Was erfährt man hier?

Neuigkeiten rund um meine Romane und Antworten auf Fragen, die mir häufig gestellt werden.

Freitag, 29. Mai 2020

Marthas Recherche im Mai


Wenn man sich heute mit der Lage der Frauen im Deutschland des 19. Jh. beschäftigt, stößt man bald auf den Namen Louise Otto-Peters (1819- 1895). Sie wurde mit 16 Jahren Vollwaise und bewohnte anschließend das elterliche Haus in Meißen mit ihren zwei älteren Schwestern und ihrer Tante zusammen. Unter dem Pseudonym »Otto Stern« schrieb und veröffentlichte sie schon früh sozialkritische Texte, in denen sie sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Arbeitern und besonders auch für die Rechte der Arbeiterfrauen einsetzte. Ihr Engagement weitete sich aus, und 1865 gründete sie schließlich mit einigen anderen starken Frauen zusammen den Allgemeinen Deutschen Frauenverein (ADF). Der Verein wirkte maßgeblich daran mit, dass nach langen, beharrlichen Kämpfen in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt wurde.
Auf dem Bild seht ihr noch einige andere frühe Aktivistinnen der Frauenbewegung: Neben Louise Otto-Peters auch Marie Loeper-Housselle, Luise Büchner, Mathilde Weber, Auguste Schmidt, Bertha von Marenholtz-Bülow, Henriette Goldschmidt, Helene Lange, Lina Morgenstern, Marie Calm und Anna Schepeler-Lette. (Mein heutiger Beitrag zu: Vergesst nicht diejenigen, auf deren Schultern wir stehen)


Wer sich weitergehend mit der Geschichte des Frauenwahlrechts in Deutschland beschäftigen möchte, dem empfehle ich folgendes Buch: "Frauenwahlrecht. Demokratisierung der Demokratie in Deutschland und Europa" herausgegeben von Hedwig Richter und Kerstin Wolff. Es ist zur Zeit auch als günstige Sonderausgabe von der Bundeszentrale für politische Bildung erhältlich.

 

Mittwoch, 13. Mai 2020

Nach dem Nachwort ...


Mein Nachwort zum neuen Roman ist fertig, und auch das Glossar ist vorbereitet.
Obwohl ich mich beim Schreiben meiner Romane bemühe, sparsam mit sperrigen Wörtern umzugehen, gibt es doch immer einige ungewöhnlicher Begriffe, die ich ganz bewusst aufnehme. Denn Sprache spielt eine Rolle, wenn eine Epoche oder ein Handlungsort im historischen Roman plastisch dargestellt werden soll. Zwar kann man Romanfiguren nicht ganz so sprechen lassen, wie sie es damals wirklich getan hätten, weil wir sie sonst kaum verstehen würden, aber ohne ein paar Andeutungen würde dem Gesamtbild etwas fehlen. Die deutsche Sprache wurde im Laufe der Jahrhunderte stark durch internationale Einflüsse geprägt und immer wieder verändert. So ist z. B. das Mittelalter nicht ohne Latein vorstellbar, die Barockzeit nicht ohne Italienisch und Französisch, die Zeit der Industrialisierung nicht ohne Englisch. Und unsere alten Dialekte, die sich regional immens unterschieden und noch immer unterscheiden, waren in der Vergangenheit überall viel häufiger zu hören und haben sich in einzelnen Begriffen ebenfalls dem »Hochdeutschen« eingeprägt. Außerdem sind da auch noch die Bezeichnungen für Gegenstände, Berufe oder Umstände, die es heute so gar nicht mehr oder nur selten gibt. Wer weiß heute schon noch, was »Diechlinge« sind? Im Mittelalter wussten hingegen wahrscheinlich die meisten Leute, dass damit der Beinschutz der Ritterrüstung gemeint ist.



Zu Nachwort und Glossar gesellt sich dann noch die Liste der im Roman auftretenden Personen.
Ich schreibe mein Manuskript mit Scrivener, wo ich ohne viel Aufwand ein Dokument im selben Projekt anlegen kann, das ich »Weitere Personen« nenne. Jedes Mal, wenn ich in der entstehenden Geschichte eine Person einführe, die ich nicht von Anfang an geplant hatte, kopiere ich ihren Namen sofort in dieses Dokument und schreibe einen kurzen Kommentar dazu, um wen es sich handelt. So finde ich später auch die Namen von »Statisten« mühelos wieder, wenn ich sie noch einmal brauche, ohne lange im Text danach suchen zu müssen. Und am Ende habe ich schon eine schöne Grundlage für die Personenliste, die dann auch im Buch abgedruckt wird. Auf dieser Liste steht allerdings nicht jede Figur, die vielleicht irgendwo in einem Halbsatz erwähnt wurde. Wenn es bei einem einzelnen, wenig bedeutenden Auftritt geblieben ist, taucht sie auf der Liste nicht auf, und in der Regel vermisst sie da auch niemand.
Ganz ohne Tücken ist das Anlegen der Personenliste übrigens nicht. Wenn man nicht aufpasst, kann man nichtsahnenden Leserïnnen ziemlich den Spaß verderben. Wer gleich zu Anfang in der Liste die Namen der fünf gemeinsamen Kinder zweier Personen liest, wird sich nämlich z. B. nicht mehr die eigentlich spannende Frage stellen, ob aus diesen beiden Personen ein Paar wird.

