Annes Geheimnis« fast vollständig durchgezogen und außerdem jede Menge Bild- und Posting-Material vorbereitet, mit dem ich euch in nächster Zeit beschießen werde. (Mein Gewinnspiel startet zwischen Weihnachten und Neujahr, wenn ihr die Gewinne der vielen Adventskalender usw. bereits eingeheimst und wieder Lust auf mehr habt).

Das Tollste zuletzt: Mein neues Romanprojekt hat vor ein paar Tagen den klugen Verlag gefunden, den ich mir dafür gewünscht habe. Es geht also weiter mit der Schriftstellerei, juhu ...
Ich wünsche euch allen noch eine wunderbare Vorweihnachtszeit!




Montag, 5. November 2018

Neu im Mai 2019: Lady Annes Geheimnis



Sommer 1714. Seit drei Jahren lebt Anne als Zofe am Hof des Kurfürsten Georg Ludwig in Hannover. Ihre Eltern haben sie zur Vertuschung einer unehelichen Schwangerschaft nach Deutschland verbannt und ihr das Kind weggenommen. Nichts will Anne mehr, als nach England zurückzukehren und ihren Sohn zu finden. Als Georg Ludwig zum englischen König ausgerufen wird und mit seinem Hof nach London zieht, bietet sich ihr die erhoffte Gelegenheit. Zugleich wird ihr Geheimnis für sie noch gefährlicher, denn der Vater ihres Kindes ist ein Jakobit und zählt damit zu Georgs erbittertsten Gegnern.

Freitag, 12. Oktober 2018

Von der Kunst, Ideen zu Romanen großzuziehen, Teil 2

In Teil 1 dieses Blogposts habe ich erzählt, wie gründlich ich eine Idee abtasten muss, bevor ich weiß, ob ich wirklich ein Konzept daraus machen und den Roman schreiben kann und will. In diesem Teil möchte ich euch ein paar von den Werkzeugen vorstellen, die mir von Anfang an bei dieser Arbeit helfen.
Eine Software, die ich erst seit kurzer Zeit verwende, aber nicht mehr missen möchte, ist »Aeon Timeline«. Mit dem Anlegen eines Zeitstrahls beginnt für mich schon während der Recherche die Arbeit an einem Roman. Gerade beim historischen Roman ist es für mich zwingend notwendig, herauszufinden und zu überblicken, welche Ereignisse, geschichtlichen Phasen und Lebensdaten wichtiger historischer Persönlichkeiten in den Zeitrahmen und die Gegend fallen, in denen ich meine Romanhandlung verankern möchte. In »Aeon Timeline« kann ich passend dazu auch die fiktiven Ereignisse meiner Geschichte und die Personen mit ihren Lebensdaten festhalten. Das Programm zeigt mir praktischerweise sogar, wie alt die eingetragenen Personen zu welchem Zeitpunkt sind. Allein aus der Beschäftigung mit den zeitlichen Zusammenhängen ergeben sich oft schon bedeutsame Elemente für die Handlung.
Im nächsten Schritt kann ich die Daten aus der Timeline automatisch in mein Schreibprogramm Scrivener übertragen lassen. Die beiden Programme arbeiten zusammen und synchronisieren die Daten auf Wunsch auch fortlaufend.



Früher (vor Aeon) habe ich die Timeline-Planung mit einem Programm für Tabellenkalkulation gemacht (Excel, Open Office Calc, Planmaker). Das fällt nun weg. Nur an einer Tabelle halte ich fest: dem Überblick über das Alter der mitspielenden Personen. Auf einen Blick sehen zu können, wie alt meine Charaktere in einem bestimmten Jahr waren, ist oft hilfreich.



Um den eigentlichen Plot des Romans zu entwickeln, mir Zusammenhänge, Ereignisse oder Konflikte vor Augen zu führen oder einfach nur wild Ideen zu sammeln, lege ich Mindmaps an. Gelegentlich mache ich das zwischen Tür und Angel mit Papier und Stift, oft aber am Computer. Ein extrem einfaches und schnelles Programm dafür ist Scapple. Auch Scapple arbeitet reibungslos mit Scrivener zusammen. Einträge lassen sich ganz einfach von einem Programm ins andere ziehen und wieder zurück.