Mittwoch, 29. April 2020

Nach dem Ende der Geschichte kommt ...



Während mein Manuskript aufs Lektorat wartet, sammle ich meine Gedanken, um das Nachwort des Romans zu schreiben. Das hebe ich mir immer bis nach der Manuskriptabgabe auf, weil etwas Abstand zur Geschichte mir dabei hilft, mich aufs Wesentliche zu beschränken.
Ich versuche dabei, zu erraten, welche Fragen sich den Leserïnnen zu den geschichtlichen Hintergründen der Handlung stellen könnten, auf die der Roman keine ausführlichen Antworten liefert. Manchmal gibt mir dazu meine Lektorin auch noch den einen oder anderen Tipp. Außerdem überlege ich, ob mir bei der Recherche etwas auffiel oder mich besonders beschäftigt hat, was ich dann im Text nicht unterbringen konnte, weil es den Handlungsfluss gestört hätte. Im historischen Roman ist es ja oft so, dass geschichtliche Einzelheiten und Zusammenhänge, die für mich und die besonders geschichtsinteressierten Leserïnnen spannend sind, andere möglicherweise eher langweilen. Deshalb wäge ich beim Schreiben ständig ab, was ich in der Geschichte mindestens miterzählen und was ich weglassen muss. Das Nachwort bietet mir die Chance, einige Punkte dann doch noch zumindest kurz zu erwähnen, die im Roman keinen Raum gefunden haben. Und natürlich kläre ich hier auch darüber auf, ob ich mir bei der Darstellung wichtiger Fakten künstlerische Freiheiten genommen habe.

Einige dieser zusätzlichen Informationen zu meinen Romanen findet ihr übrigens auch auf meiner Webseite beim jeweiligen Titel unter "Mehr zum Buch".

Sonntag, 19. April 2020

Marthas Lesejournal: Mein Leseleben. Jetzt als Download



Listen zu führen, kann ein großer Spaß sein. Und wenn man sich gelegentlich ein paar Fragen zu den Büchern stellt, die man im Laufe des Lebens gelesen hat, kann man so manche schöne Lese-Erinnerung wieder aufleben lassen und außerdem eine Menge über sich selbst lernen.
Ich habe dieses Lesejournal gestaltet, um es mit euch anderen Leseratten, Bücherwürmern, Bookaholics und Buchnerds zu teilen.
Meine Idee: Ich zeige euch auf Instagram ein bisschen von dem, was ich in mein Journal schreibe, und wenn ihr Lust habt, könnt ihr unter #marthaslesejournal&ich auf Instagram posten, was ihr so alles hineinschreibt. Ich könnte mir vorstellen, dass daraus ein schöner Austausch entsteht.
Um mitzumachen, könnt ihr euch die Seiten ausdrucken, per Hand ausfüllen und dann fotografieren und das Foto posten. Oder ihr macht von den gewünschten Seiten des Pdf einen Screenshot und füllt sie mit einer Bildbearbeitungssoftware aus. Oder ihr zeigt nur ein Bild von der leeren Seite und schreibt den Inhalt in den Text des Postings. Oder euch fällt noch eine andere Möglichkeit ein.
Das Thema wählt ihr einfach nach Lust und Laune. Ich werde regelmäßig meine eigenen Listen posten und auch ganz spontan entscheiden, was mich gerade am meisten reizt.
Ich habe das Journal nicht entworfen, um damit Geld zu verdienen, würde mich aber freuen, wenn ich wenigstens so viel wieder hereinbekäme, dass die Lizenz für die hübschen Illustrationen der Grafikerin Irina Skaska bezahlt wäre. Deshalb biete ich das Journal als Download über Etsy an. Allerdings lasse ich euch die Wahl, ob ihr es dort kauft und mir auf diese Weise etwas dafür »spendet«. Wer sich das nicht leisten kann, darf die Pdf-Datei gratis von meiner Webseite herunterladen.
Nicht erlaubt ist allerdings, die Datei auf eigene Faust weiter zu verteilen oder gar zu verkaufen. Das wäre ein Bruch des Urheberrechts, den ich gegebenenfalls verfolgen würde. Wenn ihr jemanden kennt, der das Journal haben möchte, verweist ihn bitte auf meine Webseite.
Das Format der Seiten ist so gewählt, dass ihr das gesamte Journal im Broschürendruck beidseitig ausdrucken, die Seiten in der Mitte zerschneiden und in einem Din A 5 Ordner abheften könntet. Die Seitenzahlen und das Inhaltsverzeichnis könnt ihr selbst eintragen, falls ihr für einige der Listen mehr Seiten braucht als vorgegeben. (Die druckt ihr euch dann einfach mehrfach aus.)
Egal, ob ihr bei der #marthaslesejournal&ich - Aktion mitmacht oder nicht: Ich wünsche euch viel Spaß mit dem Journal.
Herzliche Grüße, eure
 Martha Sophie Marcus

(Autorin von: Herrin wider Willen, Salz und Asche, Die Bogenschützin, Der Rabe und die Göttin, Das Gold der Mühle, Herrin des Nordens, Das blaue Medaillon, Das Mätressenspiel, Lady Annes Geheimnis, Kaffeeklatsch mit Goldfisch und Elsternseele und Rabenherz.)
www.martha-sophie-marcus.de









Samstag, 11. April 2020

Frohe Ostern!



Für mich ist die gute Nachricht von Verlag nicht mehr ganz so neu, aber weil sie noch nicht endgültig bestätigt war, hatte ich die Freude darüber aufgeschoben. Doch nun ist es bestätigt: Aus dem sehr (sehr) langen Manuskript, an dem ich so sehr (sehr) lange gearbeitet habe, soll nicht nur ein einziges Buch werden. Sondern zwei.
Und vor einer Stunde habe ich das gesamte Werk abgegeben. Die Geschichte ist erzählt. (Stellt euch lauten Jubel vor.) Fertig sind die beiden Bücher damit natürlich noch lange nicht, aber ich habe jetzt erst einmal Pause. Und die habe ich ganz ehrlich nötig. Ich weiß gerade gar nicht, ob ich heulen oder lachen soll, vor Freude und Erleichterung darüber, dass ich es wieder einmal geschafft habe. Und dass ich mir zu Ostern einfach ein paar Tage frei nehmen kann. Ohne eine unerledigte Arbeit mit drohender Deadline im Hinterkopf. Kann mich nicht daran erinnern, wann ich das zuletzt hatte.
Ich gehe dann mal all die herrlichen Romane aus meinem SUB ziehen, die ich endlich lesen werde ... Habt noch eine schöne Vorosterwoche!

Freitag, 28. Februar 2020

Auf in die nächste Phase



Anfang der Woche habe ich die letzte von meinen handschriftlichen Manuskriptseiten ins digitale Manuskript überführt. Will sagen: Ich bin fertig mit dem Abtippen/Diktieren. Fix und fertig. Jetzt (bin gerade vom Zahnarzt zurück, poste dies und dann …) starte ich mit der Überarbeitung der gesamten Geschichte. Das bedeutet, ich suche und beseitige Logikfehler, Widersprüche und überflüssige Wiederholungen, arbeite wichtige Details schärfer heraus, streiche unwichtige, straffe Szenen, die zu langsam ablaufen, führe andere länger aus, die sich zu lückenhaft oder abgehackt lesen. Und natürlich schleife ich dabei auch sprachlich noch einmal alles, bis es hoffentlich nirgends mehr hakt.
Und weil ich es versprochen hatte, verrate ich es euch jetzt: In den vergangenen 12 Arbeitstagen habe ich 678 Seiten abgetippt/diktiert. Das sind bei meiner Handschrift etwa 340 getippte Normseiten. (Nein, das ist nicht das ganze Buch. Die Geschichte ist länger. Den Rest hatte ich vorher schon getippt.) Hatte ich schon mal erwähnt, dass man die Phase der Manuskriptüberarbeitung so nennt, weil die Autorïnnen zu dieser Zeit in der Regel völlig überarbeitet sind?

Ich wünsche euch einen fabelhaften Start in die Frühlingszeit!
Alles Liebe,
Martha

Samstag, 25. Januar 2020

Das verlorene Königreich Hannover



Das »Königreich Hannover« entstand erst relativ spät, als im Jahr 1814 das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg mit seiner Residenzstadt Hannover diesen neuen Status erhielt. (Das geschah auf dem Wiener Kongress.) Schon seit 1714 war der Kurfürst von Hannover (Braunschweig-Lüneburg) gleichzeitig König des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland, wie mindestens alle Leserinnen von »Lady Annes Geheimnis« natürlich wissen. 😉 Das war die berühmte »Personalunion«, die 1837 aus erbrechtlichen Gründen endete. Der erste König beider Königreiche war Georg III., der letzte war Wilhelm IV.
Der letzte König von Hannover war dann Georg V., der 1866 ins Exil gehen musste, als Hannover an der Seite von Österreich im Krieg gegen Preußen unterlag. Das Land Hannover wurde anschließend vom eigenständigen Königreich zur preußischen Provinz.
Auf dem Bild seht ihr die Gemahlin des letzten Königs, Königin Marie, mit ihrer Tochter Mary. Das Gemälde soll die beiden auf Schloss Marienburg zeigen, das Georg für Marie erbauen ließ. Das Schloss wurde allerdings erst vollendet, als das Königreich bereits keines mehr war. Marie bewohnte es nur kurze Zeit, bevor sie ihrem Ehemann ins Exil nach Österreich folgte.
Die Romanszene, die ich gestern geschrieben habe, spielt 1866 in Hannover. Mit dem König oder sonstigem Adel hat meine Geschichte dieses Mal aber wenig zu tun. Ich habe mich für den neuen Roman wieder anderen Milieus zugewandt.
Und, ja, man glaubt es kaum, die allerletzten Szenen stehen bevor ...