Scrivener ist der Dreh- und Angelpunkt für meine Arbeit am Roman. Hier schreibe ich nicht nur die Textabschnitte des Manuskripts, sondern sammle auch die nötigen Hintergrundinformationen. (Recherchematerial, Steckbriefe der Figuren, Orte und Gegenstände, Links zu den Mindmaps, Timeline-Daten und Notizen.)



Erst ganz zum Schluss verlässt mein fast fertiges Manuskript Scrivener als Word-Dokument, das ich mit Papyrus und dem dort integrierten Duden-Korrektor noch einmal auf Rechtschreib- und Grammatikfehler durchgehe. Papyrus Autor ist übrigens ebenfalls eine tolle Autorensoftware, deren jüngste Version ähnliche Funktionen hat wie Scrivener + Scapple + Aeon Timeline. Viele AutorInnen finden darin schon alles, was sie brauchen. Ich selbst mag allerdings die Papyrus-Timeline und -Figuren-Datenbank nicht so gern wie meine Kombination aus Scrivener und Aeon. Wenn ich zwischendurch kürzere Texte schreibe, nutze ich Papyrus aber gern.

Falls dieser Beitrag Euch für eins der Programme interessiert hat, ist er wohl so etwas wie Werbung. Mich hat trotzdem niemand zu diesem Beitrag aufgefordert oder mich gar dafür bezahlt.

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Von der Kunst, Ideen zu Romanen großzuziehen, Teil 1


 

Was ist eine gute Idee?
Im letzten Blogpost habe ich leichthin geschrieben, dass ich gerade zwei Exposés abgegeben hätte. Das klingt, als hätte ich diese Romankonzepte innerhalb von einer Woche erfunden und formuliert. So ist es nicht. Beide Ideen für historische Romane trage ich schon lange mit mir herum. Und wie immer habe ich viel recherchiert, bevor ich auch nur die grobe Handlung für die Geschichten entworfen habe.
Einfach irgendwelche Ideen für Geschichten zu haben, ist leicht. Ich nehme an, dass beinah jedem Menschen in seinem Leben mal der Gedanke durch den Sinn schießt: »Wow, das wäre jetzt eine Idee für ein Buch.« Doch wenn es daran geht, den Roman zu schreiben, passiert es häufig, dass die Idee ihren Glanz verliert. Dafür kann es viele Gründe geben. Manchmal war die Idee einfach zu klein, um für eine lange Geschichte genug Interesse und Spannung zu erzeugen, oder zu beliebig. Oder beim Recherchieren stellt sich heraus, dass die Wirklichkeit (Naturgesetze, historische Ereignisse, Georgraphie, Architektur und Stadtplan …) die Grundannahmen der Idee zerstört. (Wenn zum Beispiel meine Idee darauf beruhte, dass meine Heldin 1650 im norddeutschen Urwald eine Herde Auerochsen zusammentreibt, und die Recherche ergibt, dass Auerochsen in Norddeutschland schon lange vor 1630 ausgestorben waren.)
Das allerwichtigste für meine Romanideen ist allerdings, dass sie aus meiner Persönlichkeit entspringen (meiner Gefühlslage und Neugier, meinen Überzeugungen und Interessen). Nur wenn ich eine persönliche Bindung zu einer Geschichte fühle und sie wirklich dringend erzählen will, kann ich meiner Muse abverlangen, dass sie mit mir zusammenarbeitet und monatelang dranbleibt, bis die ganze lange Schreibzeit überstanden ist. Meine Begeisterung für Aspekte, Themen oder Personen der Geschichte ist die einzige Quelle, aus der genug Energie entspringt, um ein Manuskript diszipliniert zu Ende zu bringen.
Wenn ich also das Konzept für einen Roman entwickle, stelle ich mir all diese Fragen: Ist die Idee groß genug? Stützt die Faktenlage die Grundvoraussetzungen der Idee, oder gibt es eine für mich akzeptable, schlüssige Art, die Wirklichkeit erzählerisch zu »verwandeln« (oder neu zu »erzeugen«, wenn es um Phantastik geht)? Wie gestalte ich die Idee so, dass meine eigene Begeisterung mich sogar über die unvermeidlichen kreativen Durststrecken des Schreibprozesses hinwegträgt?
Vor allem, um die letzte Frage zu beantworten, muss ich mich nicht nur mit dem Konzept auseinandersetzen, sondern auch mit mir selbst. Welche meiner augenblicklichen Interessen sind Strohfeuer? Welche erlöschen nie, weil sie von meinen großen Lebensthemen genährt werden? Für welche der verknüpften Themen kann ich mich wenigstens genug erwärmen, um sie nebenbei mit zu verarbeiten, obwohl sie mich weniger interessieren?
Dazu habe ich gerade in einem Beitrag auf der »Writer’s Digest«-Webseite eine schöne Aussage von einem amerikanischen Autor namens Robert Crais gelesen:
»Why write about anything if you’re not going to write about something you’re passionate about, characters who you’re fascinated by, a world in which you want to be in, even if it’s only for a short period of time? That passion is the engine that has to fire the whole thing, drive the whole experience.«
Das ist sehr wahr, und diesen Umstand nicht zu beachten, kann zu vielen leidvollen Stunden am Schreibtisch und ernsten Begegnungen mit dem berüchtigten »Writer’s Block« führen. Also an alle, die ebenfalls schreiben: Viel Glück bei der Themenwahl!