Mittwoch, 15. Januar 2020

Das Lindener Schloss




Im 19. Jahrhundert gab es in Hannover-Linden ein prächtiges Schloss. Erbaut wurde es nicht, wie der heutige Name des umliegenden Parks und seines letzten Eigentümers vermuten ließe, von der Familie von Alten, sondern 1698 bis 1702 vom Grafen von Platen. Das war derselbe Graf, dessen Ehefrau Clara als Mätresse des Kurfürsten eine bedeutende Rolle in meinem Roman „Das Mätressenspiel“ spielt.
Das Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben vollständig zerstört. Heute gibt es an der Stelle, wo es stand, enttäuschenderweise nur noch den Von-Alten-Park, wo kaum mehr als eine Steinbalustrade an das Gebäude erinnert. In Hannover und Linden war der Grad der Zerstörung insgesamt sehr hoch, was es heute besonders schwierig macht, sich das frühere Stadtbild vorzustellen, wenn man vor Ort ist.
Für die Figuren des Romans, an dem ich gerade arbeite, gehört der Anblick des Schlosses der Familie von Alten allerdings ebenso zum Alltag wie die ersten hohen Industrieschornsteine der neuen Fabriken. 


Das Mätressenspiel

Montag, 13. Januar 2020

Work in Progress



Über keinem anderen meiner Romane habe ich so viel gebrütet wie über dem, den ich gerade schreibe. Er müsste eigentlich längst fertig sein, und gefühlt bin ich seit einer halben Ewigkeit auf der Zielgeraden. Aber es fehlt immer noch ein Stück. Und dann kommt erst die Überarbeitung, bei der ich wahrscheinlich ganz viel von dem geschriebenen Text wieder verwerfe. (Seufz 😶🙂‚) Ich wünschte, ich könnte es beschleunigen. Aber wenn man Geschichten beim Erzählen nicht die Zeit lässt, die sie brauchen, raubt man ihnen die Magie. Und das kann ich wirklich nicht verantworten. 😉
Es wird also noch eine Weile dauern, bis mein neuer Roman erscheint. Umso mehr freue ich mich dann, wenn es so weit ist. Und ich hoffe, das werdet ihr auch.
Liebe Grüße,
Martha

Donnerstag, 9. Januar 2020

Damals in Hannover-Linden




Während meiner Studienzeit war das ehemalige Arbeiterviertel Hannover-Linden eine der begehrtesten Wohngegenden für Studentïnnen: viele WG-geeignete, etwas schäbige und daher nicht zu teure Altbauwohnungen, kleine Lebensmittelläden, Cafés, Kneipen, Kioske und Räume für alternative Kultur an jeder Ecke, brodelndes Leben und dabei doch eine gewisse Gemütlichkeit. Und zu den verschiedenen Uni-Standorten war es mit dem Rad nicht allzu weit. Ich fand Linden damals toll, aber mit seiner Geschichte habe ich mich erst viel später befasst.
Noch bis 1920 war Linden offiziell kein Teil der Stadt Hannover, sondern ein eigenes Dorf mit einem besonderen Charakter. Es ist von Hannover durch den Fluss Ihme getrennt, über den es bis 1872 im Stadtgebiet nur eine einzige Brücke gab. Anfang des 19. Jahrhunderts galt Linden als »das schönste Dorf des Königreichs Hannover«, doch in nur rund vierzig Jahren, etwa zwischen 1830 und 1870, wurde aus dem schönen Dorf der größte Industriestandort des Königreichs.
In der Zeit dieser rasanten Entwicklung spielt die Geschichte, die ich gerade schreibe.

Donnerstag, 2. Januar 2020

Sonntag, 22. Dezember 2019

Samstag, 30. November 2019

Frauen-Literatur



In meiner Schulzeit und später, als ich in den 90er Jahren in Hannover Germanistik studiert habe, spielte das Internet als Informationsquelle noch keine Rolle.
Lächerlich klein war auch die Rolle, die von Frauen geschriebene Literatur im Lektürekanon der Schule und im Lehrangebot der Uni spielte. Hätte ich nicht hier und da schwach sichtbare Hinweise darauf entdeckt, dass diese Literatur existierte, hätte ich zu dem Schluss kommen können, dass tatsächlich in Vergangenheit und Gegenwart Männer durchgängig viel mehr und viel besser geschrieben haben.
Heute ist es leicht, sich vom Gegenteil zu überzeugen – damals war es das nicht. (Und soo lange ist das wirklich noch nicht her!) Mühsam habe ich aus feministischen Lektürelisten, Verlagsvorschauen und Bibliothekskatalogen Bücher herausgefiltert, die sich mit Literatur von Frauen beschäftigen, um überhaupt erst einmal Anhaltspunkte und dann einen groben Überblick zu gewinnen, welche nennenswerten Autorinnen es gegeben hatte und noch gab.
Ich bin froh, dass das heute nicht mehr nötig ist. Ein Besuch im Internet genügt, um einen Reichtum an Information über Literatur jeglicher Herkunft zu finden. Das ist großartig und sollte eigentlich jeden Tag gefeiert werden.
Auf das Thema komme ich übrigens jetzt gerade zu sprechen, weil seit einer Weile in der Social-Media-Welt eine Welle umläuft, in der Leute unter dem Hashtag #autorinnenschuber auf empfehlenswerte Bücher von Frauen hinweisen. Der Anlass dafür war blöd, weil sich mal wieder ein Verlag unachtsam verhalten hat, aber darauf möchte ich hier nicht weiter eingehen. Die Aktion mit dem Hashtag ist als Antwort darauf jedenfalls super, und ich empfehle euch, unbedingt mal z.B. auf Instagram ein bisschen unter #autorinnenschuber zu stöbern. Da findet ihr bestimmt tolle Bereicherungen für euren Lesestapel.
Eins noch zum Schluss: Wenn mir Leute sagen, dass sie »Frauen-Literatur« nicht lesen, weil [beliebigen abwertenden Grund einsetzen], dann kommen meine Augen schmerzhaft ins Rollen. Sogar das Genre »Frauen-Literatur«, das von Verlagen aus Verkaufserwägungen so gestylt wird, als würde es sich ausschließlich an eine rätselhafte (besonders bücherkaufbereite) Zielgruppe irgendwie gleichgeschalteter Frauen wenden, spiegelt unter dem Cover die gesamte Bandbreite der Literatur. »Frauen-Literatur« ist einfach Literatur und macht in ihrer Vielfalt ganz verschiedene Menschen glücklich.
Ich wünsche euch noch ein schönes Wochenende und geh’ dann mal schnell den Wocheneinkauf machen, damit ich anschließen in Ruhe lesen kann. 😏