Sonntag, 7. Oktober 2018

Und endlich Urlaub


Am Freitag vor einer Woche habe ich mein jüngstes Manuskript abgegeben. Zum zweiten Mal in meiner nun zehnjährigen Zusammenarbeit mit Verlagen stand ich bei diesem Roman so unter Zeitdruck, dass ich mir geschworen habe, mich nie wieder auf eine Deadline einzulassen, von der ich eigentlich von Anfang an weiß, dass sie zu knapp ist. Mal sehen, ob ich es schaffe, mich daran zu halten. Was mich natürlich trotzdem nicht davor schützen würde, dass auch die angemessenere Schreibzeit nicht ausreicht, weil unvorhergesehene Dinge im Leben oder im Romanplot geschehen.
Bei dem historischen Roman, den ich gerade zu Ende gebracht habe, stand ich vor dem Problem, dass die Geschichte sich gern breiter entfalten wollte, als der mit dem Verlag vereinbarte Umfang gestattete. Ich hatte deshalb meine liebe Mühe, den Erzählfluss in seinem engen Kanalbett zu halten. Das liegt daran, dass sowohl die Nebenfiguren als auch der Haupthandlungsort für mich so interessant waren, dass ich ihnen gern viel mehr Raum gegeben hätte. Der größte Teil des Romans spielt nämlich im London des frühen 18. Jahrhunderts, und London war auch damals schon faszinierend. Was das Personal der Geschichte betrifft, reicht die Spannweite vom König bis zum Straßenmädchen. Und dann spielen auch noch schottische Rebellen mit ... Ihr versteht also sicher mein Dilemma.


Zehn Monate habe ich ab Vertragsunterzeichnung und Schreibstart gebraucht, 12 hatte ich ursprünglich veranschlagt. Es in der kürzeren Zeit zu schaffen, hat mich in ungesundem Ausmaß an den Schreibtisch gefesselt und zwischenzeitlich nah an den Rand der Verzweiflung gebracht. Aber nun ist es getan, und ich glaube, es ist eine richtig schöne Geschichte geworden. Sobald der Verlag mir Titel, Cover und Klappentext freigibt, werde ich mehr verraten.
Bis zur Veröffentlichung dauert es wie immer noch eine Weile (irgendwann in 2019). Vorher muss meine (Verlags-)Lektorin das Manuskript erst einmal lesen, dann schreitet meine (Textredaktions-) Lektorin zur Tat, dann bin ich wieder an der Reihe und gehe die Änderungsvorschläge im lektorierten Manuskript durch, anschließend folgen Korrektorat und Drucksatz, später lese ich dann noch die Druckfahnen.
Aber im kommenden Monat werde ich damit vorerst nichts zu tun haben. Nachdem ich in der vergangenen Woche zwei Exposés für verlockende neue Romanideen fertiggeschrieben und an meinen Agenten geschickt habe, stehen im restlichen Oktober vor allem zwei Projekte auf meinem Plan: Erstens kümmere ich mich um meine eigene E-Book- und Print-Neuausgabe von meinem Roman-Zweitling „Salz und Asche“, für den ich Ende des Jahres die Rechte zurückerhalte. Und zweitens mache ich mit meinem Liebsten endlich eine gute Woche Urlaub und gehe ausgiebig Bogenschießen.
Im November/Dezember würde ich dann gern mein zehnjähriges Schriftstellerinnendasein mit einem schönen Gewinnspiel feiern, an dem ihr hoffentlich Spaß haben werdet. In Gedanken packe ich schon die Gewinnpäckchen.
Bis dahin wünsche ich euch allen schon mal einen schönen Herbst!
Martha


Samstag, 8. September 2018

Kleine Zwischenmeldung

Seit Wochen geht es bei mir nur darum, mein neues Manuskript rechtzeitig bis Ende September fertigzustellen. Gestern habe ich immerhin die letzten Seiten der Rohfassung eingegeben. (Auf den Bildern seht ihr die letzten Kapitel, die ich zuerst handschriftlich verfasst hatte.) Nun geht es ans Überarbeiten. Da ist noch viel zu tun ...



Montag, 2. Juli 2018

Die Herrenhäuser Gärten

 "Das Mätressenspiel" erzählt auch ein wenig von der Entstehungsgeschichte der weltberühmten Herrenhäuser Barockgärten in Hannover. Am letzten Wochenende habe ich der wunderschönen Parkanlage mal wieder einen Besuch abgestattet. Hier ein paar Bilder.

Blick vom Schloss bzw. der begehbaren Kaskade auf das "Parterre"


Die begehbare Kaskade. Heute plätschert sie jederzeit,
im 17. Jahrhundert war das noch nicht so selbstverständlich


Blick vom Garten aus auf das Schloss



Die Probleme eines Irrgartengärtners ...

Um 2000 gestaltete die Künstlerin Niki de Saint Phalle die zum Garten
 gehörende "Grotte" neu (und sehr farbenprächtig)

Das Denkmal für Herzogin/Kurfürstin Sophie, die Mitschöpferin der Gartenanlage


Herzogin Sophie war eine äußerst gebildete Frau

Die berühmte Herrenhäuser Gartenbühne

Die Orangerie mit ihren Orangen- und Zitronenbäumchen

Freitag, 29. Juni 2018

Das Mätressenspiel: Jetzt im Handel





Heute ist der offizielle Erscheinungstermin von "Das Mätressenspiel", und endlich kamen auch meine Belegexemplare an.

Inzwischen haben schon viele der Vorableserinnen dem Buch und mir wunderbar liebevolle und sorgfältige,  Rezensionen geschrieben, die ihr unter anderem hier auf der Seite des Lübbe Verlags/der Lesejury nachlesen könnt. Danke für eure Mühe und euer Lob, liebe Leserundenteilnehmerinnen!


An dieser Stelle möchte ich einmal allen RezensentInnen von Herzen danken, die sich schon die Mühe gemacht haben oder sich noch die Mühe machen werden, einem meiner Bücher (oder auch denen anderer AutorInnen) ein Zeugnis zu schreiben! Ihr helft auf diese Weise dabei, Bücher auch für andere LeserInnen sichtbar zu machen. Das ist für uns von der schreibenden Zunft sehr wichtig.



Mittwoch, 27. Juni 2018

Fragen an die Autorin

Die Vorableserunde zu "Das Mätressenspiel" ist nun zu Ende. Der Austausch mit den vielen netten Teilnehmerinnen hat mir viel Freude gemacht, und nun darf ich mich weiter darüber freuen, wie sorgfältig und liebevoll sie ihre Rezensionen verfassen. Wer neugierig ist, kann sie hier auf der Seite des Lübbe Verlags/der Lesejury nachlesen.
Die Fragen, die die Leserundenteilnehmerinnen mir gestellt haben, und meine Antworten darauf, trage ich hier noch einmal für euch zusammen.