Montag, 28. Oktober 2019

"Das Gold der Mühle" jetzt als E-Book-Neuausgabe

 

Das Gold der Mühle

1372 im Lüneburger Land, wo ein brutaler Erbfolgekrieg tobt:
Die 36-jährige Witwe Brida findet den verletzten Ritter Ulrich am Wegesrand. Kurzentschlossen nimmt sie ihn bei sich auf und pflegt ihn gesund. Von ihr unbemerkt verliebt ihre 16-jährige Tochter Ann Durt sich in den jungen Mann. Als er wieder aufbricht, schließt sie sich ihm heimlich an.
Besorgt um ihre Tochter folgt Brida ihrer Spur durch die Wirren des Krieges, um sie zurückzuholen. Aber die beiden jungen Leute bleiben ihr immer einen Schritt voraus -- bis Brida den faszinierenden Abenteurer Brose trifft, zwischen die Fronten der Kriegsparteien gerät und bald um wesentlich mehr fürchten muss als nur um eine ihrer Töchter.

Jetzt bei Amazon und den Shops der Tolino-Allianz.






Was ist der historische Hintergrund zu "Das Gold der Mühle"?

Die Geschichte beginnt im Jahr 1372.
Mitte des 14. Jahrhunderts herrscht der welfische Herzog Magnus Torquatus im Lüneburger Land. Er besetzt diese Position nicht nur gegen den Willen seines sächsischen Konkurrenten Albrecht aus dem Haus der Askanier und gegen den von Kaiser Karl IV. Auch sein eigener Vater will ihn nicht als Erben, sondern droht ihm mit dem Henkersseil. Magnus' Stolz, Mut und Skrupellosigkeit stürzen das Land und die Stadt Lüneburg in jahrzehntelange kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Häusern der Welfen und Askanier.
1371 lenkt Magnus seine Wut gegen die Stadt Lüneburg, besetzt die dortige Kalkbergburg und richtet deren Waffen gegen die Einwohner. Die Lüneburger setzen sich mit einem listigen Gegenstreich zur Wehr und besiegen Magnus' Gefolgschaft in der legendären St. Ursulanacht. Doch dieser Triumph der Bürger über die Ritter leitet eine Zeit noch erbitterterer Streitigkeiten ein, unter denen das ganze Land Braunschweig-Lüneburg (etwa das heutige Niedersachsen) jahrelang leidet.


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Info zu weiteren Titeln von MSMbooks.

Mittwoch, 24. Juli 2019

Henriette Löfflers Kochbuch


Historische Kochbücher und Haushaltsratgeber des 19. Jahrhunderts geben einen wunderbaren Einblick in das bürgerliche Alltagsleben von damals (vor allem das Leben der Frauen natürlich) und sind deshalb eine tolle Recherchequelle. In kulinarischer Hinsicht sind die alten Kochbücher für mich als Vegetarierin und eher minimalistische Köchin hingegen nur selten eine Fundgrube, weil die meisten Rezepte fleisch- und fischhaltig oder enorm zeitaufwendig daherkommen. Immerhin hatte Frau Löffler aber seitenweise Obstkaltschalen im Repertoire, und die sind für das derzeitige Wetter hier auf jeden Fall das Richtige. Wenn man genug Wein hinzufügt, dann ist einem die Temperatur draußen ohnehin irgendwann egal. Ich jedenfalls schlafe nach dem Essen dann einfach sofort ein.




Samstag, 15. Juni 2019

Danke!