Ich bin die Tochter einer leidenschaftlichen Gärtnerin. Meine Mutter lebt nun leider schon seit über zehn Jahren nicht mehr, aber in meinen Erinnerungen sehe ich sie meistens im Garten oder zumindest draußen in der Natur. Ohne den Beruf der Gärtnerin erlernt zu haben, hatte sie sich ein gewaltiges Wissen zu jedem Bereich der Gartengestaltung angeeignet – sei es zu exotischen Zierpflanzen, dem Gemüsenutzgarten, die Obstbaumpflege oder auch der ökologischen Pflanzenvergesellschaftung. Und dieses Wissen hat sie unermüdlich umgesetzt. Dabei folgte sie übrigens den Fußstapfen ihrer Eltern, denn auch meine Großeltern liebten ihren eigenen riesigen Garten.
Schon meine Kindheit war daher vom Gartenthema geprägt, und ich empfinde das als wunderbare Erinnerung. Während ich im Garten spielte, war meine Mutter dort mit Spaten, Hacke oder Schere beschäftigt und kam gelegentlich zu mir (und den Schildkröten) herüber, um uns mit gerade reif gewordenen Erdbeeren oder Tomaten zu füttern.
Ich war vielleicht zehn Jahre alt, als meine Mutter und meine Oma mit meiner Schwester und mir zum ersten Mal nach Hannover in die Herrenhäuser Gärten fuhren. Und ganz gleich, ob einem die sehr spezielle, strenge Barock-Gartenkunst persönlich liegt oder nicht – der Faszination eines gepflegten Barockgartens kann sich wohl kaum jemand entziehen. Ich war jedenfalls schon damals gebannt davon, wie in diesem Park eine Art prunkvolles lebendes Gemälde aus Pflanzen geschaffen und erhalten wurde.
Es folgte noch einige Besuche dort mit meiner Familie, bei denen mir dann irgendwann auch die Statue von Herzogin Sophie, der maßgeblichen Schöpferin der Anlage, auffiel. Während des Studiums lag nicht nur eines meiner Vorlesungsgebäude an den Herrenhäuser Gärten, sondern auch mein Weg in die Stadt führte direkt dort vorbei. Und weil der Eintritt damals frei war, saß ich oft mit einem Buch in einem der ruhigen Winkel der Anlage. Dass ich später, als ich mich aus einer anderen Recherche-Richtung der Geschichte des Herzoghauses von Hannover näherte, wieder auf diesen Garten zurückkam, lag nahe.
Meinen eigenen Garten liebe ich übrigens auch sehr. Da ich aber niemals genug Zeit hätte, um so viel aus ihm zu machen, wie meine Mutter oder meine Oma es getan hätten, lasse ich ihn weitgehend wild wachsen und genieße einfach alles, was freiwillig gedeiht.


Wie lange schreibe ich schon?
Ich schreibe, seit ich es in der Grundschule gelernt habe. In den ersten zwanzig Jahren habe ich mich dabei auf Kurztexte und ausufernde Tagebücher beschränkt und nur äußerst selten jemandem etwas davon gezeigt. Bis zum Ende meines Studiums hatte ich nie die Absicht, professionell zu veröffentlichen, obwohl ich mich immer mit Literatur, Sprache und dem Schreibprozess auseinandergesetzt und extrem viel gelesen habe. Während des Studiums (Germanistik/Literaturwissenschaft, Soziologie und Pädagogik) dachte ich noch, ich würde auf der »Verwerterseite« enden und einen Job in der Verlagsbranche annehmen, was meine Sterne dann anders entschieden.

Wann stand für mich fest, dass ich ein Buch schreiben will?
Schon im Studium habe ich davon geträumt, eines Tages einen Roman zu schreiben, doch die Richtung war mir noch völlig unklar. Nach dem Studium hatte ich dann erst mal ein paar Jahre mit meinen kleinen Kindern zu tun, und für geistig-schöpferische Arbeit gab es wenig Gelegenheit. Gelesen habe ich in dieser Zeit aber auch sehr viel. Und irgendwann brauchten die Kinder dann meine Aufmerksamkeit weniger. Ich sah meine Chance, hatte inzwischen herausgefunden, welche Art von Belletristik mir am meisten liegt, und schrieb meinen ersten Roman. Den ich übrigens aus guten Gründen nie zur Veröffentlichung angeboten habe. Dann schrieb ich den zweiten, für den dasselbe gilt. Erst danach hatte ich den Bogen heraus und schrieb den dritten (»Der Rabe und die Göttin«), für den sich kein Verlag fand, weil das Thema angeblich nicht verkäuflich war. (Später wurde er doch noch veröffentlicht und hat sich ausgezeichnet verkauft.) Mein vierter Roman (»Herrin wider Willen«) war der erste, der veröffentlicht wurde. Was ich damit sagen möchte: Schreiben ist toll, lass dir den Spaß daran niemals nehmen. Auf eine Veröffentlichung hinzuarbeiten, erfordert hingegen eine Menge Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen.

Wie finde ich die Motivation zum Schreiben?
Meine Motivation liegt vor allem in den Themen und Personen meiner Geschichten. Wenn ich am Anfang der Planungsphase überzeugende Figuren geschaffen habe, die authentisch wirkende Hindernisse überwinden müssen, bin ich selbst gespannt darauf, wie es mit ihnen weitergeht und wie es mir gelingen wird, das zu erzählen. Im historischen Roman kommt hinzu, dass ich mein eigenes Interesse für eine Epoche oder ein geschichtliches Thema in eine Form gießen möchte, die auch für andere interessant und unterhaltsam ist, die sich sonst nicht viel mit Geschichte beschäftigen. Jedes Mal, wenn ich bei meinen Recherchen auf etwas stoße, was mein Interesse weckt, überlege ich gleich, wie sich das in einem Roman darstellen ließe.
Trotzdem gab es bisher bei jedem meiner Romane im Laufe der langen Zeit (etwa ein Jahr), die ich daran arbeite, Motivationsflauten. Da brauche ich dann etwas, ohne das man als Berufsautorin nicht existieren kann: eiserne Disziplin, die mich trotzdem jeden Morgen an den Schreibtisch zwingt.
Wenn es dir mit der Frage eher darum ging, wie du als noch experimentierende Autorin Themen und Anlässe zum Schreiben findest, dann rate ich dir, zu einem Buch mit Schreibanregungen zu greifen.


Ich habe schon als Jugendliche nicht nur aktuelle Bücher gelesen, sondern auch alte und sehr alte, und im Studium setzte sich das fort. Wenn ich für eine bestimmte Zeit recherchiere, stoße ich außerdem häufig auf Quelltexte wie Briefe, Tagebücher und Urkunden, aus denen sich zumindest die Schriftsprache der Epoche entnehmen lässt. Für »Das Mätressenspiel« habe ich unter anderem die »Briefe der Herzogin von Orléans. Lieselotte von der Pfalz« gelesen, von denen sich viele an ihre Tante Herzogin Sophie richten, und die Memoiren der Herzogin selbst. (»Memoiren 1639-1680. Sophie von Hannover«).
Nun ist es allerdings trotzdem nicht so, dass die Sprache im Roman wirklich der entspricht, die damals gesprochen wurde, denn die wäre für moderne LeserInnen eine Zumutung. Sogar das damalige Deutsch würden wir kaum noch verstehen, geschweige denn das alte Französisch oder zum Teil gar noch Latein, das im höfischen Umfeld oft die Umgangssprache war. Ich muss als Autorin also eine neue Sprache erfinden, die dennoch die alte widerspiegelt. Wenn mir das gelungen ist, freut es mich sehr.