»Lady Annes Geheimnis« ist nun seit zwei Wochen im Handel, die Leserunde auf der »Lesejury«-Plattform geht zu Ende, und langsam erscheinen die ersten Rezensionen im Internet. Das heißt, natürlich »erscheinen« diese Rezensionen nicht einfach so, sondern sie werden von Menschen geschrieben, die sich nicht nur die Zeit genommen haben, das Buch in Ruhe zu lesen und auf sich wirken zu lassen, sondern die sich auch die Mühe gemacht haben, ihre Gedanken dazu schriftlich in Worte zu fassen und zu verbreiten. Als Autorin weiß ich diese Mühe absolut zu schätzen und bin jedem dankbar, der sie sich macht. Denn wir Autorïnnen brauchen für unsere Bücher jedes Bisschen Aufmerksamkeit, das auf diese Weise entsteht, damit sie nicht unbeachtet untergehen. Wenn du also schon einmal eine Rezension für eines meiner Bücher oder auch andere Bücher geschrieben und im Internet verbreitet hast, danke ich dir an dieser Stelle von Herzen dafür!

Freitag, 14. Juni 2019

Fragen an die Autorin



Anfang des achtzehnten Jahrhunderts war es in England noch legal und gültig (wenn auch unüblich), sich ohne kirchliche und staatliche Lizenz trauen zu lassen. Das Fleet-Viertel in London hatte sich dafür als Anlaufstelle etabliert. Viele Paare, die wichtige Gründe hatten, nicht den »offiziellen«, angeseheneren, aber auch langwierigen und teuren Weg einer normalen Hochzeit zu gehen, machten von der Möglichkeit einer »Fleet Mariage« Gebrauch. Zuerst fanden die »irregulären« Eheschließungen meist in der Kapelle des Schuldgefängnisses statt, dann entdeckten die Inhaber der umliegenden Gasthäuser die Sache als Geschäftsidee, und bald boten viele Anwohner diesen Service an. Ein Geistlicher scheint übrigens meistens anwesend gewesen zu sein, aber nicht zwingend. 1753 wurde diese Art von Eheschließung staatlicherseits verboten.



Ich höre öfter mal, dass jemand sich von einem Roman ein wenig abgeschreckt fühlt, wenn gleich am Anfang klar wird, dass viele Personen mitspielen (weil z.B. das Personenverzeichnis so lang ist.) Bei historischen Romanen scheint das häufiger der Fall zu sein. Eine Erklärung dafür ist, dass es beim Schreiben kaum möglich ist, historisch authentisch zu bleiben, wenn man das »Romanpersonal« zu stark ausdünnt. Um bei »Lady Annes Geheimnis« als Beispiel zu bleiben: Allein die kurfürstliche (Georg Ludwigs) Familie und ihr Hofstaat bestanden in der Wirklichkeit aus weit mehr Personen als im Roman mitspielen. Wenn ich sie auf noch weniger Charaktere beschränken würde, um den Roman besonders leicht lesbar zu machen, würde es das historische Bild von so einer Hofgesellschaft stark verzerren und irgendwie auch langweiliger machen. Das wäre für euch Leserïnnen dann auch enttäuschend.
Während ich schreibe, füge ich übrigens jede Person, die ich in die Geschichte einführe, immer gleich zum Personenverzeichnis hinzu. Später diskutiere ich dann mit meiner Textredaktions-Lektorin, welche der Personen vielleicht aus dem Verzeichnis gestrichen werden können. Meistens kommen wir zu dem Schluss, lieber mehr als weniger von ihnen dort zu nennen, also auch die, die eigentlich nur kleine Nebenrollen spielen. Das kann für jemanden, der schon vor dem Lesen einen Blick aufs Verzeichnis wirft, natürlich etwas überwältigend wirken. Meistens verliert sich die Sorge aber beim Lesen, so weit ich weiß.


Meine Romane spielen in ganz unterschiedlichen Epochen. Die drei aus dem Lübbe Verlag (»Das blaue Medaillon«, »Das Mätressenspiel« und »Lady Annes Geheimnis«) sind zwar alle im höfischen Milieu der Barockzeit angesiedelt, aber es gibt noch sechs weitere historische Romane von mir, und sie spielen im neunten, elften, vierzehnten, fünfzehnten und siebzehnten Jahrhundert. (Wenn es euch genauer interessiert, erfahrt ihr alle Einzelheiten auf meiner Webseite www.martha-sophie-marcus.de.) Mit dem Roman, an dem ich zur Zeit arbeite, reise ich ins neunzehnte Jahrhundert – ebenfalls eine ungeheuer spannende Epoche.


Bei der Recherche stütze ich mich zu 90% (nach Zeitaufwand betrachtet) auf Fach- und Sachliteratur. Die gibt es zur »georgianischen« Epoche in England sowohl von deutscher als auch von englischer Seite reichlich. Ich poste hier mal ein Bild, auf dem einige der Bücher zu sehen sind, die mir am meisten weitergeholfen haben. Das detailreichste Werk zu George I. ist derzeit das von Ragnhild Hatton. Schwieriger war es, eine genauere Aufarbeitung der jakobitischen Rebellion von 1715 zu finden, weil das ausführlichste Werk dazu (Daniel Szechi: 1715. The Great Jacobite Rebellion) neu nicht mehr erhältlich war und ich es auch nicht ohne Weiteres über eine Bibliothek beziehen konnte. Glücklicherweise habe ich dann noch eine etwas günstigere gebrauchte Ausgabe gefunden, und sie hat mir tatsächlich ein paar wichtige Einzelheiten geliefert.
Die restlichen 10% Recherche sind Orts- und Ausstellungsbesichtigungen, Video- und Tonmaterial und der gelegentliche Austausch mit einer Fachfrau/einem Fachmann, falls sich eine Frage mal gar nicht über die vorhandene Literatur und das öffentlich zur Verfügung stehende Material klären lässt.
Für »Lady Annes Geheimnis« habe ich mit der Recherche übrigens nicht ganz von vorne anfangen müssen, weil ich mich schon für »Das blaue Medaillon« und »Das Mätressenspiel« (meine Romane, die 2017 und 2018 bei Lübbe erschienen sind) mit dem Hannover der Barockzeit und der Familie von Georg Ludwig beschäftigt hatte.