Oh, ja, ich lese mit Begeisterung kreuz und quer. Nur Krimis mag ich nicht besonders, da lasse ich mich nur auf besondere Empfehlungen ein. Aber mit Fantasy zum Beispiel kann ich mich wunderbar entspannen, und ich würde unheimlich gern eines Tages noch einmal etwas in diesem Genre schreiben.
Es gibt wahnsinnig viele Bücher, die ich liebe – unmöglich, sie hier alle aufzuzählen. Aber am häufigsten wiedergelesen habe ich Twains Tom Sawyer, Lindgrens Die Brüder Löwenherz, Tolkiens Der Herr der Ringe & Der kleine Hobbit, Irvings Das Hotel New Hampshire, Harper Lees To kill a Mockingbird, Sara Donatis Im Herzen der Wildnis (im Englischen eine mehrbändige historische Saga, die leider nie vollständig übersetzt wurde, so weit ich weiß), Penelope Williamsons Westwärts, Niffeneggers Die Frau des Zeitreisenden, Diana Wynne Jones’ Chrestomanci-Geschichten, die Romane von George Eliot, Jane Austen und den Brontë-Schwestern … Wow, sogar das werden zu viele zum Aufzählen.
Mein Suchtmittel ist Tee. (Was für ein Glück, denn der gesundheitliche Schaden von Teekonsum hält sich in Grenzen ;-) ) Ich trinke am Tag literweise meist grünen Tee. Auf meinem Schreibtisch steht buchstäblich immer eine Thermoskanne Tee, und der Griff zur Tasse ist eindeutig eine Suchthandlung, die nichts mit Durst zu tun hat. Neuen Tee kochen zu müssen ist eine typische und immer willkommene Unterbrechung der Arbeit.
Eine zweite Sucht ist Stille. Ich brauche bei der Arbeit Ruhe. Zur Not setze ich sogar einen Gehörschutz auf, wenn zu viele Nachbarn ihre höllischen Gartenmaschinen in Betrieb nehmen.
Ach ja, und gegen Schokolade habe ich auch überhaupt nichts einzuwenden. Die brauche ich nicht ständig, aber gerade bei der Textüberarbeitung, dem Druckfahnenlesen und der Steuererklärung ist sie ein wertvolles Hilfsmittel. Am besten funktionieren bei mir karamellverstärkte Varianten. Schoko-Pfefferminztaler gehen auch. Beim gewöhnlichen Schreiben genügt ein Schälchen mit Studentenfutter.


Mit meinem neuen Romanprojekt verfolge ich das Schicksal der hannoverschen Herzogsfamilie nach einem Zeitsprung von gut dreißig Jahren weiter. Erneut lebt eine (fiktive) junge Frau im höfischen Gefüge, die gewaltige persönliche Probleme zu lösen hat. In dieser Zeit siedelt der hannoversche Hof übrigens nach London um. Mehr sage ich mal nicht. ;-)
Um eine Fortsetzung von »Das Mätressenspiel« handelt es sich aber nicht, sondern um eine ganz neue Geschichte.

Und: Ja, ich schreibe gern und oft von Hand vor. Nur dann nicht, wenn ich stark unter Zeitdruck stehe. Zum einen empfinde ich Handschrift als meditativ und schon an sich befriedigend, zum anderen scheint meine Kreativität leichter zu fließen, wenn die Hand auf die Art mithelfen darf. Tippen ist für mich nicht dasselbe (funktioniert zur Not aber auch direkt). Außerdem sind Papier und Stift ablenkungsfreier als der Computer mit seinen Trillionen von Möglichkeiten. Und ich kann mit Papier leichter im Garten arbeiten, was ich bei passendem Wetter häufig mache. Mit einem Notebook-Bildschirm kommen meine Augen draußen, gerade bei Sonnenlicht, nicht so gut zurecht.
Wenn ich meine Handschrift abtippe (blind und mit zehn Fingern, geht also relativ schnell), überarbeite ich den Text dann schon das erste Mal grob.


Die Frage »Wie lange hat es gedauert?« lässt sich nicht so leicht beantworten, da ich mit der Recherche für »Das Mätressenspiel« nicht bei Null angefangen habe. Allgemeines Wissen über die Epoche habe ich mir schon für den Vorgängerroman (Das blaue Medaillon) angeeignet und es stetig erweitert. Das heißt, Informationen über die kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Epoche, über den Kleidungs-, Einrichtungs-, Bau-, Musik- und Kunststil, die Ernährung, die Landwirtschaft, die Gartenkunst usw. hatte ich schon seit etwa zwei Jahren zusammengetragen, bevor ich mit der konkreten Arbeit am Roman begann. Dann habe ich etwa zwei Monate lang die genauen Einzelheiten über die Herzogsfamilie und andere eventuell vorkommende historische Persönlichkeiten, sowie die räumlichen Gegebenheiten recherchiert. Während des Schreibens hört die Recherchearbeit bei mir dann auch nicht auf, weil ich immer wieder auf Sachverhalte stoße, die mir doch noch nicht klar genug sind, sodass ich wieder nachlesen muss.
Nur ein Bruchteil des recherchierten Materials wird übrigens am Ende für LeserInnen im Roman sichtbar. Trotzdem muss ich alles erst einmal zusammentragen, um entscheiden zu können, was direkt einfließen soll. Der absolute Löwenanteil der Recherche ist das Lesen von Sach- und Fachtexten. Museumsbesuche helfen auch. Reisen an Handlungsorte sind hingegen zwar schön, steuern aber bei historischen Romanen meist nur einen geringen Nutzen bei, weil es fast nirgends auch nur annähernd heute noch so aussieht wie damals. Der berühmte Barockgarten von Herrenhausen ist da auch keine echte Ausnahme, denn er sieht heute ebenfalls nicht mehr aus wie 1682. Er wurde im Krieg ebenso wie das Schloss zerstört und dann neu angelegt. Das Schloss wurde erst vor wenigen Jahren nachgebaut.
Zum Thema Recherche habe ich auf meiner Webseite schon einmal einen ausführlichen bebilderten Beitrag gepostet, der dich vielleicht auch interessiert. Er befindet sich in der Rubrik »Wer-Wie-Was?« unter »Extras«.


Mein erster historischer Roman spielte in der Wikingerzeit, weil mich die nordische Sagen- und Mythenwelt und die Schiffe der Wikinger faszinierten. Verlagsseitig war man damals aber der Ansicht, dass Leser mein Interesse an dieser Zeit nicht teilen. Stattdessen wäre das christliche Mittelalter gefragt. Deshalb habe ich darüber nachgedacht, ob mich am Mittelalter etwas ebenso fesselt wie an der Wikingerzeit, und kam durch verschiedene Zufälle zwar nicht auf das Mittelalter, aber auf die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs. In Verbindung mit der Historie der Stadt und des Landes Lüneburg (wo ich lebe) fand ich darin die Grundlage für die nächsten Geschichten, die ich erzählen wollte. Und von da an führte immer die Recherche für den einen Roman zur Idee für den nächsten. Das Herzoghaus von Hannover, um das es in »Das Mätressenspiel« geht, hat seine Wurzeln übrigens auch im Braunschweig-Lüneburgischen. Hinzu kommt in diesem Fall, dass ich ursprünglich aus der hannoverschen Gegend stamme, und deshalb neugierig war, wie es dort zu gewissen Entwicklungen kam. Und die Herzogsfamilie hat mich beschäftigt, weil ich einige der Frauenschicksale dieses Hauses besonders spannend und aufwühlend fand.


Dass du mit deinen sechzehn Jahren noch nicht viele Bücher neu kaufst, liegt ja sicher auch an deinem vermutlich nicht so üppigen Einkommen. Meiner Erfahrung nach ändert sich das ein wenig, wenn man in dieser Hinsicht weniger eingeschränkt ist.
Was mich angeht, nutze ich jede erdenkliche Methode, um an Bücher zu gelangen, außer den Download von Raubkopien. Viele der Sach- und Fachbücher, die ich für meine Arbeit benötige, sind neu gar nicht mehr erhältlich oder für mich unerschwinglich, daher freue ich mich ebenso wie du, wenn ich sie gebraucht kaufen kann oder in der Bücherei ausleihen.
Trotzdem muss ich an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass es für AutorInnen überlebensnotwendig ist, dass Menschen ihre Bücher zum regulären Preis neu kaufen. Zum einen fließt nur dann das Geld für unseren Lebensunterhalt, zum anderen haben Verlage kein Interesse daran, Bücher zu verlegen, die im Laden niemand kauft.