Dienstag, 4. Juni 2019

Noch Fragen?

Eure Fragen beantworte ich gern. Also immer her damit!


Die interessantesten Geschichten sind wohl nicht nur für mich die, in denen Menschen sich Herausforderungen stellen und daran wachsen.
Dass ich häufiger von Frauen erzähle, liegt daran, dass ich die oft besonders schwierigen Bedingungen, unter denen gerade Frauen sich im Laufe unserer Geschichte behaupten mussten, schon immer höchst spannend fand. Und jung sind die meisten (nicht alle) meiner Protagonistinnen, weil an der Schwelle zum Erwachsenwerden nun einmal viele Weichen für das Leben gestellt werden. Junge Menschen treffen in dieser Phase bewusst, aber auch unbewusst, weitreichende Entscheidungen, die die Entwicklung ihrer Persönlichkeit prägen und die viel Futter für aufregende Geschichten bieten.
Selbstverständlich haben die Entscheidungen meiner Romanfiguren auch mit denen zu tun, dich ich in meinem eigenen Leben getroffen habe, aber nicht mehr als sie mit dem Leben so ziemlich aller Menschen zu tun haben. Übrigens kenne ich eigentlich nur Frauen, die sich in ihrem Leben jede auf ihre Weise immer wieder als sehr stark erwiesen haben.

Freitag, 24. Mai 2019

Dieser wunderbare Moment, ...

... wenn ich das Paket öffne, das der Postbote gerade gebracht hat, und ich zum ersten Mal das fertige Buch sehe. Da lacht das Herz.




Dienstag, 21. Mai 2019

Noch zehn Tage ...


In zehn Tagen ist es so weit: »Lady Annes Geheimnis« kommt in den Handel (31. Mai). Die Vorableserunde bei der Lesejury ist schon gestern gestartet. Ich wünsche allen Teilnehmerïnnen viel Spaß! Am Freitag komme ich vorbei und beantworte eure Fragen.
Den Überblick über die Familienverhältnisse des Kurfürsten von Hannover/Königs Georg I. von England zu behalten, ist nicht ganz einfach. Da hilft vielleicht dieser kleine Stammbaum. Sein Anspruch auf den englischen Thron entstand übrigens daraus, dass seine Mutter (Sophie von der Pfalz) die Tochter einer Stuart-Prinzessin war. Kleine Extras wie diese Stammtafel findet ihr zu all meinen Romanen auch auf meiner Webseite www.martha-sophie-marcus.de


Mittwoch, 24. April 2019

Leserunde für Lady Annes Geheimnis


Am 20. Mai startet bei der Lesejury eine Leserunde zu meinem neuen historischen Roman »Lady Annes Geheimnis«, der erst am 31. Mai allgemein veröffentlicht wird. Wer mitmacht, hat also anderen Leser*innen etwas voraus ... Ihr könnt euch noch bis zum 05. Mai auf www.lesejury.de für die Runde anmelden. Leider kann ich mir dieses Mal nicht ganz so viel Zeit dafür nehmen, die Diskussion zu begleiten, aber ich verspreche, dass ich auf jeden Fall ein Mal in der Woche alle Fragen im Fragen-an-die-Autorin-Thread beantworten werde. Spätestens dort werden wir uns also begegnen, und darauf freue ich mich. Also überlegt euch bitte viele schöne Fragen!

Freitag, 8. Februar 2019

Gute Reise, Lady Anne!


Bin durch mit der Fahnenkorrektur, ein Glück. Ach, übrigens kann ich euch jetzt verraten, dass die Taschenbuchausgabe von "Lady Annes Geheimnis" inklusive Glossar und Personenverzeichnis satte 543 Seiten haben wird. (Die euch hoffentlich alle Spaß machen werden.) Bei der Fahnendurchsicht habe ich 29 Zeilen wegen Übersatz zu Verschwinden gebracht (Übersatz >>> die Sache mit den Hurenkindern und den Schusterjungen, ihr wisst schon, oder?) und weitere 35 mikroskopische Berichtigungen und Änderungen angemerkt. Nun kann ich nichts mehr für das Buch tun, nun liegt alles beim Verlag. Viel Glück, Lady Anne, es war wunderschön mit dir ...







Mittwoch, 23. Januar 2019

Bucket List


 Auf Anregung einer Leserin hin, habe ich mir über ein paar Fragen Gedanken gemacht, zu denen sie die Antworten gern auf meiner Webseite lesen würde. Hier ist eine davon.
Auf meiner »Bucket List« stand immer nur wenig, und es wechselt. Ich wollte unbedingt Kinder und die habe ich zu meinem großen Glück bekommen. Ich wollte eine Weile im Ausland leben und konnte tatsächlich zwei Jahre in England verbringen. Ich wollte nach Indien und dort wild lebende Tiger sehen. Das hat nicht ganz geklappt, dafür habe ich aber in einem indischen Nationalpark im Dschungel vom Elefantenrücken aus ein Nashorn beobachten dürfen. Ich wollte an einer internationalen Bogenmeisterschaft teilnehmen und habe tatsächlich in Ungarn die Europameisterschaft im Feldbogenschießen mitgemacht. Ich wollte einen Roman schreiben und ... Aber das wisst ihr ja.

Dienstag, 8. Januar 2019

Lüneburger Autorinnen- und Autorensonntag



Die Lüneburger Buchhandlung am Markt hat sich etwas Schönes ausgedacht, und ich mache mit. Kommt doch auch vorbei!
»Lokale Literatur mal anders
Lüneburg ist ein sehr kreatives Pflaster. Gerade im Hinblick auf Literatur. Zahlreiche Autorinnen und Autoren leben hier, schreiben hier. Wir laden Sie ein, am Autorensonntag die Gesichter der Region und ihr Werk kennen zu lernen. Eine wunderbare Gelegenheit, die Vielfalt der heimischen Buchwelt zu erkunden und in gemütlicher Atmosphäre „unsere“ regionalen Autoren zu treffen.
Infos und Kontakt: Interessierte AutorInnen wenden sich bitte an Sylvia Anderle unter s.anderle@luenebuch.de oder Tel. 04131 754 74 21
Autoren im Gespräch: Sonntag, den 20. Januar 2019 um 11 Uhr
Verkaufsausstellung bis 23. März 2019
20.01.2019 - 11:00
Lünebuch, Bardowicker Str. 1
Eintritt frei«

Montag, 7. Januar 2019

Wissenskrümel zu "Salz und Asche"


Die Ursiedlung Lüneburg wurde an ihrem Standort errichtet, weil damals jemand hier eine salzige Quelle entdeckt hat. Der Sage nach waren es Jäger, die ein Wildschwein mit weißen Salzkristallen in seinen Borsten verfolgt haben. Die Salzsau hatte sich in einer Suhle gewälzt, die sich in der Nähe der Quelle befand. Später stellte sich heraus, dass es sich um einen großen unterirdischen Salzstock handelte, der im großen Stil ausgebeutet werden konnte. Salz war damals noch wesentlich kostbarer als heute (weil schwieriger zu gewinnen) und eine begehrte Handelsware. Lüneburgs große Vorteile waren außerdem die Nähe zur Ilmenau, einem kleinen Fluss, der zur großen Elbe führt, und damit eine gute Anbindung ans »Verkehrsnetz« gewährte, und der Kalkberg, der jahrhundertelang als Standort einer Festung diente, aber auch als Rohstoffquelle.
Die drei Faktoren »Berg« (Mons), »Brücke bzw. Fluss« (Pons) und  »Quelle« »Fons« finden sich auch im Lüneburger Stadtsiegel wieder.
So kam es, dass die Stadt im Mittelalter prachtvoll gedieh und zu einer wahren Metropole wurde. Damals gehörte Lüneburg zu den größten und reichsten deutschen Städten. Heute tritt unser Städtchen ein bisschen bescheidener auf.


Der »Papagoy«: Ja, die Leute haben tatsächlich im 17. Jh schon Papageien als Haustiere gehalten. Und mit menschenüblicher Grausamkeit haben sie möglicherweise auch zur Jahrmarktsunterhaltung auf sie geschossen. Es gab damals leider viele „Spiele“, die Tierquälerei einschlossen.
Das Gemälde „Der Papageienkäfig“ stammt von dem niederländischen Maler Jan Steen und ist um 1665 entstanden – nur zehn Jahre nach der Romanhandlung von „Salz und Asche“.


Was bedeutet der Titel »Salz und Asche«?
In ihrer Rezension zum Roman hat eine Leserin das wunderschön in Worte gefasst:
»Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Suche nach verschwundenen Kindern und die Aufklärung eines damit in Zusammenhang stehenden Verbrechens, das die Böttchertochter Susanne aus gutbürgerlichem Haus und den Schmiedegesellen Jan zusammenführt. Aber auch die Gegensätze von Wohlstand und Armut, Gesellschaft und Individuum, Wunschträumen und Realität, kurz Salz und Asche. Das Buch bietet ein schönes Sittengemälde von Lüneburg nach dem 30 jährigen Krieg, liebevoll gezeichnete Figuren, Spannung und die Romantik der ersten Liebe.«
Besser könnte ich es auch nicht sagen.


Das alte Lüneburg
Der Neuausgabe von »Salz und Asche« habe ich die Abbildung eines alten Stadtplans beigefügt, der zwar viel früher gezeichnet wurde als 1656, trotzdem aber einen guten Überblick über die Stadt gibt.
Die Karte stammt aus der Wikipedia, die Anmerkungen am Rand sind von mir.

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Dienstag, 1. Januar 2019